MyMz
Anzeige

Natur

Gärtner bleiben gelassen

In dieser Woche kehrte plötzlich der Winter nach Regensburg zurück. Gemüsebauern aus der Region geben aber Entwarnung.
Von Katharina Eichinger und Daniel Steffen, MZ

Gemüsebauer Max Küffner sieht in der derzeitigen Kälte bisher kein Problem für die Ernte. Foto: Steffen
Gemüsebauer Max Küffner sieht in der derzeitigen Kälte bisher kein Problem für die Ernte. Foto: Steffen

Regensburg.Noch am 10. April klopfte in Regensburg der Sommer an. An Temperaturen bis zu 24 Grad Celsius erfreuten sich die Regensburger. Die Menschen standen an den Eisbuden in der Stadt Schlange. Nun stürzten die Temperaturen in den Keller – und der dicke Wintermantel musste wieder aus dem Schrank geholt werden. Verblüfft wischten sich viele die Augen, als plötzlich Schneeflocken vom Himmel fielen. Entwarnung ist noch nicht gegeben, denn auch in der Nacht zum Freitag sollen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen. Ob das die Ernte in Gefahr bringt? Unser Medienhaus hörte sich bei Gemüsebauern aus Winzer und Hobbygärtnern um. Sie bleiben, den Temperaturschwankungen zum Trotz, gelassen und geben Tipps für den eigenen Garten.

„Wir Gemüsebauern haben mit dem Wetter bisher kein Problem“, sagt Max Küffner, der den gleichnamigen Betrieb an der Nürnberger Straße in vierter Generation führt. „Schlecht wäre, wenn es jetzt drei, vier Nächte unter minus fünf Grad Celsius wären. Ab Freitag wird es aber langsam wieder wärmer“, sagt er. Unter anderem hat er Sellerie, Kohlrabi, Lauch, Blumenkohl, Brokkoli und Salate im Angebot. Viele dieser Pflanzen habe er früher als sonst geerntet, sagt Küffner.

Er verweist auf den „wärmsten März seit den Wetteraufzeichnungen“, der die Pflanzen schnell habe sprießen lassen. Da der März so warm war, würden viele Menschen die vergangenen Tage als besonders kalt empfinden, mutmaßt Küffner. Für ihn sei das aktuelle Wetter „absolut normal“.

„Der April macht, was er will“

Sein Berufskollege Josef Brunner stimmt ihm zu. „Der April macht, was er will“, erinnert der Winzerer Gärtnereileiter an die Bauernweisheit. „Mal gibt es wärmere, mal kältere Jahre. Das Wetter ist auch kein Wunschkonzert.“ Im April 1996, so erinnert sich Brunner, seien die Temperaturen viel niedriger als jetzt gewesen. „In dem Jahr habe ich meine Meisterprüfung gemacht. Da hat es seit Dezember 1995 nicht einen Tag gegeben, an dem es nachts wärmer als minus fünf Grad gewesen ist. Und das bis zum 21. April 1996.“

In unserer Bildergalerie sehen Sie Tipps für Hobbygärtner:

Temperatursturz: Tipps für Hobbygärtner

Frostempfindlich, sagt Max Küffner, seien zum Beispiel Gemüsearten wie Bohnen und Zucchini. „Deshalb pflanzt man diese von Haus aus später an – von Anfang bis Mitte Mai.“ Auch bei Sellerie und Lauch sei Vorsicht geboten. „Ist es dauerhaft zu kalt, dann wächst der Lauch zu schnell und geht sofort zur Samenbildung über. Dann ist die Pflanze ungenießbar.“ So ein Szenario bahne sich jedoch nicht an, gibt Küffner Entwarnung. Durch ein Vlies geschützt indes sind die Pflanzen, die derzeit auf seinen Feldern wachsen: Das sind zum Beispiel Petersilie, Fenchel und Spinat.

Für Gärtner ist die aktuelle Witterung nicht ungewöhnlich. „Damit muss man im April immer rechnen“, sagt Torsten Mierswa, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege beim Landratsamt Regensburg. „Der April ist der Monat, der am unberechenbarsten ist, aber jetzt ist es schon massiv“, sagt Ingrid Schirrmacher vom Obst- und Gartenbauverein Oberisling-Leoprechting. Doch viele, die nach dem Winter ihre Gärten und Balkone begrünen wollen, haben meist vor allem ein Problem: „Der Freizeitgärtner kann vieles nicht erwarten“, sagt Mierswa.

Pflanzen mit Vlies abdecken

Es gibt aber einiges, was Hobbygärtner beachten sollten, wenn sie einen nachhaltig schönen Garten möchte. „Das Schlimmste, was man jetzt machen kann, ist zu vertikutieren“, erklärt Mierswa. „Eigentlich soll man nur vertikutieren, wenn der Rasen verfilzt ist“, sagt der Kreisfachberater. Dann komme nicht mehr genügend Wasser durch.

Bis minus zwei Grad Celsius sei die Kälte für viele Pflanzen oft noch erträglich, sagt Schirrmacher. Bei Sommerblumen, die aus dem Gewächshaus kommen, sollten jedoch sofort Maßnahmen ergriffen werden. „Die sind sehr gefährdet“, sagt Schirrmacher. Sie empfiehlt, sie mit Vlies abzudecken. Im Notfall tue es auch Zeitungspapier, das mit Wäscheklammern an den Stengeln befestigt wird. Auch Gemüsepflanzen müssen geschützt werden. Stiefmütterchen, Veilchen und Primeln dagegen ertragen die Kälte. „Sie lassen zwar die Köpfe hängen, aber sie richten sie wieder auf.“ Schirrmacher empfiehl Hobbygärtnern, sich an eine alte Bauernregel zu halten: vor den Eisheiligen keine Pflanzen herausstellen.

Hans Zehmeister, Fachberater beim Stadtverband der Kleingärtner in Regensburg, hat eine andere Sicht auf die derzeitige Witterung. „Nicht die Kälte, sondern der Wärmeeinbrauch war ungewöhnlich.“ Im April hätte es immer solche Temperaturen gegeben, sagt Zehmeister.

Kälteeinbrüche sind normal

Solche plötzlichen kalten Temperaturen im April seien nicht unbedingt ungewöhnlich, bestätigt Dirk Mewes, Meteorologe beim Deutschen Wetterdient, den überwiegenden Eindruck der Gärtner. „Man hat immer wieder solche Kaltlufteinbrüche.“ In der kommenden Nacht sei die Frostgefahr wie auch in der Nacht zuvor hoch. Bis auf minus vier Grad kann das Thermometer in Regensburg sinken. Im Bayerischen Wald können es sogar minus acht Grad werden. Die Nacht zum Samstag verspricht mildere Temperaturen, sagt Mewes. Am Wochenende werde in der Region kein Frost erwartet. Doch wirklich besser soll es nicht werden, sagt Mewes. Der plötzliche Temperatursturz und Schneefall kommen daher, dass momentan eine nordwestliche Strömung herrscht, die die Kaltluft nach Deutschland bringt, erklärt Mewes die aktuelle Wetterlage.

Weitere Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Umfrage

Nervt Sie das launische Aprilwetter?

Der April 2017 hatte in Regensburg schon einige Gegensätze zu bieten. Von sommerlichen Temperaturen bis zu 24 Grad Celcius und Schneefall war alles dabei.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht