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Musik

Gabler-Notenblätter in Nachlass gefunden

Von dem Regensburger Komponisten Richard Gabler sind Original-Noten aufgetaucht. Sie wurden einem Verwandten übergeben.
Von Engelbert Weiß

Ida Rauscher übergibt Original-Notenblätter des Oberpfälzer Komponisten Richard Gabler an Richard Gabler aus Regensburg. Foto: E. Weiss
Ida Rauscher übergibt Original-Notenblätter des Oberpfälzer Komponisten Richard Gabler an Richard Gabler aus Regensburg. Foto: E. Weiss

Regensburg.Pfarrer, Arzt und Lehrer waren noch bis ins vergangene Jahrhundert Autoritäten im Ort und Personen, vor denen jeder viel Respekt hatte. Sie waren geachtet, oft aber auch gefürchtet. Der Oberpfälzer Komponist Richard Gabler gehörte noch zu diesem Personenkreis. Als Lehrer, Musiker und Künstler war er eine geachtete Respektsperson, aber auch ein von vielen Schülern gefürchteter Lehrer.

Richard Gabler wurde 1901 in Regensburg geboren. 1963 starb der Hauptlehrer in Etterzhausen. Von seinem musikalischen Schaffen sind bisher etwa 80 Werke bekannt, vieles ist verschollen. Originalnoten sind jetzt im Nachlass eines Verwandten in Großberg aufgetaucht. Die Erbin Ida Rauscher übergab nun diese Originalnoten an einen Namensvetter des Komponisten, Richard Gabler aus Regensburg. Die Notenblätter aus der Verwandtschaft ihres Mannes waren ihr einfach „zu wertvoll zum Wegwerfen“.

Ein Cousin seines Vaters

Originalnoten des Oberpfälzer Komponisten Richard Gabler - Klassenfoto Foto: E. Weiss
Originalnoten des Oberpfälzer Komponisten Richard Gabler - Klassenfoto Foto: E. Weiss

Diplom-Theologe Richard Gabler, Jahrgang 1947, trägt nicht nur den gleichen Namen wie der mit knapp 62 Jahren verstorbene Komponist, er ist mit ihm sogar verwandt. „Der jung gestorbene Musiker war ein Cousin meines Vaters“, erzählt Gabler im Gespräch mit der Mittelbayerischen.

Notenblätter Frauenzell Foto: E. Weiss
Notenblätter Frauenzell Foto: E. Weiss

Ida Rauscher aus Großberg hat die handgeschriebenen Original-Notenblätter des Komponisten Richard Gabler im Nachlass ihres vor drei Jahren verstorbenen Mannes Ferdinand Rauscher gefunden. Die umtriebige und agile 90-jährige Seniorin hat sich dann auf die Suche nach jemandem gemacht, der mit dieser „wertvollen Erbschaft“ etwas anfangen kann. In der Mittelbayerischen sind ihr Berichte aufgefallen von einem Richard Gabler, der seit vielen Jahren vor allem durch seine bei Benefizveranstaltungen auswendig vorgetragene Weihnachtsgeschichte von Ludwig Thoma weit bekannt ist. Über die Mittelbayerische ist es Ida Rauscher gelungen, Kontakt zu diesem Richard Gabler zu bekommen.

Ein berühmter Onkel

Richard Gabler ist von den Notenblättern ganz fasziniert. Foto: E. Weiss
Richard Gabler ist von den Notenblättern ganz fasziniert. Foto: E. Weiss

Und der hat sich riesig gefreut. Sein Namensvetter und weitschichtig Verwandter, ein Onkel zweiten Grades, ist ihm nämlich keineswegs unbekannt. Er kennt ihn schon aus dem Musikunterricht in der Schule: „Jetzt hast du so einen berühmten Onkel und führst dich so auf“, musste er sich von einem seiner Lehrer anhören, „wenn ich mal nicht so brav war“. „Leider“ habe er seinen Großonkel nicht mehr persönlich kennengelernt. Ida Rauscher schon. Sie ging bei dem bekannten Oberpfälzer Komponisten in Hohengebraching zur Schule. Sie durfte bei Gabler singen, erzählt sie. „Sie haben so eine frische und helle Stimme“, erinnert sie sich an das Lob ihres Lehrers. „Wir haben auch in Lazaretten gesungen.“

Richard Gabler – Lehrer, Musiker, Künstler

  • Auf dem Schulfoto von 1934

    ist in der hinteren Reihe links Lehrer Richard Gabler zu sehen. Der Komponist war seit Januar 1933 Lehrer in Hohengebraching. Im Februar übernahm der dort auch den Kirchenchor. Im August wurde er Schulleiter.

  • Nach Kriegsdienst

    und Gefangenschaft in Russland war Gabler – sein Vater stammte aus dem Vorwald – Lehrer in Donaustauf, allerdings nur auf dem Papier. Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft wurde er 1949 nach Etterzhausen versetzt und dort 1950 zum Hauptlehrer befördert.

  • Zum Werk

    von Richard Gabler gehören 22 Klavierkompositionen und 20 Kammermusikwerke, elf Lieder bzw. Liederzyklen. Mehrere Original-Notenblätter sind nun im Nachlass von Idas vor drei Jahren verstorbenem Mann Ferdinand Rauscher aufgetaucht.

  • Die Frau

    des 1963 in Etterzhausen verstorbenen Komponisten und Lehrers Richard Gabler war Ferdinand Rauschers Tante. Über diesen Weg sind die Notenblätter ins Erbgut von Ida Rauscher gekommen. Ihr war es ein Anliegen, dass „dieser unheimliche Schatz in gute Hände kommt“.

Originalnoten des Oberpfälzer Komponisten Richard Gabler -  Todesnachricht in der Zeitung Foto: E. Weiss
Originalnoten des Oberpfälzer Komponisten Richard Gabler - Todesnachricht in der Zeitung Foto: E. Weiss

„Musik spielt bei fast allen Gablers in der Verwandtschaft eine große Rolle“, erzählt Gabler. So auch bei ihm. In der Schule hat er Cello gelernt, dann Tenorhorn und Posaune. Jetzt spielt er Klarinette. Viel Freude hatte er als Bass im Männergesangverein Tegernheim. „Beim Singen muss man freundlich schauen, du musst dich auf jeden Ton freuen, dann klingt der ganz anders“, berichtet Gabler. „Da fängt der Ton zu strahlen an.“ Und freudestrahlend blättert er in den alten Notenblättern, sucht nach einem Klarinettenkonzert.

Man braucht „eine breite Hand“

Originalnoten des Oberpfälzer Komponisten Richard Gabler - Notenblatt Foto: E. Weiss
Originalnoten des Oberpfälzer Komponisten Richard Gabler - Notenblatt Foto: E. Weiss

Inzwischen hat Gabler auch einen Musiker gefunden, der die Stücke von seinem Namensvetter spielen kann. Zusammen mit Norbert Grünbeck, dem ehemaligen Chordirektor von Regensburg St. Wolfgang, hat er mit Kompositionen des Oberpfälzer Komponisten „einen sehr schönen Abend“ bei der Schlaraffia gestaltet. Die Stücke seien „nicht einfach zu spielen“, berichtet Richard Gabler, man brauche dafür „eine breite Hand“. Und ganz begeistert berichtet er auch, dass er vom bayerischen Staatsarchiv inzwischen sogar Tonaufnahmen seines Namensvetters erhalten habe. „Gablers Kompositionen wurden damals im Bayerischen Rundfunk oft gespielt.“

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