MyMz
Anzeige

Übergriffe

Grabscher belästigte sechs junge Frauen

Ein Student umklammerte seine Opfer von hinten und befummelte sie. „Ich wollte sie nur kennenlernen“, sagte er vor Gericht.
Von Marion von Boeselager

Der junge Mann belästigte hübsche Studentinnen. Foto: Archiv/Knobloch
Der junge Mann belästigte hübsche Studentinnen. Foto: Archiv/Knobloch

Regensburg.Sechs junge Regensburgerinnen wurden im April letzten Jahres in rascher Folge das Opfer eines hartnäckigen Grabschers. Der 25-jährige Sergej L. (alle Namen geändert), ein Gaststudent aus der Ukraine, trat von hinten an die attraktiven jungen Damen heran und berührte sie aus heiterem Himmel unsttlich. Jetzt trafen Täter und Geschädigte vor dem Schöffengericht erstmals wieder zusammen. Nach Angaben des geständigen Angeklagten hielt er die dreisten Übergriffe für Annäherungsversuche.

Eine eindeutige Aufforderung

Am 11. April saß die Studentin Petra K. (23) zur Mittagszeit auf den Stufen beim See auf dem Unigelände und las. Da umarmte sie der Angeklagte plötzlich von hinten. „Du musst mich verwechseln. Ich kenn dich nicht“, sagte die Studentin, die den Vorfall für einen Irrtum hielt. Da setzte sich der Unbekannte neben sie, legte ihr nach ein paar Takten small talk die Hand auf das Gesäß und forderte sie auf Englisch auf, mit ihm zu schlafen: „Let‘s fuck. Come on, we‘ll find a place.“ Die junge Frau drückte ihn weg und suchte das Weite.

„Man fühlt sich in seiner Privat- und Intimsphäre verletzt. Es ist kein schönes Gefühl.“

Eines der Opfer

Nur wenige Stunden später wurde der 25-Jährige am Ernst-Reuter-Platz erneut übergriffig: Er sprach die Studentin Anja A. (24), die an einer roten Ampel wartete, mit „Hallo“ an. Als diese kein Interesse zeigte, sondern sich nach kurzem Gruß abwandte, griff er auch ihr unter ihrem Kurzmantel an den Po. „Ich hab ihm eine Ohrfeige verpasst“, sagte die 24-jährige im Zeugenstand. Auf Frage des Vorsitzenden Richters Dr. Wolfhard Meindl, wie sie den Vorfall damals empfunden habe, sagte sie: „Man fühlt sich in seiner Privat- und Intimsphäre verletzt. Es ist kein schönes Gefühl. Am Anfang war’s schlimm. Ganz vergessen werde ich das nicht so schnell.“

Zeugensuche

Grapscher belästigt Frauen an der Uni

Zwei Studentinnen wurden am Mittwoch an der Universität Regensburg von einem Mann am Po berührt. Gibt es noch weitere Opfer?

Die Studentin Barbara F. (21) kam am 18. April gerade aus der Uni-Cafeteria, als Sergej L. auf sie zutrat und nach einem Hörsaal fragte. Freundlich ging sie ein Stück des Weges mit ihm mit, doch „plötzlich schlug die Stimmung um“, erinnerte sie sich. „Er griff mich am Arm und sagte: Komm jetzt mit!“ Dann packte er die völlig perplexe junge Frau an Hüfte und Pobacken und machte Anstalten, sie sich über die Schulter zu werfen. Dabei verlor er aber mit seinem Opfer das Gleichgewicht. Beide stürzten zu Boden. Die 21-Jährige landete schmerzhaft auf dem Po und zog sich ein großes Hämatom zu.

Nur wenige Stunden später langte der Mann in Mensa-Nähe erneut zu und griff einer weiteren Studentin ans Gesäß. Sie stieß ihn weg.

„Ich bekam keine Luft mehr. Sein Kopf kam neben meinen Kopf. Ich hörte ihn atmen.“

Eines der Opfer

Am Nachmittag des Folgetages fiel der Mann über eine weitere Studentin her: Auf dem Unigelände umklammerte er die 21-jährige Lisa M. aus heiterem Himmel von hinten im Brustbereich. „Erst dachte ich, es sei ein Bekannter. Aber die Umklammerung hörte nicht auf“, gab die Studentin an. „Sie wurde immer fester. Ich bekam keine Luft mehr. Sein Kopf kam neben meinen Kopf. Ich hörte ihn atmen.“ Kurzzeitig habe er mit seinen Händen auch ihre Brüste berührt. Schließlich konnte sie sich aus dem Griff herauswinden und flüchten. „Ich musste mich erstmal beruhigen. Bis dahin erschien mir die Uni als sicherer Ort. Das ist jetzt nicht mehr so.“

Nur eine Stunde später machte sich der 25-Jährige in der OTH-Cafeteria von hinten an die Studentin Leonie O. (23) heran, umgriff ihren Oberkörper und berührte auch ihren Busen. Auch sie fühlt sich seitdem nicht mehr so unbeschwert wie früher. Einige der Zeuginnen gingen erst zur Polizei und erstatteten Anzeige, nachdem sie durch einen MZ-Artikel von ähnlichen Vorfällen und der Bitte der Polizei um sachdienliche Hinweise erfahren hatten.

„Ich wollte die Frauen nur kennenlernen“, beteuerte der Angeklagte, der inzwischen in Italien weiterstudiert. „Ich wollte sie nicht verletzen oder zu etwas zwingen. Es tut mir leid.“ Er entschuldigte sich bei allen Geschädigten. Sein Verteidiger Jörg Sodan meinte, bei den „Spontanattacken“ habe es sich um „Imponiergehabe“ gehandelt, um die Frauen zu beeindrucken. Sein Mandant habe wohl nicht erkannt, dass er sich dabei strafbar machte.

Bewährungs- und Geldstrafe

Der Vorsitzend Richter Dr. Meindl war da anderer Ansicht: „Ein Sex-Monster ist er nicht. Doch spätestens nach der Ohrfeige hätte ihm klar sein müssen, dass so etwas hierzulande nicht geht.“ Neun Monate Haft mit Bewährung und 1000 Euro Geldauflage wegen sexueller Nötigung in einem minderschweren Fall, fahrlässiger Körperverletzung und sexueller Belästigung in vier Fällen lautete am Ende das Urteil für den bisher nicht vorbestraften Studenten. Der Staatsanwalt hatte zehn Monate „mit“ gefordert, der Verteidiger hatte auf eine Geldstrafe plädiert, da er den Tatbestand der sexuellen Nötigung nicht als verwirklicht ansah.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de jetzt auch über WhatsApp. Hier anmelden: https://www.mittelbayerische.de/whatsapp.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht