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Kultur

Großes Theater auf einer Mini-Bühne

Die Küche der AD-Kantine wurde zur kleinsten Spielstätte Regensburgs. Das Stück „Bleib doch zum Frühstück“ kommt gut an.
Von Sarah Höger

Die Kantine der Akademie wurde für das Stück „Bleib doch zum Frühstück“ zur Bühne umfunktioniert. Foto: Höger
Die Kantine der Akademie wurde für das Stück „Bleib doch zum Frühstück“ zur Bühne umfunktioniert. Foto: Höger

Regensburg.Normalerweise sind Schauspieler und Publikum im Theater durch einige Meter Abstand getrennt. Nicht so in der kleinsten Spielstätte Regensburgs, in der neuen Kantine der Akademie für Darstellende Kunst Bayern und des Akademietheaters, kurz: ADKantine. Hier verbringen tagsüber die Studierenden ihre Pausen, essen Quiche Lorraine oder Apfel-Pekannuss-Kuchen, wie die Speisekarte an der Tür der Kantine verrät. Kürzlich verwandelte sich die Kantine jedoch in eine richtige Spielstätte. Regisseur Jona Manow präsentierte seine Inszenierung von „Bleib doch zum Frühstück“ von Gene Stone und Ray Clooney.

Das Stück: Eine vor Stereotypen strotzende Komödie, bei dem ein zeitloses Gefühl im Mittelpunkt steht: die Liebe. Louise, gespielt von Henriette Heine, ist ein Teenie, spricht fließend vulgäre Jugendsprache – und ist hochschwanger. Natürlich ohne Kindsvater, der ist irgendwo in Berlin.

Nachbar ein „langweiliger Lauch“

Die Kantine der Akademie wurde für das Stück „Bleib doch zum Frühstück“ zur Bühne umfunktioniert. Foto: Höger
Die Kantine der Akademie wurde für das Stück „Bleib doch zum Frühstück“ zur Bühne umfunktioniert. Foto: Höger

Bei ihrem Lückenbüßer will sie nach heftigen Streits nicht mehr bleiben und strandet bei Nachbar Georg (János Kapitány). Der ist Ende 30, Spießbürger, Beamter, geschieden, einsam – und ein „langweiliger Lauch,“ wie Louise ihn liebevoll nennt. Das Stück wurde in den 70er-Jahren geschrieben, lässt sich aber optimal auf das Jahr 2018 adaptieren. Als Louise beispielsweise in Georgs Wohnung platzt und mitgenommen dreinschaut, bietet Georg höflich Wasser an. Louise: „Hast du Pfeffi?“

Georg weiß natürlich nicht, was Pfeffi, ein giftgrüner Pfefferminzlikör und Trendgetränk bei unter 30-Jährigen, ist. Egal, Georg hat stattdessen Whiskey, das reicht der hochschwangeren Louise fürs Erste. Obwohl die Gegensätze unüberwindbar scheinen, entsteht zwischen den beiden zunächst eine Zweckgemeinschaft – und später sogar Liebe. Das, wonach sich beide im Grunde sehnen. Als die neue Gemeinschaft nach einem Streit auseinanderzubrechen droht, gesteht Louise: „Du bist der erste Mensch, von dem ich glaube, dass ich ihm etwas bedeute.“

AD-Kantine

  • Spielort:

    Die Kantine der Akademie für Darstellende Kunst Bayern und des Akademietheaters in der Kreuzgasse hat sich zu einer nagelneuen Spielstätte entwickelt: Und ist mit Platz für nur rund 30 Zuschauer die kleineste in Regensburg.

  • Bühne:

    Für das Stück „Bleib doch zum Frühstück“ wird die Kantine zum Bühnenbild, die Schauspieler agieren um die Bar herum, eine Sitzbank wird zur Couch. Künstlerisch wurde die Kantine von Akram Sultan gestaltet.

Mittlerweile wurde das Stück bereits fünfmal aufgeführt – und löst bei den Zuschauern im Publikum Emotionen aus, die bei den Schauspielern deutlich zu spüren sind, wie Henriette Heine unserer Zeitung verriet: „Man spürt die Emotionen der Zuschauer. Manchmal übernehmen die Zuschauer auch Partei für unsere Rollen. Ältere Zuschauer schlagen sich dann eher auf die Seite von Georg, jüngere tendenziell auf meine Seite.“

Zuschauer sind nah dran

Auch die Gesten und die Mimik der Zuschauer seien durch die Nähe zum Publikum präsenter bei den Schauspielern, so Heine lächelnd weiter: „An der Stelle, an der ich handgreiflich werde, platzte es einmal aus einer älteren Zuschauerin heraus: ‚Jetzt ist sie zu weit gegangen!‘“. Die Idee, die Kantine der Akademie zur Bühne umzufunktionieren, kam von Regisseur Manow: „Wir haben zunächst nach einer Komödie gesucht und das Stück ‚Bleib doch zum Frühstück‘ hat sich dann ideal angeboten, in der Küche gespielt zu werden.“

Normalerweise dient das Theater im alten Malsaal des Hauses in der Kreuzgasse als Bühne. Doch die Gruppe rund um Manow hat bewiesen, dass Theater keine Grenzen kennt: Auch keine räumlichen.

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