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Schadstoffe

Gifthaus: Stadt liefert Bewohnern Wasser

Formaldehyd, Keime, Blei: Die Hiobsbotschaften für das Gebäude in der Maximilianstraße 26 in Regensburg nehmen kein Ende.
Von Micha Matthes, MZ

Keime, Blei und Eisen in der Wasserleitung: Die Stadt muss die Bewohner des Gebäudes in der Maximilianstraße 26 mit Wasser aus Plastikflaschen und Kanistern beliefern. Foto: mt
Keime, Blei und Eisen in der Wasserleitung: Die Stadt muss die Bewohner des Gebäudes in der Maximilianstraße 26 mit Wasser aus Plastikflaschen und Kanistern beliefern. Foto: mt

Regensburg.Die Altlasten lassen das Gebäude in der Maximilianstraße 26 – das ehemalige HVB-Gebäude – nicht los. Kaum ist die Formaldehydbelastung fast beseitigt, trifft die nächste Hiobsbotschaft ein: In verschiedenen Gebäudeteilen wurden in Wasserleitungen erhöhte Keim-, Blei- und Eisenwerte festgestellt. Seit Mitte August dürfen die Mieter jetzt kein Wasser mehr aus der Leitung trinken. Die Stadt versorgt den gesamten Gebäudekomplex seither regelmäßig mit Wasser aus Kanistern und Plastikflaschen. Das Regensburger Umweltamt, das zunächst noch in dem Gebäude untergebracht war, ist schon länger wegen der Formaldehybelastung umgezogen.

„Das Umweltamt und das Amt für Sport und Freizeit sind umgezogen!“, steht auf einem Schild am Hauseingang. Foto: mt
„Das Umweltamt und das Amt für Sport und Freizeit sind umgezogen!“, steht auf einem Schild am Hauseingang. Foto: mt

Die Wasserleitungen in dem Gebäude würden derzeit ausgetauscht, weil in Teilen der Leitungen der Grenzwert für Blei von 0,01 Milligramm pro Liter überschritten worden sei, sagt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt. Das giftige Schwermetall kann aus alten Leitungen ins Wasser übergehen, worüber es sich im Körper anreichern kann. Symptome können dann unter anderem Müdigkeit, Kopfschmerzen, Lähmungserscheinungen und krankhafte Veränderungen des Gehirns sein. Besonders gefährlich ist Blei für schwangere Frauen und Kinder.

Zähneputzen mit Flaschenwasser

Laut den Angaben der Stadt wurden Belastungen mit Blei – und auch mit Eisen sowie mit Keimen festgestellt. Bei den Keimen handle es sich nicht um Legionellen. „Da es gemäß Gesundheitsamt keine Teilfreigaben für einzelne Geschosse gibt, sondern nur für das Objekt im Ganzen, sind bislang weiterhin Wasserlieferungen an die Bewohner notwendig“, sagt von Roenne-Styra. Zum Zeitplan könne das Fachamt noch nichts sagen: Kollegen seien noch in den Planungen. „Waschen oder duschen kann man sich mit dem Wasser“, sagt von Roenne-Styra. „Es hat jedoch keine Trinkwasserqualität. Daher wird so viel Wasser von der Stadt angeliefert, wie zum Kochen oder Zähneputen benötigt wird.“

Die Wasserflaschen werden über den Hinterhof des Gebäudes angeliefert. Foto: mt
Die Wasserflaschen werden über den Hinterhof des Gebäudes angeliefert. Foto: mt

Einzelne Anwohner bestätigen, dass sie seit ungefähr zwei Monaten mit Wasserflaschen versorgt werden. Er wisse zwar, dass es in dem Gebäude alte Leitungen gebe, sagt einer von ihnen, wünsche sich aber mehr Information. „Das Flaschenwasser ist für den Kaffee gut und schön, aber mich würde jetzt mal interessieren, was sich in dem Leitungswasser befindet.“ Er dürfe nichts dazu sagen, sagt der Hausmeister am Mittwoch im Vorbeigehen. „Wir kriegen einmal die Woche Wasser geliefert“, sagt die Mitarbeiterin eines Notariats. „Das nehmen wir zum Kaffeekochen her. Ansonsten haben wir damit eigentlich kein Problem.“ In der Apotheke im Erdgeschoss des Gebäudes wird auch nur vornehmlich Wasser für den Kaffee benötigt. Dort greifen die Mitarbeiter ebenfalls auf die Plastikflaschen zurück.

Erhöhte Werte in 17 von 52 Büros

2014 hatte die Stadt beschlossen, das Haus mit dem Arkadengang aufseiten der Grasgasse und dem markanten Erker, der sich zur Maximilianstraße hin über mehrer Etagen erstreckt, zu kaufen. Dem Vernehmen nach wechselte die Immobilie für 14 Millionen Euro den Besitzer – ein Preis, der wohl über dem eigentlichen Wert lag. Kaum war das Umweltamt dann eingezogen, wurde eine Schadstoffbelastung der Einbaumöbel und der sogenannten „verlorenen“ Schalung der Rippendecken mit Formaldehyd, Pentachlorphenol und Lindan festgestellt.

Zeitplan für den Umbau

  • Falls keine weiteren

    als die bekannten Gebäudemängel zu berücksichtigen sind, werden Planung und Kostenberechnung wohl bis Ende September fertiggestellt, sagt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt.

  • Nach entsprechender

    Mittelbereitstellung würden alle baulichen und haustechnischen Leistungen ausgeschrieben. sind bis Ende November zu erwarten“, sagt von Roenne-Styra. „Die Arbeiten können demnach ab Mitte Dezember beginnen.“

  • Bei einem notwendigen

    Ausführungszeitraum von mindestens 15 Wochen sei mit einer Fertigstellung voraussichtlich Ende März beziehungsweise Anfang April 2018 zu rechnen.

Insgesamt wurden im ersten und zweiten Geschoss 52 Büros untersucht, dabei wurden in 17 Werte gemessen, die um zwischen fünf und 50 Mikrogramm pro Kubikmeter gegenüber dem WHO-Grenzwert (60 Mikrogramm pro Kubikmeter) erhöht waren. Die Werte liegen damit aber noch unter dem in Deutschland geltenden Grenzwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter. 55 Mitarbeiter des Umweltamts und neun Mitarbeiter des Sportamtes wichen daraufhin in den IT-Speicher in der Bruderwöhrdstraße aus. Im Erdgeschoss wird von einer vergleichbaren Belastung ausgegangen. Die Büros und Wohnungen im dritten Obergeschoss und im Dachgeschoss gelten aufgrund einer anderen Deckenkonstruktion als nicht belastet. „Bisher konnten die formaldehydhaltigen Einbaumöbel demontiert werden“, sagt von Roenne-Styra. „Der Rückbau der abgehängten Decken im ersten und zweite Obergeschoss wurde Anfang August abgeschlossen.

Keime, Blei und Eisen in der Wasserleitung: Die Stadt muss die Bewohner des Gebäudes in der Maximilianstraße 26 mit Wasser aus Plastikflaschen und Kanistern beliefern. Foto: mt
Keime, Blei und Eisen in der Wasserleitung: Die Stadt muss die Bewohner des Gebäudes in der Maximilianstraße 26 mit Wasser aus Plastikflaschen und Kanistern beliefern. Foto: mt

Die Belastungen seien in der Form nicht absehbar gewesen, sagt von Roenne-Styra. Zum Erwerbszeitpunkt seien keine Hinweise dazu vorgelegen. Die Sanierungskosten könnten erst nach Abschluss der Planungen und Untersuchungen genannt werden. Eine Generalsanierung sei nicht vorgesehen. „Die Stadt wird versuchen, mit möglichst geringem Aufwand eine Büronutzung wieder herzustellen.“

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