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Interview

Giftzahn im Tandoori-Chicken?

Ein außergewöhnlicher Beruf: Als Soldat kämpfte Martin Roidl gegen Terroristen, heute legt er Hygiene-Sündern das Handwerk
Von Michael Stahl

Lebensmittelkontrolleur Martin Roidl konnte verhindern, dass ein hiesiger Pizzabäcker verschimmelte Salami verwendet.
Lebensmittelkontrolleur Martin Roidl konnte verhindern, dass ein hiesiger Pizzabäcker verschimmelte Salami verwendet.

Regensburg.In unserer Interviewreihe „Außergewöhnliche Berufe im Raum Regensburg“ stellen wir besondere Geschäftsmodelle und ausgefallene Berufe vor. Für das sechste Berufsporträt interviewten wir Martin Roidl, der seit zehn Jahren die Hygiene in Regensburger Gastrobetrieben und Lebensmittelgeschäften überprüft. Im Gespräch mit unserer Zeitung hat er über den Ablauf solcher Kontrollen, die erzielten Erfolge sowie spektakuläre Entdeckungen beim Hygiene-Test gesprochen.

Wie sind Sie darauf gekommen, Lebensmittelkontrolleur werden zu wollen?

Ich hatte bereits während meines Wehrdienstes engen Bezug zur Lebensmittelbrache. So absolvierte ich damals die Ausbildung zum Braumeister und hätte anschließend ein Stellenangebot als Brauer in Thailand annehmen können. Weil ich aber für die Bundeswehr schon so lange im Ausland gewesen war, kam das nicht in Frage. Der Zufall wollte, dass ich zu diesem Zeitpunkt von zwei vakanten Stellen bei der Lebensmittelüberwachung in Regensburg erfuhr. Ich begann die zweijährige Ausbildung und bin seit 2009 als einer von insgesamt sieben Kontrolleuren für die Hygiene-Garantie in 2142 Lebensmittelbetrieben in Regensburg verantwortlich.

Bei so viel Betrieben - wie gehen Sie vor?

Wir teilen die Betriebe in Risikoklassen ein. So reichen bei Supermärkten und Restaurants halb- bis eineinhalbjährliche Kontrollen aus. Bei Metzgereien hingegen muss man „häufiger als monatlich“ kontrollieren. Selbstverständlich erscheinen wir bei schwarzen Schafen auch außerhalb dieses Turnusses, um sicherzustellen, dass alle beanstandeten Hygienemängel behoben wurden. Daneben bekommen wir insbesondere in der Gastrobranche immer wieder Hinweise von Mitarbeitern und Gästen. Oft fußen diese Beschwerden allerdings auf persönlichen Abneigungen, z. B. eine Putzfrau, die über ihre Kündigung wütend ist. Besonders in den Ferien oder wenn das Wetter schlecht ist, melden sich die Leute - darunter auch altbekannte „Spezialisten“.

Wie läuft eine Hygiene-Kontrolle ab?

Zuerst wird anhand der Lieferscheine der Produktweg überprüft, dann folgt die Hygieneuntersuchung inklusive Prüfung der Reinigungsnachweise. Anschließend werden die Ergebnisse direkt vor Ort ausgewertet. Wenn gravierende Hygienemängel vorliegen, muss der Betrieb sofort geschlossen werden, ansonsten lege ich Fristen fest. Weiterer Bestandteil der Lebensmittelüberwachung sind die Nachkontrollen und - bei schweren Verstößen - die Abwicklung von Bußgeldverfahren. Davon gab es im letzten Jahr aber nur zwanzig.

Können Sie nach der Arbeit überhaupt noch mit gutem Gefühl ins Restaurant gehen?

Ehrlich gesagt habe ich mehr Angst, auf dem Weg zu meiner Kontrolle im Straßenverkehr zu verunglücken, als etwas Ungenießbares im Restaurant serviert zu bekommen. Vor Kurzem hat mir eine Person erzählt, sie hätte beim Italiener ungenießbare Tortellini zu essen bekommen - und das obwohl unser Kontrollbericht keine Mängel aufwies. Es stellte sich heraus, dass die Person Allergien auf Milch, Eier und Weizen hatte. Der Ober hatte sie anfangs falsch verstanden und gemeint, sie möchte etwas bestellen, wo genau diese drei Zutaten drin sind. - Kurzum, es gibt keinen Betrieb, wo man nicht hingehen soll. Dafür sorgen wir Kontrolleure ja.

Wie viel verdient man als Lebensmittelkontrolleur?

Mein Monatsgehalt gemäß der Beamtenbesoldung nach zehn Jahren Dienst als Lebensmittelkontrolleur beträgt circa 3000 Euro netto. Das Einstiegsgehalt liegt natürlich niedriger.

Gab es spektakuläre Ereignisse in Ihrem Berufsleben?

Der vermeintliche Giftzahn (r.) befand sich im Tandoori-Chicken (l.).
Der vermeintliche Giftzahn (r.) befand sich im Tandoori-Chicken (l.).

Zwei Fälle sind mir im Gedächtnis geblieben: Bei dem einen kontrollierte ich eine Pizzeria und fand in der Küche bei den Zutaten tatsächlich eine verschimmelte Salami, die der Pizzabäcker sicher ohne mein Eingreifen einfach auf die Pizza gelegt und seinen Gästen serviert hätte.

Im anderen Fall kam eine Regensburgerin zu uns ins Büro und gab eine Box mit Tandoori-Chicken, die sie in Ingolstadt bekommen hatte, ab. Sie war sehr besorgt und dachte, das scharfe, vier Zentimeter lange Objekt darin sei ein Giftzahn. Wie sich bei der Untersuchung herausstellte, war es lediglich ein Krabbenfuß. Nichtsdestotrotz - die Frau hätte daran ersticken können!

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