MyMz
Anzeige

Stadtgeschichte

Hans Herrmann wird durchleuchtet

Auf Antrag von Jürgen Mistol beschäftigen sich die Regensburger Fraktionsvorsitzenden mit der braunen Vergangenheit des früheren OBs.
Von Claudia Böken, MZ

  • Im Februar 1955 machte der damalige MZ-Fotograf Ernst Berger dieses Bild von Hans Herrmann.Foto: Stadtarchiv
  • Den Park an der Isarstraße könnte der Stadtrat umbenennen.Foto: Zugner

Regensburg. Der Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger will anscheinend keinen zweiten Fall Florian Seidl riskieren, der Ende der 1990er-Jahre bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte. Damals weigerte sich die CSU jahrelang eine Straße umzubenennen, die den Namen des Dichters trug. Seidl hatte sich in seinen Büchern in den Dienst nationalsozialistischer Ideologie gestellt hatte. Im Fall des 1959 verstorbenen Oberbürgermeisters Hans Herrmann schlagen die Wogen weniger hoch: Grünen-Fraktionschef Jürgen Mistol hatte Schaidinger gebeten, das Thema auf die Tagesordnung der Besprechung der Fraktionsvorsitzenden zu nehmen, die im September stattfindet. Und Schaidinger nahm diese Anregung auf, wie er im Ferienausschuss verkündete.

Wie die MZ berichtete, ist das Kultusministerium der Meinung, dass Herrmann aufgrund seiner Vergangenheit in der NS-Zeit nicht als Vorbild und deshalb nicht als Namensgeber für eine Schule dienen sollte. Während diese Umbenennung Sache der „Schulfamilie“ ist, gibt es zwei Punkte, bei denen der Stadtrat handeln könnte: Hinter der Schule ist ein 2,5 Hektar großer Park nach Hans Herrmann benannt. Außerdem ist er seit 1959 Ehrenbürger der Stadt. Beide Würdigungen könnten ihm aberkannt werden.

Damit die Fraktionsvorsitzenden eine Entscheidungshilfe haben, hat Schaidinger versprochen, ihnen alle greifbaren Unterlagen über Herrmann zur Verfügung zu stellen. Kein einfaches Unterfangen, wie Juliane von Roenne-Styra von der städtischen Pressestelle inzwischen weiß. Dass die Ehrenbürgerschaft Herrmann wenige Monate vor seinem Tod 1959 verliehen wurde, ist inzwischen klar. Die Schule ist im selben Jahr nach dem Oberbürgermeister benannt worden. Aber was ist mit dem Park, der von 1961 bis 1963 vom Stadtgartenamt angelegt wurde? Erhielt er den Namen sofort bei seiner Fertigstellung oder erst später? Stutzig macht sie, dass in einem Zeitungsbericht zum zehnten Todestag Herrmanns zwar von seiner Ehrenbürgerschaft die Rede ist, aber nicht von einem nach ihm benannten Park.

Schaidinger wünscht sich eine ruhige und sachliche Debatte, machte er bei der Ferienausschusssitzung klar. Grünen-Fraktionschef Jürgen Mistol ist ebenfalls dieser Meinung. Herrmann sei nicht auf die Jahre von 1933 bis 1945 zu reduzieren. Man dürfe sie aber auch nicht ignorieren, findet er. Seine Verdienste um Regensburg wolle er ihm nicht absprechen, aber als Namensgeber für eine Schule findet er ihn problematisch. Ganz anderer Meinung ist da ÖDP-Stadtrat Eberhard Dünninger, der sich vehement für Hans Herrmann einsetzt.. Er hat sogar an Kultusminister Ludwig Spaenle geschrieben, um seine Empörung kundzutun. Sollte Herrmann tatsächlich die Ehrenbürgerwürde abgesprochen werden, wolle er künftig dessen Grabpflege übernehmen, kündigte er an.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht