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Stadion

Geduld der Fans wird überstrapaziert

Nach massiver Kritik am Catering in der Conti-Arena gibt es jetzt Krisengespräche. Der Stadionbetreiber gelobt Besserung.
Von Norbert Lösch, MZ

Endlich ein paar volle Becher ergattert – da gibt es neidische Blicke aus der Schlange.
Endlich ein paar volle Becher ergattert – da gibt es neidische Blicke aus der Schlange. Foto: Stefan Gruber

Regensburg.Die Kritik an der schleppenden Versorgung der Stadion-Besucher ebbt nicht ab. Unsere Berichterstattung über das jüngste Jahn-Spiel gegen den FC Amberg, in der sich Fans erneut über viel zu lange Wartezeiten an den Kiosken beschwerten, trat eine Debatte los, die vehement über die sozialen Medien geführt wird. Die Regensburger Badebetriebe (RBB) als Stadionbetreiber kündigen jetzt eine genaue Analyse der für viele Fans nicht mehr hinnehmbaren Zustände und möglicherweise auch Konsequenzen an.

Martin Grasser beispielsweise postete auf der Facebook-Seite der MZ: „Wenn ich in die Kneipe gehe, dann zahle ich auch nicht mehr wie 3,50 Euro für eine Halbe Bier. Diese wird mir gebracht, und ich muss nicht eine halbe Stunde anstehen.“ Andere raten noch direkter vom Besuch des Stadions ab. Dem wollen die RBB nicht tatenlos zusehen, wie Sprecher Martin Gottschalk auf MZ-Anfrage versicherte. „Wir bedauern sehr, dass es am Freitag zu massiven Problemen an den Ständen und langen Wartezeiten gekommen ist“, entschuldigt sich Gottschalk zunächst bei vielen der zuletzt fast 12 700 Zuschauern, deren Geduld einmal mehr überstrapaziert wurde.

„Suchen eine Problemlösung“

„Wichtig ist, dass wir gemeinsam Schlüsse aus den jetzt drei Liga-Heimspielen ziehen.“ Alle Beteiligten – die RBB, der Jahn als Mieter und der Caterer Party-Engel als RBB-Vertragspartner – eine „das Ziel, dass die Fans zufrieden zum Stadion kommen und dann wieder zufrieden nach Hause fahren. Dementsprechend werden wir gemeinsam an einer Problemlösung arbeiten“.

Die MZ wollte vom Betreiber auch wissen, welche Anforderungen dem Caterer schon bei der Ausschreibung zur Bedingung gemacht wurden. Gottschalk dazu: „Bei der Auswahl des Caterers gab es verschiedene Bewertungskriterien. Grundsätzlich wurde als Anforderung klar definiert, dass der/die Bewerber ein entsprechendes Catering für Stadionbesucher und VIP-Gäste an Spieltagen leisten können. Innerhalb der dann für die Entscheidung relevanten Bewertungskriterien ging es dann auch explizit um Themen wie Verkaufspreise an den Kiosken an Spieltagen und auch die personelle Ausstattung an den Verkaufsständen.“ Im Klartext heißt das: Der Caterer musste davon ausgehen, dass er auch bei einem vollen Stadion die Versorgung der Besucher sicherzustellen hat.

Dass das bislang nicht funktioniert hat, mag auch an einer zu geringen Anzahl der Kioske rund ums Stadion – derzeit sind es sieben – liegen. Zur Frage, ob die Infrastruktur auch bei einem vollen Haus ausreicht, sagt der RBB-Sprecher: „Grundsätzlich sind die vorhandenen Verpflegungsstationen so ausgelegt und konzipiert, dass sie für die zugelassene Zuschauerzahl ausreichen sollten. Warum sie das am Freitag nicht getan haben, das werden wir analysieren. Am Ende dieser Analyse kann auch eine infrastrukturelle Nachbesserung erfolgen.“ Martin Gottschalk kündigte gegenüber der MZ an, dass die Beteiligten jetzt schnell reagieren wollen. „Wir werden hier zeitnah, in jedem Falle für das nächste Jahn-Heimspiel am 28. August, eine Verbesserung herbeiführen.“ Denn auch für den Betreiber seien zu lange Warteschlangen auf Dauer nicht hinnehmbar: „Dass man 40 Minuten anstehen muss, gilt es zwingend zu vermeiden.“

Wie die angekündigte „Problemlösung“ aussehen könnte, steht derzeit noch in den Sternen. Manche Fans können jedenfalls nicht verstehen, warum es nicht schon außerhalb des Stadions Getränkestände gibt – und warum nicht eine Brauerei, die als Sponsor des Jahn auftritt, bei erwartet großem Ansturm zum Beispiel mit mobilen Verkaufsständen dazu beitragen könnte, die Situation zu entspannen.

Das Cateringunternehmen selbst hält sich bedeckt. Sibylle und Daniel Berr („Party-Engel“) wollten die anhaltende Debatte nicht kommentieren. Die Geschäftsführung verwies stattdessen auf den Stadionbetreiber.

Probleme gibt es auch anderswo

Das Beispiel Offenbach zeigt, dass es auch anderswo Probleme beim Catering in Stadien gibt. In der Arena der Kickers (Regionalliga Südwest), die mit der Regensburger durchaus vergleichbar, aber mit einer Kapazität von rund 20000 Besuchern etwas größer ist, wollten die Beschwerden nach dem Neubau 2012 ebenfalls nicht abreißen. In Zusammenarbeit mit einem Fanbeirat, den es dort gibt, wurde eine Umfrage gestartet, die so schlecht ausfiel, dass der Stadionbetreiber mittlerweile reagiert und dem seit fast zehn Jahren aktiven Caterer gekündigt hat.

Einige Änderungsvorschläge hat der Fanbeirat für das Stadion am Bieberer Berg bereits formuliert. So sollten die Sektorentrennungen im Stadion aufgehoben, Abstellmöglichkeiten für Speisen und Getränke geschaffen und mobile Getränkeverkäufer eingesetzt werden. Das deckt sich mit Anregungen, die auch aus dem Regensburger Fanlager kommen.

Branchen-Insider weisen darauf hin, dass der Trend bei der Stadion-Bewirtschaftung längst zu wenigen großen Catering-Unternehmen geht. Eines der größten ist der Aramark-Konzern, dessen Deutschland-Filiale nahezu 500 Millionen Euro umsetzt. Aramark bewirtschaftet elf Stadien in Deutschland, darunter auch die in Nürnberg und Fürth.

Kommentar

Catering-Fiasko

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  • MS
    Mario Seidel
    18.08.2015 19:56

    ein Ansatz wäre doch auch wenn man wie schon in vielen anderen Stadion das bargeldlose bezahlen einführe. Man bekommt eine ArenaCard, lade sie vorher auf und an den Ständen ginge das Bezahlen wesendlich schneller. Wenn ich mir das so anschaue wie langsam manche Ihr geld aus der Tasche kramen ist es kein Wunder das es so lange dauert.

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