MyMz
Anzeige

Gericht

Großonkel missbraucht Achtjährige

Ein Mann aus Kelheim gestand elf sexuelle Übergriffe in Bett und Auto. Er kam mit Bewährungsstrafe und einer Geldbuße davon.
Von Marion von Boeselager, MZ

Der Täter gestand unter Tränen seine Vergehen.
Der Täter gestand unter Tränen seine Vergehen. Foto: Uli Deck, dpa

Kelheim.Dem Vater der achtjährigen Sabine (Name geändert) aus Regensburg fiel beim Abendessen im Mai letzten Jahres sofort auf, dass mit seiner Tochter etwas nicht stimmte.: Gerade war sie von einem Ausflug mit ihrem heiß geliebten Kelheimer Großonkel (60) zurückgekehrt. Doch die sonst so lebhafte Kleine war verschlossen. Sie zog sich aufs Sofa zurück und die Knie an ihre Brust. Der Vater setzte sich zu ihr, fragte, was denn los sei. Da sagte Sabine: „Der Onkel hat mir wehgetan. Er hat mich da unten angefasst.“

„Da gingen bei mir sofort die Alarmglocken los“, berichtete der Vater des Mädchens am Donnerstag im Zeugenstand vor der Jugendschutzkammer des Regensburger Landgerichts. Er fuhr mit Sabine in die Hedwigsklinik, wo eine leichte Verletzung im Intimbereich des Kindes festgestellt wurde. Die Kripo rückte an, die mit dem Kind sprach und den Großonkel schon am Folgetag festnahm. Der Kelheimer kam in U-Haft. Am Donnerstag musste er wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in elf Fällen und Körperverletzung auf der Anklagebank Platz nehmen.

Der Lagerverwalter aus Kelheim machte reinen Tisch und ersparte seiner Großnichte damit eine quälende Aussage vor Gericht. Über seinen Anwalt Johannes Büttner ließ er erklären, er räume alle Vorwürfe „mit dem Ausdruck des größten Bedauerns ein. Es ist ihm unfassbar unangenehm und peinlich. Er möchte sich in aller Form für die Vorfälle entschuldigen.“

Übergriffe im Ehebett

Laut Anklage übernachteten Sabine und ihre drei Geschwister seit Jahren mehrmals im Monat bei den Verwandten in Kelheim. Dort schliefen sie auf Luftmatratzen. Vor dem Einschlafen war es jedoch üblich, mit Großonkel und -tante im Ehebett Filme auf DVD anzuschauen. Dabei lag Sabine rechts neben ihrem Großonkel, dann folgten die drei Geschwister. Außen war der Platz der Großtante.

Von Anfang 2014 bis Mai 2015 soll der 60-Jährige da bei mindestens zehn Gelegenheiten seine Hand unter der Bettdecke in Sabines Slip gesteckt und sie unsittlich berührt haben. Einmal versuchte er auch, allerdings erfolglos, sie dazu zu bringen, sein Glied anzufassen.

Am 13. Mai hatte der Großonkel Sabine in Regensburg bei den Eltern abgeholt, um mit ihr das Grab ihres Opas im Landkreis zu besuchen. Auf einem Parkplatz forderte er das Kind auf, sich auf seinen Schoß zu setzen. Er gab der Achtjährigen einen Zungenkuss. Später, während der Fahrt, steckte er seine Hand in die Leggins der Kleinen, die auf dem Beifahrersitz saß , und manipulierte ihren Intimbereich so heftig, dass das Kind dabei eine Schürfwunde und Schmerzen erlitt, so die Vorwürfe.

Schwere Folgen für das Opfer

Die Taten – vor allem der letzte, massivere Übergriff – hatten für Sabine dramatische Folgen: Die Achtjährige, die an dem Großonkel hing und sich früher gern in seinen Arm kuschelte, vernichtete alle seine Geschenke, erzählte ihr Vater. Schlafstörungen und Bettnässen stellten sich ein. Sie wollte eine Woche lang nicht zur Schule und sich beim Sport nicht mehr mit Buben in einem Raum umkleiden. Heute habe sich seine Tochter wieder „etwas gefangen“ und bringe auch in der Schule inzwischen wieder gute Leistungen.

Bereits im Vorfeld des Prozesses waren 3000 Euro Schmerzensgeld als Täter-Opfer-Ausgleich an die Geschädigte geflossen. Da Spätfolgen in der Entwicklung des Mädchens nicht ausgeschlossen werden können, haftet der Angeklagte zudem für durch die Tat verursachte künftige Schäden. Zwischen dem Angeklagten und der Familie des Mädchens besteht seither Kontaktverbot.

Da der Angeklagte bisher unbescholten ist, eine feste Arbeit hat und seine Frau weiter zu ihm steht, ging die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer von einer guten Sozialprognose des Angeklagten aus. Doch habe er das Vertrauen und die Zuneigung des kleinen Mädchens und seiner Eltern missbraucht, um seinen sexuellen Interessen nachzugehen. Wegen seines – bei Sexualstraftaten besonders wertvollen – Geständnisses und seinen Bemühungen um Schadenswiedergutmachung forderte sie eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Auch der Verteidiger beantragte Bewährung für seinen Mandanten, der sich schäme und in U-Haft so massiv bedroht worden sei, dass er verlegt werden musste.

Sexueller Missbrauch

  • Sexueller Missbrauch:

    Sexueller Missbrauch von Kindern bezeichnet willentliche sexuelle Handlungen mit, an oder vor Kindern. Typischerweise spielt dabei ein Macht- oder Wissensgefälle zwischen dem Täter und seinem kindlichen Opfer eine zentrale Rolle

  • Missbrauch eines Kindes:

    Der Missbrauch eines Kindes bedeutet stets eine Verletzung seiner ungestörten Gesamtentwicklung durch vorzeitige sexuelle Erlebnisse; dadurch wird die Entwicklung seiner sexuellen Selbstbestimmungsfähigkeit gestört

  • Strafe:

    In Deutschland ist nach § STGB darauf eine Mindesthaftstrafe von sechs Monaten ausgesetzt. Quelle: wikipedia

„Das kann man mit Geld nicht wieder gutmachen“, sagte der Angeklagte unter Tränen. „Ich wollte, ich könnte das alles ungeschehen machen.“ Eine von Nebenklagevertreterin Claudia Schenk empfohlene Therapie lehnte er aber ab.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Carl Pfeiffer schloss sich den Argumenten der Anklage an, beließ es aber bei einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten für den Kelheimer bewenden. Dieser muss sich künftig von der Geschädigten und ihren Geschwistern fernhalten und 3000 Euro an den Verein zur Förderung körperbehinderter und krebskranker Kinder Ostbayern (Vkkk Ostbayern) zahlen.

Weitere Berichte aus Kelheim finden Sie hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht