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Grass war Kaiser für einen Tag

Vor dem 100. Jahrestag des Ausbruchs des I. Weltkriegs kam der Erzherzog von Österreich ins Sterbebildmuseum in der Staatlichen Bibliothek.
von Helmut Wanner, MZ

  • Erzherzog Markus Salvator von Habsburg-Lothringen trägt sich ins Gästebuch des Sterbebild-Museums ein. In seinem Rücken der goldene Rahmen mit den Gebetsandenken an verstorbene Habsburger. Fotos: Hildebrand
  • Käse in der Form von Kaiserkrönchen auf den Canapes
  • Der Erzherzog greift zu. Rechts: Chauffeur Dr. Rupert Stummer
  • Sisi-Servietten zu Nougat-Pralinen mit dem Kaiserwappen

Regensburg. Markus Habsburg-Lothringen ist ein äußerst bescheidener Mann. Er zuckt mit keiner Wimper, wenn man ihn zu Hause in Österreich beim Bäcker fragt: „Darf’s noch was sein, Herr Magister?“ Mehr steht dem 68-Jährigen laut Verfassung ja leider nicht mehr zu als der akademische Grad, den er erworben hat.

Im Jubiläumsjahr des Beginns des I. Weltkriegs spürt er die Bürde der Geschichte besonders: „Wenn ich daran denke, hält es mich nicht auf den Füßen. Ich könnte weinen – was wir verloren haben!“, sagt er zur MZ. Der Habsburger verwaltet und bewohnt das Haus, in dem am 28. Juli 1914 die Kriegserklärung an Serbien unterzeichnet wurde. In der wunderschönen Kaiservilla, Bad Ischl, wird jeden 18. August der Geburtstag Kaiser Franz Josephs zelebriert – Deutschmeister-Regiment, Salutschüsse und Nostalgiker-Aufmarsch inklusive. 30000 Besucher zieht es alljährlich in die oberösterreichische Kaiserstadt.

Doppeladler vor dem Reihenhaus

Man kann sich also denken, wie sich Mag. Habsburg-Lothringen gefühlt haben muss, als er jetzt in Grass, Nothaftstraße 6, vorfuhr. Der Historiker und Buchautor Ing. MMag. Dr. Rupert Stummer hatte kaiserliche Hoheit im Chevrolet chauffiert. Als der Erzherzog von Österreich und Prinz von Toskana ausstieg, tränten ihm die Augen. Der Doppeladler wehte auf der rotweißroten Flagge vor dem kaisergelb gestrichenen Reihenhaus der Sterbebildsammlerin Marianne Hildebrand.

Die Kaisertreue hatte die Fahne in Schierling anfertigen lassen, speziell für diesen langersehnten, ja herbeigebeteten Besuch. Denn die kaiserliche Hoheit war ihrer Einladung gefolgt und zur Eröffnung ihrer 17. Sterbebildausstellung in der Staatlichen Bibliothek direkt aus der Kaiservilla nach Regensburg gereist.

Die Kapuzinergruft im kleinen

Zuvor hatte er noch in Grass Station gemacht, dem vielleicht speziellsten und originellsten Museum der Welt. Die Hauswirtschaftsmeisterin hatte alles aufgefahren, was ihr Rentner-Geldbeutel hergab: Extra hatte sie bei der Wörther Konditorei Deubler Nougat-Pralinen mit Kaiserwappen anfertigen lassen. Rotweiße Blumen der Gärtnerei Bendler standen in den Vasen. Auf den Canapees lagen kaiserliche Käsekrönchen und Butter-Lilien.

Kaiserliche Hoheit waren auch nicht mit leeren Händen gekommen. Sie hatten Linzer Törtchen dabei, Bad Ischler Kaffee (Melange), Kaiser-Servietten und eine CD mit Orgelmusik. Eine überglückliche Marianne Hildebrand bat die hohen Herren erst einmal zu Tisch. Sie nannte Mag. Markus Habsburg-Lothringen dabei bei seinem vollen Namen: „Ihre kaiserliche und königliche Hohheit, Erzherzog Markus Salvator von Habsburg-Lothringen.“ Sie hätte auch noch sagen können: Prinz von Toskana und Urenkel von Sisi. Die österreichische Kaiserin wurde durch den Film mit Romy Schneider und den gerade verstorbenen Karlheinz Böhm (ihr nächstes Sterbebild) unsterblich.

Der Erzherzog war beeindruckt von der Ordnung der 45 000 Bildchen. Sie erinnern in Ehrfurcht an bürgerliche und adlige Menschen, Prominente und weniger Prominente. Domvikar Msgr. Georg Schwager, Leiter der Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse beim Bischöflichen Konsistorium Regensburg, hat bei seinem Besuch im Museum für alle diese Seelen gebetet. Aber dass die Sterbebildsammlerin in Grass gleich eine kleine Kapuzinergruft errichtet hat, überraschte den Erzherzog doch. Die Sterbebilder der kaiserlichen Familie Habsburg-Lothringen hängen in einem goldenen Rahmen unter einem Lilien-Baldachin. Der Erzherzog setzte sich auf den Stuhl, auf dem schon Landesmutter Karin Seehofer gesessen hat, und schrieb in gestochenen Buchstaben ins Gästebuch. Es hat den Erzherzog sehr gefreut.

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