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Mobilität

Google kennt bald Stadtbus-Fahrplan

Ab Anfang 2018 sollen sich Nutzer des Kartendienstes des Suchmaschinenkonzerns ihre Route in Regensburg suchen können.
Von Julia Ried, MZ

Seit 2016 zeigen Bildschirme an manchen Haltestellen Echtzeitdaten an. Bald stellt der RVV Google seine Fahrplandaten zur Verfügung. Foto: Gruber
Seit 2016 zeigen Bildschirme an manchen Haltestellen Echtzeitdaten an. Bald stellt der RVV Google seine Fahrplandaten zur Verfügung. Foto: Gruber

Regensburg.Viele Regensburger, die oft verreisen, orientieren sich in fremden Städten mithilfe von Google Maps. Wer mit dem Zug kommt, findet dort die Anschluss-S-Bahn zum Hotel, wer essen geht, den Bus zum empfohlenen Restaurant. Für die Routenplanung in Regensburg ließ sich dieses Angebot bisher nicht nutzen: Wer im Kartendienst des Suchmaschinenbetreibers das Zug-Symbol für öffentlichen Nahverkehr drückt, erhält nur den Fußweg angezeigt. Das wird sich bald ändern, kündigte der Regensburger Verkehrsverbund (RVV) auf Nachfrage der Mittelbayerischen an. Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein sagt: „Ab Anfang des kommenden Jahres wird der RVV die Google-Transit-Schnittstelle mit Daten beliefern.“

Dann seien sämtliche RVV-Linien – das RVV-Gebiet umfasst neben Stadt und Landkreis Regensburg auch benachbarte Regionen – auf Google Maps sichtbar. Aktuell sind bayerische Verkehrsbetriebe dort vergleichsweise schwach vertreten: Auf einer Karte auf der Internetseite des Dienstes Google Transit, der die Nahverkehrsdaten sammelt, sind bisher nur München und Augsburg markiert, während Ruhrgebiet und Rheinland deutlich besser abgedeckt sind. Müller-Eberstein hofft, dass die Entscheidung des RVV, hier nachzuziehen, dem Verbund zusätzliche Fahrgäste bringt. Die Zusammenarbeit mit dem Kartendienst sei ein „weiterer wichtiger Schritt“, um insbesondere neuen Passagieren die Nutzung der Busse so einfach wie möglich zu gestalten.

75 000 holten sich die App

Dieses Anliegen verfolgt der RVV mit seiner gesamten Digitalisierungs-Offensive. Wesentlicher Teil davon ist die im Juli 2016 eingeführte RVV-App zur Fahrplan- und Tarifauskunft, mit der Handynutzer seit Juli 2017 auch direkt ein elektronisches Ticket kaufen können. Auch damit will der RVV Menschen, die bisher kaum oder gar nicht Bus fahren, zum Einsteigen bewegen. Die Idee dahinter: App-Nutzer müssen sich vor dem Ticketkauf nicht durch Haltestellen-Fahrpläne und Tarifzonen-Übersichten arbeiten, was potenzielle Kunden möglicherweise abschreckt.

Der RVV bietet seit Juli 2016 eine App zur Fahrplan- und Preisauskunft an. Foto: Krenz
Der RVV bietet seit Juli 2016 eine App zur Fahrplan- und Preisauskunft an. Foto: Krenz

Nun folgt mit der Datenlieferung an Google Transit das nächste Digital-Projekt. Müller-Eberstein erläutert: Inzwischen habe die Qualität der RVV-Daten ein hohes Niveau erreicht, auch nähmen die Fahrgäste die App sehr gut an; 75 000-mal sei sie heruntergeladen worden. So sei der RVV bereits Mitte des Jahres mit seinem Systemdienstleister in Kontakt getreten, um die Verwendung der Fahrplan- und Haltestellendaten in weiteren Auskunftsportalen wie Google Maps zu ermöglichen. Das Programmieren der Schnittstelle kostet rund 10 000 Euro, sagt Müller-Eberstein.

Leitsysteme liefern Echt-Daten

Die Grundlage für die Digitalisierung des RVV legten die Regensburger Verkehrsbetriebe und die landkreiseigene Nahverkehrsgesellschaft GFN bereits vor zwei Jahren. Damals installierten sie für insgesamt etwa 5,5 Millionen Euro rechnergestützte Betriebsleitsysteme. Die liefern die Echt-Abfahrtszeiten, die jetzt schon in der App und an Info-Bildschirmen an einigen Bushaltestellen angezeigt werden.

„Wir unterstützen das natürlich, weil das einfach normal ist, dass man sich heute mit Google Maps bewegt.“

Wolfgang Bogie, Vorsitzender des Kreisverbands des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland

Der RVV kam mit seinem Projekt einer Initiative der CSU zuvor. Die Stadtratsfraktion forderte Ende Oktober in einem Antrag, der RVV solle Google die für Maps erforderlichen Daten zur Verfügung stellen. Der Initiator, CSU-Stadtrat Markus Jobst, zeigt sich nun erfreut, dass der RVV schon daran arbeitet.

Auch Wolfgang Bogie, Vorsitzender des Kreisverbands des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland, heißt die Initiative des RVV sehr gut. „Wir unterstützen das natürlich, weil das einfach normal ist, dass man sich heute mit Google Maps bewegt.“ Dass der RVV dort in Zukunft vertreten sein wird, mache das Busfahren einfacher und damit attraktiver.

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Der RVV und seine App

  • Einführung:

    Ende Juli 2016 führte der Regensburger Verkehrsverbund (RVV) die RVV-App (Foto: Krenz) als Fahrplan- und Preisauskunft für das Handy ein. Nach einem Klick auf den Menüpunkt Verbindungen können Nutzer Start- und Zielpunkt eingeben und bekommen dann mögliche Routen und die Preise dafür angezeigt.

  • Ausbau:

    Im Juli 2017 erweiterte der RVV seine App um eine Bezahlfunktion. Inzwischen lassen sich damit Einzel-, Tages- und Streifentickets kaufen.

  • Resonanz:

    Die Anwendung werde gut angenommen, sei inzwischen 75 000-mal heruntergeladen worden, sagt RVV-Chef Müller-Eberstein. Im Google-Play-Store bekam die App von den bisher 199 Nutzern, die sie bisher bewerteten, die Durchschnittsnote 3,1 und liegt damit im Mittelfeld; die bestmögliche Bewertung dort sind fünf Sterne.

  • Fahrgastzahlen:

    Insgesamt leben 400 000 Menschen im RVV-Gebiet, das von Neustadt an der Donau bis Weiden reicht. Täglich nutzen rund 100 000 Menschen die Verkehrsmittel im Verbundgebiet, zu denen neben Stadt- und Regionalbussen auch Bahnen gehören. Die Fahrgastzahlen stiegen in den vergangenen beiden Jahren überproportional, sagt RVV-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein. 2015 zählte der RVV 36,4 Millionen Fahrgäste im Jahr, 2016 37,2 und 2017 könnte eine Zahl von etwa 39 Millionen Passagieren erreicht werden.

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