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Wohnen

Günstige Studentenzimmer noch rarer

In Regensburg fielen mehr Heimplätze weg, als neu entstanden. Entsprechend hart ist der Kampf um eine Wohnung.
Von Julia Ried

Die Wohnungen hinten im Bild, die das Studentenwerk gerade saniert, sollen Studenten zu Beginn des neuen Semesters zur Verfügung stehen. Aber andere Plätze sind dauerhaft weggefallen. Foto: Julia Ried
Die Wohnungen hinten im Bild, die das Studentenwerk gerade saniert, sollen Studenten zu Beginn des neuen Semesters zur Verfügung stehen. Aber andere Plätze sind dauerhaft weggefallen. Foto: Julia Ried

Regensburg.Sophie Bayer beginnt im Oktober an der Universität mit ihrem Wunschstudium der Pharmazie. Doch so richtig darauf freuen kann sie sich nicht. Die 19-Jährige sagt: „Das wird so getrübt von der Wohnungssuche, das nervt so.“ Seit drei Monaten suche sie „wirklich aktiv“, werde auch oft zu einer Besichtigung eingeladen. Oft allerdings werde diese abgesagt – weil die Wohnung schon weg ist, weil andere mehr bieten. „Einmal habe ich eine E-Mail bekommen, dass einer bereit sei, mehr zu zahlen. Ob ich da mitziehen möchte.“ Sie wollte nicht: „Ich bin immer noch ein Mensch und keine Ware.“

Die Wohnsituation der Studenten in Niederbayern und der Oberpfalz.

Ein Faktor, der Studenten in diesem Jahr die Suche besonders erschwert: Während die Zahl der Studenten in Regensburg stetig zunimmt – 2017 waren es 32 967 –, ist die Zahl der öffentlich geförderten Zimmer in Wohnheimen sogar gesunken. Laut Nicolas Müller, Sprecher des Studentenwerks Niederbayern/Oberpfalz, stehen 3425 Plätze zur Verfügung, während es zwischen 2013 und 2017 konstant 3670 waren.

Luther- und Keplerheim weg

Müller erläutert: „Der Rückgang im Jahr 2017 liegt im Wegfall einiger öffentlich geförderter Wohneinheiten anderer Anbieter begründet, darunter vor allem die Wohneinheiten im Lutherhaus und im Keplerhaus des Diakonischen Werks am Ernst-Reuter-Platz.“ Die Diakonie macht die Heime dicht, weil sich die Stadt im Zuge der Planung des Kultur- und Kongresszentrums im Februar das Erbbaurecht gesichert hat. Für das Studentenwerk ergänzt Müller: „Wir hatten keine Bautätigkeit, weil uns der Boden gefehlt hat.“

Wie leben Studenten in Niederbayern und der Oberpfalz? Antworten finden Sie im Video.

Das Video basiert auf Daten für Niederbayern und die Oberpfalz aus der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks.

Studentische Sprecherin Shanice Moore (24) bedauert, dass so viele Heimplätze wegfallen. Umso stärker müssten Studenten mit anderen Menschen mit geringem Einkommen um Wohnungen konkurrieren. „Man hat einen Markt, der von zwei Gruppen belagert wird“, sagt Moore. Der Preisunterschied zwischen geförderten Studentenbuden und solchen auf dem freien Markt ist erheblich: Die Durchschnittsmiete für einen öffentlich geförderten Wohnheimplatz in Regensburg lag laut Müller 2017 bei 220 Euro, während die Durchschnitts-Basismiete für eine 25-Quadratmeter-Wohnung dem Mietspiegel zufolge bei circa 310 Euro liegt. Da dieser Preis Art, Lage, Ausstattung und Beschaffenheit der Wohnung nicht berücksichtigt, begegnen Studenten bei ihrer Suche oft ganz anderen Preisen.

So finanzieren die Studenten ihren Lebensunterhalt.

Moore, die zum 1. Juni nach vier Jahren in einer Wohnung in Harting eine Wohngemeinschaft in Regensburg bezogen hat, sagt: „Wenn es wirklich eine kleine Einzimmerwohnung ist, kann man vielleicht mit 500 Euro warm rechnen.“ Ihr neues, circa 16 Quadratmeter großes WG-Zimmer im Ostenviertel für 320 Euro warm habe sie nur gefunden, weil ein Freund sie als Nachmieterin empfahl.


So leben die Studenten

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Eine Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts in Kooperation mit dem Immobilienportal wg-gesucht.de hat für Regensburg – wie auch schon im Vorjahr – einen Durchschnittspreis von 370 Euro für ein WG-Zimmer ergeben. In dem Portal werden meist Warmpreise inklusive Stromkosten genannt.

In den Top 20 vertreten

Die Studie verortet Regensburg auf Rang 19 der Städte mit angespanntem studentischen Wohnungsmarkt. Der Stagnation des Durchschnittspreises hat es die Stadt wohl zu verdanken, dass sie im „Anspannungsindex“ um einen Platz nach hinten gerückt ist.

„Eine richtige Entspannung ist das nicht“, sagt Dr. Tobias Just, Professor für Immobilienwirtschaft an der Uni Regensburg. Zwar war ihm zufolge insgesamt in Regensburg die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in den vergangenen Jahren im Städtevergleich überdurchschnittlich, während das Bevölkerungswachstum etwas zurückging, was den Anstieg der Mieten dämpfte. Auch gebe es mehr Studentenapartments – jedoch, weil nicht geförderte, entsprechend teure dazukamen. „Die große Veränderung, die wir in den letzten Jahren feststellen, ist, dass mehr Studenten von der Familienseite das Kapital bekommen, relativ teuer zu wohnen.“ Das lindere den Druck auf den Markt, ändere aber nichts an der Diagnose, dass erschwinglicher Wohnraum insgesamt zu knapp sei. „Aktuell sind die 60- bis 80-Quadratmeter-Wohnungen im unteren bis mittleren Segment das, was den Wohnungsmarkt am meisten entspannen würde.“

Städtevergleich

  • Die Studie:

    Das Moses-Mendelssohn-Institut hat in Kooperation mit dem Portal wg-gesucht.de alle 96 Hochschulstandorte mit mehr als 5000 Studierenden untersucht. Es ermittelt aufgrund von 23 Faktoren einen „Anspannungsindex“ des studentischen Wohnungsmarkts.

  • Regensburg im Vergleich:

    Regensburg landete auf Rang 19 des „Anspannungsindex“. Zwölf Prozent der Studenten haben hier einen Wohnheimplatz, ein WG-Zimmer kostet im Schnitt 370 Euro warm. An der Spitze steht München mit einem Durchschnittspreis von 600 Euro für ein WG-Zimmer. Berlin folgt auf Rang sechs mit einem Durchschnittspreis von 420 Euro, Heidelberg auf Rang 14 mit 380 Euro und Erlangen mit 369 Euro auf Rang 18.

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