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Regensburg
Montag, 23. April 2018 22° 8

Initiative

Gastronom bewirtet Familien kostenlos

Ein Regensburger hat eine ungewöhnliche Idee: Er lädt einmal pro Monat weniger betuchte Familien in sein Lokal zum Essen ein.
Von Wolfgang Ziegler

Phuc Huynh will spätestens ab März an jedem vierten Sonntag im Monat die Türen des „Il Baretto“ für bedürftige Familien öffnen. Foto: Ziegler

Regensburg.Der Regensburger Phuc Huynh (40) ist Tausendsassa und Multitalent zugleich: Im Eon-Gebäude am Stadtpark betreibt er eine kleine IT-Firma, in der Puricellistraße das Asia-Lokal „Nam“ und in der Kumpfmühler Straße den Italiener „Il Baretto“. Phuc, wie ihn seine Freunde nennen, redet nicht lange – er macht. Jetzt macht er wieder: „Spätestens ab März“ will er im „Il Baretto“ seinen „Familientisch“ ins Leben rufen und fortan jeden vierten Sonntag im Monat veranstalten. Dazu werden in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Familien aus Regensburg eingeladen, deren Budget für einen Restaurantbesuch normalerweise nicht ausreicht. 50 Personen will er jedes Mal bewirten – völlig kostenlos. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist von seiner Idee begeistert, Mit-Macher und Nachahmer haben sich bereits gefunden.

Pizza statt Sterne-Küche

Auf die Idee gebracht hat Phuc seine Freundin Mareike. Die wollte er zu einem besonderen Anlass in ein Sterne-Restaurant einladen – wovon diese aber gar nicht übermäßig begeistert war. „Sie hat mir gesagt, dass sie darauf nicht steht und dass ich mir das Geld sparen kann – oder dass ich damit weniger betuchte Menschen zum Essen einladen soll“, erzählte er im Gespräch mit unserem Medienhaus. „Das war eine total coole Erfahrung!“ Damit war bei dem Gastronom, der eine ausgeprägte soziale Ader hat und der in den Vorjahren die Mitarbeiter und Verkäufer der Regensburger Straßenzeitung „Donaustrudl“ schon zwei Mal zu einem Weihnachtsessen eingeladen hatte, die Lunte gelegt. „Mir ist wieder einmal vor Augen geführt worden, was wirklich wichtig ist im Leben“, sagt er. Phuc besprach sich mit Freunden – einen Abend lang. Dann stand die Aktion. Sie alle wollen an den Familien-Sonntagen ehrenamtlich im „Il Baretto“ mithelfen.

Der Sohn vietnamesischer Bootsflüchtlinge, der mit seinen Eltern und Geschwistern in der 1980er Jahren nach Deutschland kam und zunächst im Allgäu, schon bald darauf aber in Regensburg landete, erinnert sich an die erste Einladung der „Donaustrudl“-Mannschaft. „Da waren einige dabei, die seit 20 Jahren in keinem Restaurant mehr waren. Für sie war es etwas ganz Besonderes, zum Pizzaessen zu gehen – also so etwas wie das persönliche Highlight des Jahres, für das sie sich sogar hübsch gemacht hatten“, erzählt er.

„Eine Gemeinschaft funktioniert dann gut, wenn der Stärkere für den Schwächeren da ist.“

Gastronom Phuc Huynh

Aufgrund seiner Vita wisse er, wie es sei, „keine Kohle zu haben“. Nachdem er mit zehn Jahren nach Regensburg gekommen war, hier die Schullaufbahn von der Grund- bis zur Fachoberschule durchlaufen und „ein Studium in München nach zwei, drei Semestern geschmissen“ hatte, sammelte er einen bunten Strauß an (Lebens-)Erfahrungen: Er putzte bei Götz, organisierte Computer-Messen, verkaufte Klamotten, machte eine Fotografen-Ausbildung, führte eine Punk-Kneipe, einen China-Imbiss und eine Pommes-Bude.

Kommentar

Keine große Sache?

Der geplante „Familientisch“ sei „keine große Sache“, sagt Phuc Huynh. Von wegen! Das, was der Sohn vietnamesischer Bootsflüchtlinge in Regensburg auf...

„Keiner ist ohnmächtig“

Heute hat er es geschafft – und ist über allem Unternehmertum zum Philosophen geworden: „Alles hat seinen Preis, aber was hat wirklich Wert?“, fragt er nachdenklich. Keiner sei ohnmächtig, jeder sei mündig, jeder könne im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas tun – „und wenn man nur einer Oma über die Straße hilft“. Man müsse es einfach nur tun. „Eine Gemeinschaft funktioniert dann gut, wenn der Stärkere für den Schwächeren da ist“, lautet sein Credo.

„Es würde mich sehr freuen, wenn die Initiative von Phuc viele Helfer und Nachahmer findet.“

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer

Infiziert mit seiner Idee hat Phuc bereits andere Regensburger Gastronomen. Martin Müller, Chef der Konditorei „Opera“, wird an den Familien-Sonntagen die Desserts für die Gäste beisteuern. Und Ratskeller-Pächter Alexander Deutsch hat bereits angekündigt, für Kinder aus sozial schwächeren Familien eine „Weißwurstschule“ stattfinden zu lassen, bei der zusammen Weiße gemacht werden. „Wenn nur zehn Gastronomen mitmachen, könnte man jeden Monat 500 Menschen etwas Gutes tun“, rechnet Phuc vor – der auch für weitere ehrenamtliche Helfer an den Familien-Sonntagen dankbar ist. Wer mitmachen möchte, könne sich per E-Mail an familientisch@huynh.de an ihn wenden.

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer hat Phuc schon auf seiner Seite: „Die Einladung von Herrn Hyunh an bedürftige Regensburger Familien ist wieder ein sehr schönes Beispiel dafür, wie sehr der Zusammenhalt und das Miteinander in unserer Stadt ausgeprägt sind. Jeden Tag setzen sich Bürgerinnen und Bürger füreinander ein. Dafür bedanke ich mich im Namen der Stadt sehr herzlich. Es würde mich sehr freuen, wenn die Initiative von Phuc viele Helfer und Nachahmer findet“, sagte sie.

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