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Bildung

Hans Herrmanns brauner Schatten

Kann der Nazi-Bürgermeister Pate für Schule und Park bleiben? Politiker fordern einen sensiblen Dialog – sind sich aber uneins über die Gangart.
Von Heike Haala, MZ

  • Taugt Hans Herrmann noch als Namensgeber für eine Schule? Das Kulturministerium sieht das kritisch. Foto: MZ-Archiv
  • Hans Herrmann war ab 1925 Bürgermeister in Regensburg, von 1952 bis 1959 auch Oberbürgermeister. 1935trat er der NSDAP bei, ab 1936 war er förderndes Mitglied in der SS. Seine Rolle bei der „Arisierung“ von jüdischem Eigentum wird in einem Papier des Kultusministeriums kritisch hinterfragt. Foto: Stadt Regensburg

Regensburg. Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus veröffentlichte kürzlich ein Schreiben, das die Namensgebung von Schulen reflektiert. Die Namensgeber von fünf Schulen in Bayern sind in diesem Schreiben hinterfragt worden. Darunter auch Hans Herrmann, nachdem in Regensburg eine Grund- und Mittelschule benannt worden ist.

Hans Herrmann wurde 1899 geboren und machte in den 1920-er Jahren Karriere in der Bayerischen Volkspartei. 1925 wurde er zweiter rechtskundiger Bürgermeister in Regensburg und behielt diese Funktion auch während der Zeit der NS-Diktatur bei, nach 1945 war er in der CSU tätig, Mitglied des Bayerischen Landtags von 1954 bis 1958 und Oberbürgermeister von Regensburg von 1952 bis 1959, heißt es in dem Schreiben über den Namensgeber der Schule.

In dem Papier, das Kultusminister Ludwig Spaenle der Präsidentin des Bayerischen Landtags Barbara Stamm zukommen ließ, wird auch über das Für und Wider des Namensgebers reflektiert: „Für ihn spricht die Beteiligung am demokratischen Wiederaufbau nach 1945 an exponierter Stelle. Gegen ihn spricht die Kontinuität in seiner amtlichen Tätigkeit ab 1933, darunter 1935 Beitritt in die NSDAP, ab 1936 als förderndes Mitglied in der SS.“

Als besonders kritisch bewerten die Verfasser des Schreibens die Rolle Herrmanns bei der „Arisierung“ von jüdischem Eigentum. Sein Handeln als hochrangiger politischer Akteur während der Zeit des NS-Regimes mache ihrer Ansicht nach das Argument hinfällig, dass es Herrmann darum gegangen sein könnte, „Schlimmeres zu verhindern“.

Der Regensburger CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Franz Rieger verteidigte das Schreiben des Kultusministeriums. Seine Fraktion hätte einen entsprechenden Beschluss auf Initiative der Grünen im Landtag unterstützt. Nicht nur im Landtag, sondern auch in seiner Funktion als Stadtrat werde er sich in die politische Diskussion zu dem Thema einschalten und sich – falls das nötig ist – so dafür einsetzen, dass die Schule umbenannt wird.

Rieger bekräftigte im MZ-Gespräch am Mittwoch, dass der Namensgeber für eine Schule auch in Hinblick auf das pädagogische Wirken und die Ausbildung dort frei von historischen Belastungen sein sollte.

Rieger ist, wie auch die ehemalige SPD-Oberbürgermeisterin und Stadträtin Christa Meier, für die Umbenennung der Schule nach einem sensibel geführten Dialog. Beiden ist die Meinung der Schulverwaltungsbehörden, der Entscheidungsträger, der Bürger, der Lehrer und Schüler wichtig. Meier erinnert in diesem Zusammenhang an die langwierige und schwierige Umbenennung der Florian-Seidl-Straße in Johann-Hösl-Straße. Damals sei es zu Verletzungen gekommen, deswegen würde nur eine offene Debatte zu einer einvernehmlichen Lösung führen.

Der Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger ließ über die Pressestelle der Stadt verlauten, dass die Bezeichnung von Schulen im Artikel 29 des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) geregelt ist. Demnach sei die Stadt seiner Ansicht nach als Schulaufwandsträgerin für eine Umbenennung von staatlichen Schulen nicht zuständig. „Wenn die beiden betroffenen Schulen oder der Freistaat Bayern mit dem Wunsch, den Namen abzulegen oder mit einem neuen Namensvorschlag auf die Stadt zukommen, werden wir uns diesem Wunsch gegenüber aufgeschlossen zeigen“, so Schaidinger.

Bürgermeister Joachim Wolbergs und SPD-Fraktionsführer im Stadtrat sprachen sich am Mittwoch in einer Pressemitteilung für die Umbenennung der Hans-Herrmann-Schule und des daneben gelegenen Hans-Herrmann-Parks aus. Die von CSU-Vertretern gebrauchte Einschränkung, die Schule umzubenennen, „wenn es notwendig ist“ können sie dabei allerdings ebenso wenig nachvollziehen, wie die Annahme, man könne zuwarten, bis die Schule oder der Freistaat mit einem neuen Namensvorschlag auf die Stadt zukommen, kritisieren sie die Positionen Riegers und Schaidingers.

Der Oberbürgermeister und der CSU-Kreisvorsitzende übersehen Hartls und Wolbergs Ansicht nach weiterhin, dass es neben der Schule auch noch einen Park gleichen Namens gibt, für dessen Umbenennung die Stadt alleine zuständig sei: „Für uns war nach der Stellungnahme des Kultusministeriums, die diplomatisch, aber eindeutig ist, sofort klar, dass eine Umbenennung von Hans-Herrmann-Schule und Hans-Herrmann-Park notwendig ist.“ Hartl und Wolbergs hoffen, dass die Schulfamilien in dieser Frage ein deutliches Zeichen für eine vorwärtsgewandte Erinnerungskultur setzen: „In Sachen Hans Herrmann Park sollte der Stadtrat eine Umbenennung beschließen“, schreiben sie.

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