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Heime sind bereit für den Muttertag

Senioren in Regensburger Einrichtungen dürfen ab Samstag Besuch bekommen. Für das Personal ist das ein Kraft- und Balanceakt.
Von Julia Ried

Katharina Meindl, Bewohnerin des Rotkreuzheims, hier mit Heimleiterin Sabine Hasenöhrl, freut sich auf den Besuch ihres Sohnes. Foto: Tino Lex
Katharina Meindl, Bewohnerin des Rotkreuzheims, hier mit Heimleiterin Sabine Hasenöhrl, freut sich auf den Besuch ihres Sohnes. Foto: Tino Lex

Regensburg.Die 90-jährige Katharina Meindl freut sich auf den Muttertag am Sonntag – auch wenn sie in diesem Jahr keine Blumen bekommt. Wochen ohne Besuch liegen hinter der Bewohnerin des Rotkreuzheims im Stadtwesten, am Sonntag hat sich ihr Sohn angekündigt. „Wenn man sich mal wieder sieht, das ist natürlich schon etwas anderes“, sagt sie. „Und auch die anderen Heimbewohner sind alle begeistert, wenn man wieder eine halbe Stunde Verbindung zu den Angehörigen bekommt.“

Darunter sind Dutzende Mütter. Gut 80 Prozent der 129 Bewohner sind Frauen, sagt Heimleiterin Sabine Hasenöhrl. Dass ihr Ehrentag ohne Blumen ablaufen muss, liegt an den strengen Auflagen. Das Heim habe die Angehörigen gebeten, diesmal zum Muttertag auf das klassische Geschenk zu verzichten, erzählt Hasenöhrl. Denn alles, was sie ins Haus bringen, muss 48 Stunden in den Quarantäneraum. „Blumen überleben das einfach nicht.“

Generalstabsmäßig organisiert

Ansonsten hat das Heim die Besuche generalstabsmäßig organisiert. Am Wochenende ist von 13 bis 18 Uhr – wegen der großen Nachfrage hat Hasenöhrl sie kurzfristig um eine Stunde verlängert – Besuchszeit. Zutritt zum Haus erlaubt Hasenöhrl noch nicht. In einem überdachten Rondell vor dem Haupteingang stehen vier Tische bereit, so dass am Samstag und Sonntag insgesamt 80 von 129 Bewohnern die Möglichkeit haben, je 30 Minuten lang Besuch ihrer festen „Kontaktpersonen“ zu empfangen. „Wir sind komplett ausgebucht“, sagt Hasenöhrl.

So verfahren die Krankenhäuser

  • Uniklinikum:

    Ab dem Wochenende darf jeder stationäre Patient einmal täglich zwischen 13 und 18 Uhr einen telefonisch angemeldeten Besucher empfangen. Besuchsberechtigt sind Angehörige des eigenen Hausstands, Partner, Geschwister, Verwandte in gerader Linie, oder eine weitere feste Kontaktperson.

  • Caritas-Krankenhaus St. Josef:

    Dort sind ab Samstag Besuche von einer festen Kontaktperson zunächst zwischen 10 und 15 Uhr für maximal 15 Minuten erlaubt.

  • Krankenhaus Barmherzige Brüder:

    Ein Patient darf einen Besucher pro Tag empfangen, wochentags zwischen 15 und 18 Uhr und am Wochenende zwischen 10 und 12 Uhr und 15 und 18 Uhr. Besucher müssen mindestens 16 Jahre alt sein. Gebärende dürfen weiterhin eine Begleitperson bei der Entbindung dabeihaben.

  • Reaktion einer Patientin:

    Christine Neumaier liegt seit Sonntag wegen erhöhter Entzündungswerte in St. Josef. Sie freut sich auch auf 15 Minuten Besuch. „Besser wie nix“ sei das.

Jeweils vier Mitarbeiter holen die Bewohner und betreuen die Besucher. Die kommen mit Mundschutz, erhalten eine frische OP-Maske, müssen die Hände desinfizieren und eine Selbstauskunft zu etwaigen Krankheitssymptomen erteilen. Nach jedem Besuch desinfiziert das Heimpersonal Tische und Stühle. „Es ist alles sehr nüchtern“, sagt Hasenöhrl. „Aber es ist ein persönlicher Kontakt und wir sind froh, dass wir es so realisieren können.“ Nach der Ankündigung der Lockerung am Dienstag in so kurzer Zeit ein möglichst sicheres Umfeld zu schaffen, sei eine „sportliche Aufgabe“. Allein für die organisatorischen Abläufe benötige sie acht Mitarbeiter. „Auch die Frage, ob wir die so hart erarbeitete, verbesserte Corona-Lage nun zu schnell durch Lockerungen aufs Spiel setzen, beschäftigt mich, die Bewohner und Familien gleichermaßen.“

Manche drohen mit Klagen

Spitalmeister Wolfgang Lindner, der auch für das Seniorenheim St. Katharinenspital in Stadtamhof zuständig ist, spricht ebenfalls von einem Balanceakt. „Es gibt Leute, die mit Klagen drohen, weil sie nicht in Haus dürfen. Es gibt Leute, die mit Klagen drohen, wenn hier etwas passiert.“ Für mobile Senioren hat er eine ähnliche Lösung wie Hasenöhrl. Die Cafeteria im ehemaligen Reitstall hat das Personal am Donnerstag „extra hergerichtet“. Nach wie vor steht dort eine Wand mit Fenster und Gegensprechanlage, die Sichtkontakt zwischen Bewohnern und Angehörigen erlaubt. Nun stehen zusätzlich zwischen Trennwänden jeweils dreimal zwei Stühle und Tische für Besucher und Bewohner bereit. In der Besuchszeit nach dem Mittagessen empfangen am Wochenende Mitarbeiter des Sozialdiensts den telefonisch angemeldeten Besucher beim einen Eingang der Cafeteria, andere bringen die Bewohnerin oder den Bewohner durch den zweiten Eingang zum Platz. Auch hier gilt: „Wir haben zusätzliches Personal eingeplant, damit man den Kraftakt schafft“, wie HeimleiterinHeime sind bereit für den Muttertag Bettina Schwab erläutert.

n der Cafeteria des St. Katharinenspitals haben Spitalmeister Wolfgang Lindner und seine Mitarbeiter „Besucherboxen“ eingerichtet. Foto: Tino Lex
n der Cafeteria des St. Katharinenspitals haben Spitalmeister Wolfgang Lindner und seine Mitarbeiter „Besucherboxen“ eingerichtet. Foto: Tino Lex

Lindner sagt: „Wenn beide Seiten mobil und geistig wach sind“, sei das „eine sehr gute Lösung“. Zwar begleiten seine Mitarbeiter Angehörige von nicht mobilen Bewohnern – in Schutzkitteln – auch aufs Zimmer. Doch wenn sie dort Abstand halten müssen, bekomme der demente oder taube Senior vom Besuch wenig mit. „Die psychologische Gesundheit wurde bei allen Betrachtungen der vergangenen Wochen völlig außer Acht gelassen und wird auch jetzt noch zu wenig berücksichtigt“, lautet Lindners Kritik an der Politik.

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Das Interesse an Besuchen ist auch im Caritas-Friedheim im Stadtwesten groß. „Am Dienstagmittag haben sie schon angerufen“, erzählt Heimleiter Albert Pöllinger. Nachdem er am Mittwoch die Instruktionen vom Caritasverband bekam, haben auch er und seine Mitarbeiter die Cafeteria für Besuche im 30-Minuten-Takt präpariert. Die Bedingungen – kein Händeschütteln, keine Umarmung – nennt er „wahrscheinlich ein bisschen gewöhnungsbedürftig“. Trotzdem sagt er: „Es ist für alle Seiten schöner, wenn mehr Leben ins Haus kommt.“

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