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Nachruf

Hans-Heinrich Vangerow ist tot

Der Vater der Waldjugendspiele starb am 28. Dezember in Donaustauf. Der Forstmann setzte sich unermüdlich für den Wald ein.
Von Heinz Klein

Der „Grünspecht“ und Archivfuchs Dr. Hans-Heinrich Vangerow an seinem 90. Geburtstag Foto: Heinz Klein
Der „Grünspecht“ und Archivfuchs Dr. Hans-Heinrich Vangerow an seinem 90. Geburtstag Foto: Heinz Klein

Regensburg.„Die Äuglein blitzen schelmisch, der Blick ist hellwach und der Kopf voller Daten und Jahreszahlen (die auch noch alle exakt stimmen!).“ So erlebten wir Hans-Heinrich Vangerow kurz vor seinem 95. Geburtstag im April vergangenen Jahres. „Wenn der Herrgott einverstanden ist, hätte ich schon Lust, die Hundert vollzumachen“, sagte der Forstdirektor a. D. damals. Doch es hat nicht sollen sein. Hans-Heinrich Vangerow starb nach kurzer Krankheit in den Morgenstunden des 28. Dezembers zuhause in Donaustauf.

Ein Kraftwerk an intellektueller Energie war er zeitlebens und bis zuletzt. Der Forstmann machte immer wieder Schlagzeilen: Als erster Leiter des 1973 frisch geschaffenen Nationalparks Bayerischer Wald kämpfte er sechs Jahre lang für die Akzeptanz der Idee, in den Wäldern zwischen Rachel und Lusen die Natur Chef sein zu lassen. Um Schulkindern den Wald nahe zu bringen, ersann Vangerow eine pädagogische Konzeption, die als Waldjugendspiele bundesweit bekannt wurde. Hunderttausende Kinder spielen seit Jahrzehnten Vangerows Spiel und lernen dabei, den Wald zu verstehen. Unter dem Pseudonym „Grünspecht“ klopfte der kritische Geist als Kolumnist in der Fachzeitschrift, dem Holz-Zentralblatt, die bayerische Forstpolitik ab, wobei die Ministeriellen in München oft genug ihr Fett abbekamen.

Mit 80 Jahren habilitiert

Als Vangerow 1989 als Leitender Forstdirektor der früheren Oberforstdirektion Regensburg in den Ruhestand ging, war von Ruhe keine Rede. Nun wühlte er 16 Jahre lang in Archiven in Tschechien und Bayern und habilitierte sich 2004 im zarten Alter von 80 Jahren mit der biografischen Darstellung des kurfürstlichen Oberwaldmeisters Johann Heinrich Kosteletzky von Sladowa, der als erster vom Prinzip der Nachhaltigkeit sprach. Den Professoren der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg dürfte beim Lesen der Arbeit schwindlig geworden sein, hatte der Archivfuchs seine Habilitation doch mit 7205 Anmerkungen untermauert.

Jubiläum

600 000 Kinder spielen Vangerows Spiel

Seine Idee wird 50 Jahre und Hans-Heinrich Vangerow, der Vater der Waldjugendspiele, 95. Und macht noch immer von sich reden.

Als nächstes Thema knöpfte sich Vangerow 59 Bände mit Mautrechnungen aus den Jahren 1583 bis 1651 vor und dokumentierte, was die Donauschiffer vor 500 Jahren an Brennholz, Eisen, Salz und saurem Wein transportiert hatten. Die Ergebnisse seiner historischen Wühlarbeit wurden immer wieder veröffentlicht, unter anderem in einem 170 Seiten umfassenden Sonderdruck des Historischen Vereins.

Sympathie für Fridays for Future

Bis zuletzt saß das Energiebündel Vangerow täglich mehrere Stunden am Schreibtisch, stand spätestens um 6 Uhr auf und hielt sich mit täglich einer Stunde Zeitungslesen auf dem Laufenden. Natürlich hatte er große Sympathie für Greta Thunberg und die Jugend, die sich in der Aktion „Fridays for Future“ engagiert. Auch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hat Hans-Heinrich Vangerow unterschrieben – übrigens ohne Zittern und Lesebrille. „Das war notwendig“, sagte er, „denn die Politiker reden ja nicht mit uns.“

Hans-Heinrich Vangerow findet am Mittwoch um 14.30 Uhr am Evangelischen Zentralfriedhof seine letzte Ruhe. Um ihn trauern zwei Töchter, ein Sohn und sicher viele Freunde des Waldes.

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