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Vergangenheit

Herrmann aus Ehrenbürger-Liste gelöscht

Der Regensburger Stadtrat erkannte dem früheren OB die letzten Auszeichnungen ab. Die CSU setzte sich plötzlich für ihn ein.
Von Claudia Böken, MZ

In der Galerie der Oberbürgermeister bleibt Hans Herrmann hängen.
In der Galerie der Oberbürgermeister bleibt Hans Herrmann hängen.Foto: Archiv

Regensburg.Erst der Schulname, dann der Park. Am Donnerstag fand der letzte Akt der Distanzierung von Hans Herrmann (1889 - 1959) statt. Der Regensburger Stadtrat beschloss nach fast einstündiger Debatte gegen die Stimmen der CSU, den Namen des durch seine NS-Vergangenheit umstrittenen früheren Oberbürgermeisters aus der Liste der Ehrenbürger und der Träger der Silbernen Bürgermedaille zu entfernen. Damit bleibt als Erinnerung an den Politiker nur sein Porträt in der „Ahnengalerie“ im Alten Rathaus, weil seine Wahl zum Oberbürgermeister 1952 demokratisch erfolgt ist. Herrmanns Ehrengrab am Unteren Katholischen Friedhof, für dessen Unterhalt die Stadt aufkommt, bleibt noch bis 2021 erhalten. Danach erlischt die Grabstelle, weil der Vertrag ausläuft. Auch das wollte die CSU nicht.

Zwei Schulnamen unter einem Dach

Im Bildungsausschuss am 9. Juli war dem Vorhaben der Hans-Hermann-Schulen im Stadtnorden zugestimmt worden, sich neue Namen zu geben. Die Mittelschule hatte sich für „Willi-Ulfig-Mittelschule“ entschieden, die Grundschule für „Grundschule der Vielfalt und Toleranz“. Gegen den zweiten Namen hatte die CSU einen Gegenantrag gestellt: Beide Schulen sollten, wie in einem Sprengel üblich, den gleichen Namen tragen. CSU-Stadträtin Bernadette Dechant hatte argumentiert, dass Vielfalt und Toleranz ein Programm sei, das für alle Schulen gelten sollte und als Schulname nicht geeignet. Die Stadt, die als Schulaufwandsträgerin zur Schulfamilie gehört, wollte sich dem Namen nicht widersetzen, den sich die Schule selbst ausgesucht hatte. Jetzt griff die CSU das Thema erneut auf, fand aber für ihr Anliegen, auch die Mittelschule nach Ulfig zu benennen, keine Mehrheit. Bei den beiden neuen Namen hat das letzte Wort die Regierung der Oberpfalz als Schulträger.

Ein Park für Albert Schweitzer

Der Stadtplanungsausschuss beschloss am 23. Juli, den Hans-Herrmann-Park, der seinen Namen von der Bürgerschaft bekommen hat, offiziell Albert-Schweitzer-Park zu nennen. Der CSU-Antrag, angesichts der langen Städtepartnerschaft mit Brixen lieber „Brixen-Park“ zu wählen, wurde zurückgezogen, weil OB Joachim Wolbergs zusagte, demnächst eine attraktivere neue Anlage für diesen Namen vorzuschlagen. Dabei blieb es.

Aber im Anschluss fand der umstrittene frühere Oberbürgermeister plötzlich in der CSU vehemente Befürworter. Die Streichung aus der Liste der Ehrenbürger und der Träger der Silbernen Bürgermedaille werde von der CSU – allerdings ohne Fraktionszwang – nicht mitgetragen, verkündete Fraktionschef Hermann Vanino. Das sei auch eine Frage des Respekts gegenüber den damaligen demokratischen Stadträten. Ludwig Artinger von den Freien Wählern konterte, dass es legitim sei, heute – aufgrund einer geänderten Sicht der Dinge – anders zu entscheiden. Gegen die Stimmen der CSU wird Hermanns Name jetzt aus den beiden Auszeichnungslisten gestrichen.

Langwierige Namensfindung

  • Lange Sucher

    Die Grund- und die Mittelschule im Stadtnorden haben sich die Suche nach einem neuen „Patron“ nicht leicht gemacht.

  • Viele Beteiligte

    Unabhängig voneinander diskutierten die jeweiligen Schulfamilien das Thema in Elternversammlungen, Elternbeiratssitzungen und in Schulforen.

  • Verschiedene Namen

    Die Mittelschule entschied sich für „Willi-Ulfig-Mittelschule“, die Grundschule für „Grundschule der Toleranz und Vielfalt“.

  • Demokratischer Prozess

    Heribert Stautner, der Leiter des staatlichen Schulamts, lobte den „beeindruckenden demokratischen Prozess.“

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