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Kultur

Hitler-Zwerge in der Altstadt?

Für eine spektakuläre Kunstaktion sollen im Herbst 1000 Figuren auf dem Neupfarrplatz stehen. Ob die Stadt Regensburg das genehmigt, ist aber fraglich.
von Sebastian Heinrich, MZ

Ein Foto von der Straubinger Gartenzwerg-Aktion aus dem Jahr 2009. Die Figuren hießen „poisoned“, also vergiftet. Künstler Ottmar Hörl wollte vor der Manipulation der Massen mit faschistischen Ideen warnen – dasselbe Ziel hat die geplante Aktion in Regensburg. Foto: dpa

Regensburg. Regensburg steht womöglich eine Gartenzwerg-Invasion bevor. Nicht in den Kleingärten, wo die Figuren etwas aus der Mode gekommen sind, sondern mitten in der Altstadt. Mit Gartenidylle sollen die Figuren auch wenig zu tun haben: Die etwa 1000 Zwergerl, die der Nürnberger Künstler Ottmar Hörl möglicherweise auf dem Neupfarrplatz aufstellt, recken den rechten Arm zum Hitlergruß in die Höhe – und sind in knalligem Pink gehalten. Eine ähnliche Aktion hatte im Herbst 2009 in Straubing für überregionales Aufsehen gesorgt – sogar in China wurde über die „Hitler-Zwerge“ berichtet.

Hinter den Plänen für eine ähnlich spektakuläre Kunstaktion in Regensburg steht das Wirtebündnis „Keine Bedienung für Nazis“. Dessen Vorsitzender Ludwig Simek hat beim Künstler Hörl angefragt, ob er die Initiative mit einer Aktion unterstützen würde. Hörl war angetan und sagte zu, Simek stellte im April den Antrag beim städtischen Kulturamt, verbunden mit der Bitte um Fördergelder. Nach Simeks Vorstellungen soll die Aktion noch im September dieses Jahres stattfinden, die Zwergerl sollen zehn Tage lang auf einem zentralen Regensburger Platz stehen. Laut Kulturreferat kommt nur der Neupfarrplatz in Frage.

Teurer Wachdienst für die Zwerge

Mit der Aktion wollen Künstler und „Keine Bedienung für Nazis“ einen „klaren Schlag gegen jeden Rechten“ abgeben, wie es Initiator Simek formuliert. Laut Künstler Hörl soll die Aktion polarisieren und so die Menschen für die Gefahren rechtsextremer Gewalt sensibilisieren. Mit der Darstellung strammer Neonazis als pinkfarbene Zwerge mache man die braune Ideologie lächerlich.

Für die Aktion will das Bündnis 500 Quadratmeter öffentlicher Fläche in Anspruch nehmen. Auf 400 qm sollen die geplanten 1000 pinkfarbenen Gartenzwerge stehen – auf ein am Boden liegendes Holzgestell geschraubt. Auf den restlichen 100 qm sollen ein Stand des Künstlers Ottmar Hörl stehen, einer von „Keine Bedienung für Nazis“ und eine Info-Tafel mit allen 170 Lokalen, die der Initiative mittlerweile beigetreten sind.

Initiator Simek schätzt die Kosten der Aktion auf 50000 Euro. Allein 10000 bis 15000 davon wären für den Rund-um-die-Uhr-Schutz der Installation durch einen Wachdienst fällig. Der Rest entfällt auf die Schreinerdienste für das Holzgestell, die Markierung, gedrucktes Info-Material – und natürlich für die Produktion der Zwerge durch Ottmar Hörl.

Der Künstler will persönlich viel Geld in die Aktion stecken: Nach aktuellem Stand will Hörl die Hälfte der Kosten selbst tragen. Die andere Hälfte soll aus Sponsorengeldern bestritten werden – und aus Fördergeldern der Stadt, auf die Simek hofft. Um zumindest einen Teil der Gelder wieder einzunehmen, sollen Interessierte die Zwerge für 40 Euro kaufen können.

Die Stadträte Christa Meier (SPD), Jürgen Huber (Grüne) und Richard Spieß (Linke) haben laut Simek bereits ihr Wohlwollen bekundet. Für Spieß wäre die Nazi-Zwergerl-Invasion ein probates Mittel, um dringend nötige Aufmerksamkeit für das Thema rechte Gewalt zu gewinnen. Da die Neonazi-Terrororganisation NSU aufgedeckt sei, werde derzeit so getan, als ob das Problem nicht mehr so groß sei. Dabei würden weiter täglich Menschen zum Opfer brauner Gewalt.Doch es gibt auch Widerspruch zur Aktion. Stadträtin und Kulturausschuss-Mitglied Helgit Kadlez (CSU) zweifelt den Wert der Aktion an. Sie sei nicht originell, sondern „eine Art Wanderausstellung“. Sie habe zwar einen ernsten Hintergrund, werde durch den Verkauf der Figuren aber kommerziell.

„Der Künstler zahlt drauf“

Grundsätzlich wäre eine Förderung der Aktion durch die Stadt möglich – sofern sie keinen „kommerziellen Charakter“ hat. Das ist laut Initiator Simek nicht der Fall – auch wenn die Zwerge vom Künstler verkauft werden. „Es wäre schon extrem, wenn man die Aktion deswegen als kommerziell beurteilte“, sagt Simek. Schließlich würde Künstler Hörl in jedem Fall draufzahlen.

Ob die Aktion wie geplant heuer stattfindet, ist fraglich. Den Antrag müssen Kulturreferat, Rechts- und Umwelt- oder Ordnungsamt und die Kommission Kunst und Bau prüfen.

Zwar kann die Verwaltung laut Stadt schnell über einen Antrag entscheiden, wenn er vollständig gestellt wird und einen Finanzplan enthält. Doch darin liegt offenbar der Knackpunkt: Laut Stadt fehlt der Finanzplan. Auch für Fördergelder sieht es nicht besonders gut aus: Anträge darauf müssen bei der Stadt immer am 30. April des Vorjahres vorliegen. Demnach dürfte es nur dann öffentliches Geld geben, wenn die Gartenzwerg-Invasion 2013 kommt.

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