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Festakt

Hans Schaidinger ist 41. Ehrenbürger

Beim Stadtfreiheitstag zeichnete der Regensburger OB Wolbergs seinen Vorgänger aus. In der Laudatio schonte er ihn nicht.
Von Marion Koller, MZ

  • Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (li.) ernannte seinen Vorgänger Hans Schaidinger zum 41. Ehrenbürger der Stadt. Fotos: altrofoto.de
  • Die Goldene Bürgermedaille erhielt Bürgermeister a. D. Gerhard Weber. Fotos: altrofoto.de
  • Den Stadtschlüssel bekam Professor Dr. Reinhard Andreesen. Fotos: altrofoto.de
  • Mit der Matthäus-Runtinger-Medaille wurde Claus Kellnberger geehrt. Fotos: altrofoto.de
  • Lisa Wahlandt sang, im Hintergrund Gerwin Eisenhauser Fotos: altrofoto.de
  • Die Silberne Bürgermedaille nahm Landtagsabgeordneter a.D. Peter Welnhofer entgegen. Fotos: altrofoto.de
  • Den Stadtschlüssel erhielt Dr. Hans Brockard, der KUNO-Initiator. Fotos: altrofoto.de
  • Etwa 400 Gäste waren gekommen. Fotos: altrofoto.de

Regensburg.Die Ehrenbürger-Würde ist die höchste Regensburger Auszeichnung. Das Leben von Alt-OB Hans Schaidinger drehte sich 18 Jahre lang, bis zum Mai 2014, beinahe ausschließlich um diese Stadt. Für seine zahlreichen Verdienste, besonders um den wirtschaftlichen Aufstieg, ernannte ihm Oberbürgermeister Joachim Wolbergs beim Stadtfreiheitstag am Samstagabend im Historischen Reichssaal zum 41. Ehrenbürger. Diesen Titel teilt sich Schaidinger mit 40 männlichen Honoratioren, darunter der frühere Papst Benedikt XVI., Ministerpräsident Franz Josef Strauß und Reichskanzler Otto von Bismarck. Eine Frau taucht in der Liste bisher nicht auf.

Eine treffende Charakterisierung

Sehr treffend mit allen Stärken und einigen Schwächen charakterisierte Wolbergs seinen Vorgänger im Amt in der Laudatio. Zum Festakt hatten sich etwa 400 Gäste aus Politik, Kultur, von den Hochschulen und aus der Wirtschaft eingefunden. Der Stadtfreiheitstag erinnert an den 10. November 1245, als Kaiser Friedrich II. Regensburg zur freien Reichsstadt erhob. Zur sichtlichen Freude der Besucher – und neu bei einem Festakt – begleitete das Gerwin-Eisenhauer-Quartett mit jazzigen Rhythmen, Bossa nova und Pop-Klassikern durch den Festabend, Lisa Wahlandt sang.

Wolbergs stellte fest, Schaidinger sei als studiertem Volkswirt die wirtschaftliche Entwicklung sehr am Herzen gelegen, weil davon das Wohl der Bürger abhänge. „Erfolgreiche Wirtschaftspolitik schafft Arbeitsplätze, sie füllt aber auch die Kassen und ermöglicht Investitionen.“ Er sprach seinem Vorgänger ein Riesenlob aus: „Seit dem Mittelalter hat unsere Stadt keinen vergleichbaren Aufschwung mehr genommen wie unter Ihrer Führung.“ Bei der Neujahrsansprache 2014 habe Schaidinger stolz darauf hinweisen können, dass Regensburg mit seiner Entwicklungsdynamik auf dem ersten Platz unter 403 deutschen Städten und Landkreisen lag. Die Städtestudie der Wirtschaftswoche habe die Kommune als eine der vier erfolgreichsten und attraktivsten in Deutschland herausgehoben.

Wolbergs sagte, die Medien hätten Schaidinger, der 1996 erstmals zum OB gewählt worden war, zum Schluss seiner 18-jährigen Amtszeit oft als durchsetzungsfähigen Macher und sturen Entscheider gezeichnet, der Widerspruch nur ungern duldete und mit zynischer Verachtung auf andere herabblickte. Auch er selbst habe ihn zuweilen als unnachgiebig und hart erlebt. „Er hat mich gelegentlich darauf hingewiesen, wofür ich zuständig bin und wofür nicht“, schilderte er mit einem Schmunzeln. Doch hinter der manchmal arrogant wirkenden Fassade stecke ein Mensch mit viel Herzlichkeit und großem Humor.

Der OB zählte eine lange Reihe von Errungenschaften auf, die Hans Schaidinger zu verdanken sind: Die BMW-Ansiedlung (als Amtsleiter für Stadtentwicklung), die Erweiterung der Universität, der Bau des Klinikums, die Expansion der Fachhochschule zur OTH, der Ausbau zum Technologiestandort, die Gründung des Bioparks, die Ansiedlung etlicher Global Player (GE, Osram, Infineon, Conti, AVL, Gene Art etc.), die Ernennung zum Welterbe, der Zuschlag für das Museum der bayerischen Geschichte, der Arena-Bau und vieles mehr.

RKK misslang wegen Sturheit

Nur der Bau eines Kongresszentrums sei Schaidinger nicht gelungen, weil er bei der Standortfrage auf stur geschaltet habe. „Wir alle haben damals die Bürger unterschätzt, die sich nicht gerne sagen lassen, was sie zu tun und zu lassen haben.“ Bei der Überreichung der Urkunde umarmte Wolbergs Schaidinger beinahe – zumindest fasste er ihn an beiden Armen. Die Gäste erhoben sich, um dem früheren OB lange zu applaudieren.

In seiner Dankesrede betonte Hans Schaidinger, er habe sein Bestes gegeben. „Ich denke, dass wir gemeinsam viel erreicht haben.“ Alle zusammen dürften mit berechtigtem Stolz sagen, Regensburg stehe sehr gut da. Schaidinger betonte, er habe das biblische Wort „Suchet der Stadt Bestes“ als grundlegenden Auftrag verstanden.

Weitere fünf Persönlichkeiten standen an dem Abend im Mittelpunkt.

Gerhard Weber: Einsatz für eine kinderfreundliche Kommune

Der langjährige Schul- und Sportbürgermeister wurde 1978 zum ersten Mal in den Stadtrat gewählt und gehörte ihm bis 2014 an. Von 1996 bis 2014 war er zweiter Bürgermeister. Weber hat viel für ein kinder- und familienfreundliches Klima getan. So existierten zu Beginn seiner Amtszeit nur wenige Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren, heute sind es 1200. Er schlug die Errichtung von Jugendzentren vor und die Öffnung von Schulhöfen auch außerhalb der Unterrichtszeit. Die Kinderstadt Mini-Regensburg geht ebenso auf seine Initiative zurück wie die Schulsozialarbeit. Gerhard Weber hat zahlreiche Schulneubauten und -sanierungen sowie die Ausweitung der Ganztagsbetreuung verantwortet. Als Sportbürgermeister förderte er den Breitensport und große Ereignisse wie die Baseball-WM. Wolbergs händigte ihm dafür die Goldene Bürgermedaille aus.

Peter Welnhofer: 36 Jahre lang im Stadtrat

Der Rechtsanwalt wurde 1978 in den Stadtrat gewählt und gehörte ihm 36 Jahre lang an. Von 1984 bis 1990 war er Vorsitzender der CSU-Fraktion. Welnhofer wirkte laut Wolbergs an der Umsetzung zahlreicher Maßnahmen der Stadtentwicklung mit – Straßenbau, Altstadtsanierung und Verkehrsüberwachung zählten dazu. Durch Widerstände habe sich Welnhofer nicht beirren lassen, bescheinigte ihm der Laudator. 1986 wählten ihn die Bürger in den Landtag. 22 Jahre habe er sich dort für die Belange Regensburgs und der Region starkgemacht. Peter Welnhofer wurde mit der Silbernen Bürgermedaille ausgezeichnet.

Prof. Dr. Reinhard Andreesen: Kampf gegen Leukämie

Der emeritierte Professor für Hämatologie und Internistische Onkologie engagiert sich seit seiner Studentenzeit in besonderem Maße für Kranke – in Deutschland und Afrika. Im Jahr 2000 gründete er die Leukämiehilfe Ostbayern, die er als Vorsitzender leitet. Der Verein unterstützt den Kampf gegen das heimtückische Knochenmarksleiden, das Menschen jeden Alters treffen kann. Mit Veranstaltungen wie dem Leukämielauf rückt Andreesen die Krankheit immer wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung. Prominente Projekte sind die Brückenpflege und eine Patienten-Angehörigen-Wohnung. Die Brückenpflege erspart Krebspatienten lange Klinikaufenthalte. Geschulte Mitarbeiter bauen für die Patienten eine „Brücke“ zwischen Krankenhaus und Zuhause. Die Leukämiehilfe unterstützte 2003 den Aufbau der Brückenpflege am Uniklinikum. Die Angehörigenwohnung beim Klinikum ermöglicht Familienmitgliedern, die zum Teil weite Wege für einen Besuch zurückliegen müssen, mehr Zeit am Krankenbett zu verbringen. Andreesen führte auch eine Kinder- und Geschwistersprechstunde ein, die Angehörigen die Angst nimmt. Der Mediziner bekam den Stadtschlüssel.

Dr. Hans Brockard: Bekannt als „Minister KUNO“

Der ehemalige Kaufmännische Direktor des Uniklinikums (1991 bis 2006) hat sich große Verdienste um den Aufbau einer Krankenversorgung der höchsten Stufe in Ostbayern erworben. Er gilt als Gründungsvater der Kinder-Universitätsklinik Ostbayern (KUNO), die für bestmögliche kinder- und jugendmedizinische Versorgung steht. Er hat Prozesse entwickelt, um den Betriebsablauf im Uniklinikum zu optimieren. Heute weist es bundesweit mit die höchste Krankenversorgungs-Quote auf. Für KUNO setzte Brockard die alternative Finanzierung über Spenden um, weil Land und Bund kein Geld gaben. Elf Millionen Euro sammelte die Stiftung.

Claus Kellnberger: Ihm liegt die Stadt als Investor am Herzen

Der Unternehmer gründete ein Autohaus, ehe er in der Immobilienbranche tätig war. Kellnberger eröffnete 1991 das Köwe, das seit der Erweiterung 2010 eine breite Palette an Geschäften, Dienstleistern und Gastronomie biete, so Laudator Wolbergs. Als Besitzer von Altstadthäusern engagiert er sich im Sinne des Denkmalschutzes. Kellnberger nahm die Matthäus-Runtinger-Medaille entgegen, die nach dem erfolgreichen mittelalterlichen Kaufmann benannt ist.

Die Namen

  • Zu Ehrenbürgern

    können Persönlichkeiten ernannt werden, die sich in außerordentlicher Weise um die Stadt verdient gemacht haben.

  • Die Regensburger Liste

    zählt 41 Namen, darunter die von 17 Adeligen. Eine Frau ist nicht dabei.

  • 1933 wurde

    Adolf Hitler zum Ehrenbürger ernannt. 1966 wurde er aus der Liste gelöscht.

  • Zum ersten Titelträger

    ernannte die Stadt im Jahr 1820 Johann Eustach Graf von Schlitz, gen. Goertz (1737-1821), kurbrandenburgischer Gesandter beim Reichstag (1788 - 1806).

  • Zuletzt wurden

    im Jahr 2006 Papst Benedikt XVI., 1985 Franz Joseph Strauß (1915-1988), 1980 Stadtdirektor Dr. Walter Boll und 1978 Fürst Karl August von Thurn und Taxis (1898-1982) ernannt. (ko)

Schaidinger neuer Regensburger Ehrenbürger

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