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Eklat

Geteiltes Echo für Christa Meves

Protestschreie, Zwischenrufe, Saalverweise – der Vortrag der Psychotherapeutin zum Thema Familie spaltet die Zuhörerschaft im Pfarrheim Donaustauf.
Von Heike Haala, MZ

Christa Meves, Foto: dpa-Archiv

Donaustauf. Wer am Mittwochabend in das Donaustaufer Pfarrheim kam, war entweder Meves-Anhänger oder Meves-Gegner. Die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin sprach auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) im Landkreis Regensburg zum Thema „SOS – Die Familie retten, heißt Europa bewahren”. Im Vorfeld riefen Kritiker der 88-jährigen Katholikin und ehemaligen Herausgeberin des Rheinischen Merkur im Internet dazu auf, ihr einen heftigen Empfang zu bereiten.

Noch vor dem Beginn des eigentlichen Vortrags rollten junge Erwachsene ein Transparent mit der Aufschrift „We hate Homophobia“ aus und skandierten: „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“. Mit emporgerissener Faust ließen sie sich des Saales verweisen. Der Vortrag von Meves war dreigeteilt. Im ersten Teil macht sie „Mainstream-Ideologen“ aus der Politik und den Medien den Vorwurf, die Familie zerstören zu wollen. Dies geschieht Meves’ Ansicht nach auch durch die Diskriminierung der Mütter, durch den Scheidungsboom, die Benachteiligung der Familie und das „Hochloben homosexueller Lebensformen“.

Diskussion um Meinungsfreiheit

Als der Beamer an die Wand projizierte, dass Meves diese Lebensformen als „unnatürlich“ ansieht, entbrannte eine Diskussion über Meinungsfreiheit im Publikum. Ein Mann stand auf und sagte, dass Meves’ Ausführungen hart an der Grenze des Erträglichen und für demokratische Bürger schwer zu ertragen seien. Die Zuhörer einigten sich, nach dem Vortrag weiterzudiskutieren. Mit Raunen und Gelächter sparten Meves’ Gegner im Folgenden trotzdem nicht. Im zweiten Teil ihres Vortrags ging Meves der These nach, dass eine gesunde Familie gesund für die Gesellschaft sei. Ihren Ausführungen zufolge sind gläubige Familien gesünder und Kinder aus gesunden Familien erfolgreicher, je länger sie bei ihren Müttern bleiben und gestillt werden sowie je liebevoller sie behandelt werden.

Teile ihrer Aussagen sah sie mit der Nichd-Studie belegt. Auch bezog sie sich auf die „neuste und aktuellste Hirnforschung“. Welches Institut diese betreibt sowie auf welche Quelle und Stelle Meves sich bezieht, das sagte sie nicht. Auf Nachfrage aus dem Publikum verwies sie pauschal auf Fachliteratur, etwa auf die Zeitschrift „Z für Zukunft“, die am Ausgang des Saals auslag und in deren Vorstandschaft sie sitzt.

Zuletzt ging Meves auf die Rolle der Mutter und ihre Bindung zum Kind als Voraussetzung für dessen Bildung ein. Das brachte ihr bei ihren Anhängern im Saal viel Applaus ein. Die Diskussion im Anschluss entbrannte schnell, heftig und laut.

Thomas Albertin, der Geschäftsführer der KEB im Landkreis Regensburg, hatte am Mittwochabend wenig Zeit, den Ausführungen seiner Gastrednerin zuzuhören. Er war damit beschäftigt, die Gäste zur Ruhe zu ermahnen. Albertin steht im MZ-Gespräch zu seiner Entscheidung, einen Mann aus dem Saal begleitetet zu haben, weil Meves auf sein „Grinsen“ hinwies. Schließlich könne auch Mimik Kritik äußern und stören. Und er habe sich zuständig dafür gesehen, Meves den Vortrag zu ermöglichen.

Forum für viele Meinungen

Die KEB sieht er auch als ein Forum, in dem gegensätzliche Meinungen ausgetauscht werden. Die geladenen Reaktionen der Gäste wertet Albertin als Indiz dafür, wie lebendig das Thema Familie sei. „Der Abend wäre sicher normal verlaufen, wenn der Vortrag im Vorfeld nicht skandaliert worden wäre“, sagt er auf die Frage, ob es auch sein könnte, dass sich die Gemüter seiner Gäste weniger am Thema Familie als an der Referentin entzweit haben. Die Wahl auf Christa Meves als Referentin ist seinen Angaben zufolge auf Wunsch der Pfarrei gefallen.

Die Polizei fuhr vor dem Pfarrheim am Mittwochabend vorsorglich Streife, sagte Adalbert Schneider, der Dienststellenleiter der zuständigen Polizeiinspektion in Wörth an der Donau. Ob die Polizei wegen der Proteste im Saal gerufen worden sei, dazu konnte er keine Auskunft geben.

Christa Meves distanzierte sich im Vorfeld des Vortrags von den Vorwürfen, die ihr rechtes Gedankengut unterstellen: „Ich habe diesen Dämon als Jugendliche ertragen müssen und ihn nur durch Zufall überlebt“, sagt sie über Hitler. Sie in die rechte Ecke zu drängen sei schändlich und beleidigend. Genauso, dass ihr die Kompetenz als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin abgesprochen werde.

Homophobie könne sie sich als Christin und als Therapeutin nicht leisten. Unter ihren Freunden befänden sich ebenso viele homo- wie heterosexuelle Menschen.

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