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Fastenpredigt

Gauck predigt in Sankt Emmeram

Auch Charlotte Knobloch kommt in die Basilika nach Regensburg. Lebensgeschichten stehen dieses Jahr im Fokus.
Von Sandra Adler

Ex-Bundespräsident Joachim Gauck ist unter den Gastrednern. Am 28. März hält er in St. Emmeram eine Fastenpredigt über seine Lebensgeschichte. Foto: Michael Kappeler/dpa
Ex-Bundespräsident Joachim Gauck ist unter den Gastrednern. Am 28. März hält er in St. Emmeram eine Fastenpredigt über seine Lebensgeschichte. Foto: Michael Kappeler/dpa

Regensburg.Das übergeordnete Motto der Fastenpredigten lautet in diesem Jahr „Lebensgeschichten – Menschen, die inspirieren“. Für die siebte Auflage der Predigtreihe konnte Stadtdekan Roman Gerl auch heuer wieder große Namen gewinnen. Unter anderem werden Ex- Bundespräsident Joachim Gauck und Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, aus ihren bewegten Leben berichten.

„Ich möchte zeigen, dass die Kirche große Weite hat, dass wir nicht nur in inner-kirchlichen Themen bleiben, sondern, dass wir uns von bestimmten Berufssparten Impulse für das eigene Leben geben lassen können“, fasst Roman Gerl zusammen, wieso seit sieben Jahren in der Fastenzeit Laien am Predigerpult von St. Emmeram stehen. Dieses Jahr kommen die Redner neben Politik und Religion auch aus den Bereichen Musik und Sport.

Joachim Gauck wuchs in der DDR auf. Er studierte evangelische Theologie und arbeitete viele Jahre als Pastor, ehe er sich ganz der Politik widmete. Roman Gerl vermutet, dass Gauck in seiner Rede auch von seiner Zeit als Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen berichten wird. Bis heute wird die offizielle Anlaufstelle für die Einsicht in Stasi-Akten umgangssprachlich „Gauck-Behörde“ genannt. Von 2012 bis 2017 war er Präsident der Bundesrepublik Deutschland. „Aus meiner Sicht ist er ein vorbildlicher Staatsmann gewesen“, sagt Gerl.

Charlotte Knobloch ist derzeit Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Sie wurde 1932 in München geboren und überlebte den Holocaust in einem Versteck auf dem Land. „Es fasziniert mich, wenn jemand leidenschaftlich für gute Werte und das Zusammenleben eintritt“, sagt Gerl im Hinblick auf ihren Kampf für die Anerkennung des jüdischen Glaubens in Deutschland, der angesichts jüngster antisemitischer Strömungen weiter andauert.

Einen Überblick über die Termine und die jeweiligen Redner finden Sie in der folgenden Bildergalerie.

Referenten der Regensburger Fastenpredigten 2019

Erzählen mit Musik

Die erste Fastenpredigt am 14. März hält der Musiker und Bildhauer Siegfried Fietz. „Der Name ist vielleicht nicht so bekannt, aber eines seiner Lieder ist bestens bekannt“, erklärt Gerl. Die Musik zum bekannten Kirchenlied „Von Guten Mächten wunderbar geborgen“ stammt von Fietz. Den Text schrieb der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer kurz vor seinem Tod im KZ Flossenbürg. Als Musiker werde Fietz seine Geschichte auch in Liedern erzählen, kündigt der Stadtdekan an.

Auch an den nachfolgenden Terminen wird es für die Predigten eine musikalische Umrahmung geben. Deren Organisation hat Matthias Schlier, Leiter der Städtischen Musikschule, übernommen.

Letztes Jahr hielt Fußballweltmeister Miroslav Klose die erste Predigt in der Fastenzeit. Thematisch stand damals die Leistungsgesellschaft im Vordergrund.

Glaube

Klose lockte Hunderte nach St. Emmeram

WM-Held Miroslav Klose hielt mit DFB-Physiotherapeut Klaus Eder seine erste Fastenpredigt in der Regensburger Basilika.

„Das ist der katholische Input“, sagt Gerl über die Gastrednerin am ersten Donnerstag im April. Laetitia Fech ist Äbtissin im Zisterzienserinnenkloster in Waldsassen. Über ihre Lebensgeschichte weiß er, dass sie eigentlich Mutter werden und fünf Kinder haben wollte. Bei Fech findet er einerseits interessant, was sie letztendlich dazu bewogen hat, in den Orden einzutreten. Andererseits steht sie in seinen Augen für den Spannungsbogen zwischen christlicher Spiritualität und Management als Ordensleiterin und Bauherrin. „Sie hat in den letzten zwei Jahrzehnten ein blühendes Kulturzentrum aus dem Kloster gemacht“, erklärt Gerl bewundernd.

Barrierefreie Basilika

Gerd Schönfelder ist mit 22 Medaillen der erfolgreichste paralympische Wintersportler. Mit seiner Fastenpredigt beziehungsweise Lebensgeschichte beschließt er am 11. April die Veranstaltungsreihe. Teil seiner Geschichte sind der Unfall, bei dem er mit 19 Jahren den rechten Arm und alle Langfinger der linken Hand verlor, aber auch die Erfolge, die er als Alpin-Skifahrer erreichte. “Es geht mir darum, besonders Menschen mit Handicaps einzuladen“, erklärt Roman Gerl. Zu diesem Zweck möchte er die Basilika St. Emmeram in Zusammenarbeit mit dem städtischen Inklusionsbeauftragten Frank Reinel barrierefrei machen.

Termine

  • 14. März:

    Siegfried Fietz schreibt christliche Popmusik und wird sein Leben auch in Liedern erzählen.

  • 21. März:

    Charlotte Knobloch überlebte den Holocaust. Einst Präsidentin des Zentralrats der Juden steht sie derzeit an der Spitze der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

  • 28. März:

    Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck war früher evangelischer Pastor.

  • 04. April:

    Laetitia Fech leitet als Äbtissin das Zisterzienserkloster Waldsassen.

  • 11. April:

    Bis heute hält Gerd Schönfelder den Medaillenrekord im paralympischen Wintersport.

  • Ort und Zeit:

    Die Veranstaltungen finden in der Basilika St. Emmeram statt und beginnen jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Fastenzeit sei allgemein eine Zeit der Umkehr und Besinnung. „Vor dem Hintergrund anderer Lebensgeschichten können wir unser eigenes Leben betrachten“, erklärt Gerl die Idee der diesjährigen Fastenpredigten. „Wo stehen wir? Wie können wir Sinn ins Leben bringen?“ Dabei werde mit Sicherheit Spiritualität eine Rolle spielen. Die eigene Spiritualität nicht auszugrenzen, sondern mit dem Leben zusammen zu tragen, das sei auch die einzige Vorgabe, die Gerl den Gästen bei ihren Reden mache. Ansonsten seien sie auch für ihn eine Überraschung. „Von dem her bin ich selber schon gespannt.“

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