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Projekt

Hier sind kleine Baumeister am Werk

Auf dem Bauspielplatz können Kinder konstruieren, sägen und hämmern. Das Beste: Erwachsene mischen sich nur selten ein.
Von Kathrin Robinson

Die erste Wand ist fertig: Hier soll ein neues Haus entstehen. Foto: Petra Hartung
Die erste Wand ist fertig: Hier soll ein neues Haus entstehen. Foto: Petra Hartung

Regensburg.Anna, Matthias und Jan stecken die Köpfe zusammen und beugen sich tief über mehrere Blätter Papier mit Skizzen. „Hier könnten wir den Aufgang zum zweiten Stock hinmachen“, sagt Matthias. „Und hier ein paar Haken für eine Garderobe“, sagt Anna. Sie sitzen am Tisch eines Holzhauses, das Kinder auf dem Bauspielplatz in Regensburg errichtet haben. Seit mehreren Wochen ist es verwaist, das Trio hat daher die „Genehmigung“ erhalten, es zu übernehmen und nach seinem Geschmack weiter zu gestalten. Die kleinen Architekten diskutieren eifrig, sie sind mit Herzblut bei der Sache.

Ein Mädchen ist konzentriert am Werk. Foto: Andrea Bawiedamann
Ein Mädchen ist konzentriert am Werk. Foto: Andrea Bawiedamann

Auf dem Bauspielplatz neben dem Jugendzentrum Arena im Kasernenviertel haben Kinder schon mehrere Häuser errichtet, einstöckige und zweistöckige, mit einfacher Ausstattung oder gehoben, an einem Haus haben die kleinen Bauherrn sogar einen Garten angelegt. Ein richtiges kleines Dorf ist so entstanden, von Kindern entworfen und mit ihren eigenen Händen umgesetzt. „Es ist toll hier. Man darf alles bauen, was man möchte“, sagt der achtjährige Jan. „Wir planen für unser Haus eine Dachterrasse.“ Auch die elfjährige Anna findet den Bauspielplatz super. „Alle anderen Spielplätze ähneln sich schon sehr. Da gibt es überall Schaukeln und Rutschen – das wird irgendwann langweilig.“

Eltern kämpften für das Projekt

Den Regensburger Bauspielplatz gibt es seit 2017. Der Verein „Regensburger Eltern“ hatte das Projekt angestoßen. Dahinter steckt die Idee, dass Kinder Spuren in ihrer Umwelt hinterlassen, kreativ sein und gestalten wollen. Auf dem Bauspielplatz können Kinder von acht bis 14 Jahren unter pädagogischer Anleitung und ohne Begleitung der Eltern Objekte entwerfen und mit Holz und Werkzeug umsetzen. „Noch bauen die meisten Kinder Häuser“, sagt Barbara Hellerbrand, die als pädagogische Zimmerin eine der Betreuerinnen auf dem Bauspielplatz ist. Aber auch Indianer-Tipis, ein Zug oder ein Katarmaran sind auf dem weitläufigen Areal zu finden. Dabei können die Kinder weitestgehend ihr eigenes Ding machen. Die Betreuer sind da, wenn die kleinen Handwerker Planungsfragen haben oder mit den Werkzeugen Hilfe brauchen – aber ansonsten nehmen sie sich zurück, mischen sich nicht ein und lassen die Kinder kreativ sein.

Schauen Sie sich auf dem Bauspielplatz um: Klicken Sie einfach in das 360-Grad-Bild, um zu starten, und nutzen Sie dann ihre Maus (oder ihren Finger, wenn Sie ein mobiles Endgerät nutzen), um sich im Bild zu bewegen.

Bauspielplatz #theta360 #theta360de - Spherical Image - RICOH THETA

Kinder sollen sich frei entfalten

Einzig ganz am Anfang, wenn ein Mädchen oder Bub zum ersten Mal kommt, müssen sie einen „Werkzeugschein“ machen. „Da werden sie an die Grundwerkzeuge, wie Hammer, Nägel, Säge, Zange, Maßstab und Scharniere herangeführt. Wir erklären ihnen die Funktionsweise und worauf sie achten müssen“, sagt Hellerbrand. Und dann kann es eigentlich schon losgehen. Die Kinder leihen sich an der Werkzeugausgabe die Geräte aus, die sie brauchen, tragen sich in das Ausleihbuch ein und gehen ans Werk. Die Betreuer übernehmen auf dem Bauspielplatz keine Aufsichtspflicht. Deshalb ist der Spielplatz auch erst für Kinder ab acht. Dennoch sei beim Hantieren mit Werkzeugen auf dem Bauspielplatz noch nie etwas passiert, sagt Hellerbrand. „Die Kinder sind achtsam und passen gut auf – und wenn sie sich mit etwas unsicher sind, dann kommen sie schon.“ Deshalb wird es auch eher ungern gesehen, wenn „übervorsichtige“ Eltern anwesend sind. Die Kinder sollen sich auf dem Bauspielplatz frei entfalten können.

„Das freie Spiel, das fehlt total.“

Barbara Hellerbrand

„Das freie Spiel, das fehlt total“, findet Hellerbrand. Kinder seien heutzutage sehr beschäftigt – mit Schule und mit anderen Aktivitäten. „Viele haben eine verplante Woche“, sagt sie. Deshalb sei es toll, wenn Kinder an Orten wie dem Bauspielplatz einfach wieder Kind sein dürften. So manches Mädchen und mancher Bub muss das auch erst wieder lernen, hat sie festgestellt. So gibt es etwa ein Wäldchen auf dem Spielplatzareal, das zum freien Spielen und Entdecken einlädt, zum Klettern, sich Verstecken und Unterschlupf bauen. „Aber das wird bislang noch recht wenig angenommen. Ich glaube, viele Kinder sind heute einfach gewöhnt, dass sie ganz viel nicht dürfen.“

Unsere Bildergalerie zeigt weitere Eindrücke vom Bauspielplatz:

Eindrücke vom Regensburger Bauspielplatz

Doch wenn die Kinder auf den Geschmack gekommen sind, dann besuchen viele den Bauspielplatz auch bei Regen oder Schnee. „Den Kindern ist nichts zu kalt. Sie arbeiten immer mit vollem Elan an ihren Projekten.“ Deshalb öffnet der Bauspielplatz auch bei jeder Witterung. Zur Verstärkung wird mit den Kindern gemeinsam gekocht oder im Sommer am Lagerfeuer gegrillt. Dann können die Kinder ihre Ideen mit neuer Kraft in die Tat umsetzen.

Öffnungszeiten

  • Ferien:

    Im August ist der Bauspielplatz für den offenen Betrieb geschlossen.

  • Neue Saison:

    Ab 6. September startet der Betrieb wieder. Am 6., 7., und 8. September ist der Bauspielplatz von jeweils 12 bis 17 Uhr geöffnet. An diesen Tagen wird auch ein Kompostklo gebaut. Kinder, die mithelfen wollen, dürfen das gerne tun. Ansonsten dürfen sie ihre eigenen Projekte verwirklichen.

  • Besuch:

    Der Besuch des Bauspielplatzes ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Schreiben Sie uns:

Wie zufrieden sind Sie mit den Spielplätzen in der Stadt? Wo sind die schönsten, wo sehen Sie Verbesserungsbedarf? Schreiben Sie uns mit dem Betreff „Spielplätze“ an: regensburg@mittelbayerische.de

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