MyMz
Anzeige

„Goldener Käfig“ wird zum „Gefängnis“

Die Polizei rückte zur Preview einer Ausstellung in der Regensburger Galerie Art Affair an. Anwesende wurden kontrolliert.
Von Gabriele Pinkert

Hohe gold lackierte Bauzäune mit Stacheldraht grenzen die Kunsträume in der Galerie Art Affair ab. Foto: Pinkert
Hohe gold lackierte Bauzäune mit Stacheldraht grenzen die Kunsträume in der Galerie Art Affair ab. Foto: Pinkert

Regensburg.„Im goldenen Käfig“ – so hat Karl-Friedrich Krause die erste Ausstellung überschrieben, die er seit Beginn der Corona-Krise in seinen Räumlichkeiten in der Waaggasse 2 stattfinden lässt. Dazu hat er seine Galerie mit zahlreichen gold lackierten Bauzäunen in einzeln begehbare Teilbereiche untergliedert.

Doch das, was die Gäste auf spielerisch-künstlerische Weise erfahren sollen, wandelte sich am Vorabend der Ausstellungseröffnung plötzlich in ein gefühlt „echtes Gefängnis“, als die Polizei den angrenzenden Innenhof betrat und die Gäste dort festhielt. Zu einer Art Preview hatten sich Gäste der Galerie Art Affair und Familienmitglieder sowie Freunde des Inhabers Karl-Friedrich Krause am Mittwochabend zusammengefunden, um die erste Ausstellung seit Corona-Beginn in der Galerie zu besichtigen.

Galerist will zum Nachdenken über staatliche Maßnahmen anregen

Galerist Karl-Friedrich Krause  Foto: Jasmin Krause
Galerist Karl-Friedrich Krause Foto: Jasmin Krause

Nach der sechswöchigen Schließung hatte Krause entschieden, eine Zusammenschau der wichtigsten Künstler zu präsentieren, mit denen er über die Jahre eng zusammenarbeitete. Besonderes Kennzeichen dieser Ausstellung ist das titelgebende Motto: In die einzelnen durch hohe Bauzäune abgetrennten und zusätzlich mit Stacheldraht versehenen Räume dürfen laut Aufschrift maximal jeweils nur zwei Personen eines Hausstandes und eine fremde Person eintreten. Mit dieser Aktion will Krause zum Nachdenken anregen über diverse staatliche Maßnahmen, die vor allem auch mit Corona vielfältige persönliche Beschneidungen mit sich bringen.

Es war gegen 22 Uhr, als am Mittwochabend vier Polizisten die Galerie über einen Seiteneingang betraten. In einem ebenfalls durch gold lackierte Bauzäune abgegrenzten Bereich hielten sich zu dieser Zeit einige der Anwesenden auf, um vornehmlich ihrem Raucherverlangen nachzugehen. Der überwiegende Teil der Gäste hatte sich über die innenliegende Ausstellungsfläche verteilt.

Beschränkungen

Regensburger nutzen neue Freiheit aus

Demonstrationen, volle Gassen und Plätze: Die Polizei appelliert an die Vernunft. Wenige halten die gelockerten Regeln ein.

Laut Franziska Meinl, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberpfalz, wurde der Einsatzzentrale der Polizei Oberpfalz mitgeteilt, dass sich in der Galerie mehrere Personen aufhalten würden. Es habe sich herausgestellt, so Meinl, dass es sich um eine Veranstaltung handelte, die aufgrund der Bestimmungen der Bayerischen Staatsregierung nicht erlaubt war.

Besucherin: Menschen durch Polizei zusammengedrängt

Die Polizeibeamten forderten alle Anwesenden auf, in den Innenhof zu treten, um die Personalien festzuhalten. „Mit der Realisierung dieser Aufforderung wurde jedoch das eigentliche Ansinnen ad absurdum geführt“, so eine Besucherin der Veranstaltung. „Denn waren die vorher weniger als 20 Anwesenden, darunter Angestellte und Familie von Krause, großzügig auf eine Fläche von über 220 Quadratmeter verteilt, so fanden sie sich nun auf einer kleinen Innenhoffläche von rund 60 Quadratmetern – die meisten von ihnen dicht gedrängt gar nur in dem abgegrenzten Teil von noch nicht einmal 20 Quadratmetern – wieder. Doch keiner durfte den Raum verlassen, bis nicht alle Daten zusammengeführt waren“.

Die Polizei entgegnet, dass der Innenhof groß genug dafür sei, den Mindestabstand aller Personen einzuhalten – mit Ausnahme derjeniger, die der gleichen Familie oder des gleichen Hausstandes angehörten. Die Ausweisdokumente seien einzeln von den eingesetzten Beamten eingesammelt und aufgenommen worden, ein Großteil der Anwesenden habe sich einsichtig gezeigt.

Lockdown

Wirte besorgt wegen Corona-Regelungen

Die Regensburger Gastronomien dürfen bald wieder öffnen. Doch die Bedingungen sind noch nicht klar. Betreiber sind skeptisch.

Nur vereinzelt hätten sich Personen mit der Identitätsfeststellung nicht zufrieden gezeigt. Gegen die Beteiligten wurde laut Meinl eine Ordnungswidrigkeitenanzeige nach dem Infektionsschutzgesetz eingeleitet. Verstöße dagegen müssten konsequent verfolgt werden, um den Schutz aller zu gewährleisten, so Meinl.

Die Ausstellung

  • Künstler:

    Galerist Karl-Friedrich Krause präsentiert das Kunstwerk „Cut the Fence“ des Künstlerduos Copa & Sordes (Birgit Krueger und Eric Schmutz). Vertreten sind zudem Anna Bocek, Ugo Dossi, Alex Bär, Ralf Koenemann, Victor Safonkin, Ren Rong, Arnauld Nazare Aga, Giuseppe Donnaloia, Markus Lüpertz und Bildhauer David Cerný.

  • Öffnungszeiten:

    Die Ausstellung dauert bis 13. Juni. Heute, Samstag, gibt es eine Einführung um 17, 18, 19 und 20 Uhr. Es wird um Online-Anmeldung gebeten.

Weitere Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über den Facebook Messenger, Telegram und Notify direkt auf das Smartphone.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht