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Interview

Höchste Priorität: Schutz der Fußballer

PD Dr. Werner Krutsch, Unfallchirurg am Uniklinikum Regensburg, ist nun im höchsten medizinischen DFB-Gremium.

Herthas Marko Grujic wird im Bundesliga-Spiel gegen den FC Bayern München behandelt. Bei Fußballspielen kommt es immer wieder zu Verletzungen. Foto: Matthias Balk/dpa
Herthas Marko Grujic wird im Bundesliga-Spiel gegen den FC Bayern München behandelt. Bei Fußballspielen kommt es immer wieder zu Verletzungen. Foto: Matthias Balk/dpa

Regensburg.Fußball ist der Deutschen liebstes Hobby – ob als Aktiver auf dem Rasen oder als Zuschauer im Stadion. Doch Fußball ist auch ein verletzungsintensiver Sport. Das gilt für Profis wie für Amateure. PD Dr. Werner Krutsch, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR), wurde nun in das höchste medizinische Gremium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gewählt. Mit seinen Kollegen soll er dafür Sorge tragen, das Verletzungsrisiko zu verringern und die Spieler dadurch zu schützen.

Dr. Krutsch, Sie wurden als einer von deutschlandweit fünf Ärzten in die höchste medizinische Kommission des DFB berufen. Was sind die Kernaufgaben Ihrer Tätigkeit in diesem Gremium?

Vorweggesagt ist es eine große Ehre, in dieses höchste Gremium der eigenen Profession beim DFB gewählt zu werden, und ich bedanke mich beim DFB-Präsidium für das Vertrauen. Zusätzlich ist es auch aus Regensburger Sicht eine Freude, in diesem Gremium zu sein, in dem zuvor auch der Donaustaufer Klaus Eder viele Jahre lang als DFB-Chef-Physiotherapeut Mitglied war. Die Aufgaben und Themen der Kommission sind vielfältig und betreffen fast alle Themen der Fußballmedizin. Unser oberstes Ziel ist es dabei, das Verletzungsrisiko für die Spieler zu minimieren und auch Langzeitschäden vorzubeugen.

Als Verbandsarzt des Bayerischen Fußball-Verbandes sehe ich mich hier als Vertreter der Belange des Amateurfußballs und der Nachwuchsförderung. Als ehemaliger und aktiver Kicker aber sicherlich auch als Verlinkung zu diesen. Natürlich werden alle Themen immer im Plenum besprochen. Die weiteren Mitglieder der Medizinischen Kommission des DFB sind als Vertreter der A-Nationalmannschaften der Männer und Frauen Professor Tim Meyer und Dr. Bernd Lasarzewski, als Bundesligavertreter Dr. Markus Braun aus Dortmund sowie Concussion-Experte aus der Sportmedizin in Paderborn, Professor Claus Reinsberger.

Sind die von Ihnen festgelegten Richtlinien bindend für sämtliche Verbände (von der Bundesliga bis hin in die untersten Amateurklassen)? Und was erhoffen Sie sich von den Ergebnissen im aktiven Fußball?

Die besprochenen Maßnahmen dienen vor allem dem Schutz der Spieler und da insbesondere der Prävention von gesundheitlichen Folgen – egal in welchen Spielklassen. Ein Unterschied besteht jedoch immer zwischen dem Erwachsenen- und Juniorenfußball. Dort werden jeweils andere medizinische Vorgaben benötigt. Beispielsweise werden alle Maßnahmen im Profifußball nicht nur bei uns Medizinern, sondern natürlich auch in direkter Zusammenarbeit mit der DFL (Deutsche Fußball Liga) erarbeitet, sodass gemeinsam von Beginn an anstehende medizinische Themen diskutiert und entschieden werden können.

Sie haben angesprochen, dass das Gremium aktuelle medizinische Probleme im Fußball be(ob)achten will? Im Eishockey oder American Football wird durch Regeländerungen oder härtere Strafen – bei Verstoß – etwa gegen Kopfverletzungen, wie Gehirnerschütterungen, vorgegangen. Können Sie konkret benennen, was genau die momentan größten gesundheitlichen Probleme (Verletzungen) für Fußballer sind?

PD Dr. Werner Krutsch wurde in das höchste medizinische Gremium des DFB gewählt. Foto: Klaus Völcker/UKR
PD Dr. Werner Krutsch wurde in das höchste medizinische Gremium des DFB gewählt. Foto: Klaus Völcker/UKR

Sie sprechen gerade diese Sportarten an, die tatsächlich ein immenses Problem mit Kopfverletzungen haben. Regelwerksänderungen sind hierbei ein gutes Tool, das Risiko solcher Verletzungen für Spieler zu reduzieren. Im Fußball ist dies auf gleiche Weise bereits erfolgt. Die Einführung der direkten Roten Karte für einen Ellenbogencheck ist genau solch eine Maßnahme, die bereits seit einigen Jahren existiert. Allerdings ist beim Thema „Kopfverletzungen“ nicht nur die Prävention ein wichtiges Thema, sondern wie damit umgegangen wird, wenn die Verletzungen passiert sind. Eine Bagatellisierung dieser Verletzungen kann zum Schutz der Spieler nicht akzeptiert werden. Neben Kopfverletzungen spielen aber immer auch die anderen schweren und häufigen Verletzungen wie die am Knie, Sprunggelenk oder der Muskulatur eine Rolle.

Gerade werden die Freiluftplätze im Amateurbereich witterungsbedingt unbespielbar und die Hallensaison startet oder hat bereits begonnen. Ist das Spiel in der Halle grundsätzlich verletzungsintensiver als das Spiel auf einem Rasen- oder Kunstrasenplatz?

Da es zu dieser Thematik keine validen Daten gibt, kann man dies nicht mit endgültiger Sicherheit sagen. Aus meinen eigenen Erfahrungen als Arzt und als Spieler traue ich mich jedoch zu sagen, dass es in der Halle gefühlt öfter zu Verletzungen kommt. Der Grund hierfür ist eine mangelnde Vorbereitung auf die Hallensaison. Es wird nicht explizit trainiert und sich ausführlich darauf vorbereitet, sondern es geht fast immer direkt aus der Freisaison zu den Hallenturnieren. Dabei wäre es wünschenswert, sich erst einmal an das neue Umfeld mit vermehrten Stop-and-Go-Bewegungen oder stärkerem Grip am Fuß durch den Hallenboden zu gewöhnen. Passiert das nicht, steigt das Verletzungsrisiko.

Gibt es Vorsichtsmaßnahmen, die man vor oder während der Hallensaison treffen kann, um sich besser gegen Verletzungen zu schützen? Und was sind die häufigsten Verletzungen in der Halle?

Ja, eine adäquate Vorbereitung auf die Hallensaison wäre notwendig, um nicht deutlich mehr Verletzungen zu provozieren. Das geht leider häufig aus zeitlichen Gründen unter. Häufige und typische Verletzungen im Hallenfußball sind natürlich Prellungen durch den harten Hallenboden oder den Körperkontakt zu Gegenspielern, aber auch Muskelverletzungen durch fehlendes oder zu kurzes Aufwärmen. Zusätzlich ist Halle nicht gleich Halle und der Boden kann so unterschiedlich sein, dass einerseits fehlender Grip, wodurch es rutschiger wird, oder zu viel Grip, durch den man am Boden hängen bleibt, auftreten kann. Beides kann gefährlich sein. Generell muss man sagen, dass angeschlagene Spieler die Winterpause zur Regeneration nutzen sollten und auf einen Einsatz in der Halle lieber verzichten sollten. Insgesamt sollte man Hallenfußball aber nicht verteufeln, denn der Spaßfaktor ist ja riesig, wenn man sich nicht verletzt. Damit es dazu nicht kommt, sollten unter anderem oben beschriebene Dinge beachtet werden.

Können Sie uns kurz erklären, inwieweit Sie den SSV Jahn Regensburg in Ihrer Tätigkeit als Sportmediziner unterstützen?

Die Tätigkeit eines Sportmediziners beinhaltet nicht nur die Behandlung von Verletzungen, sondern auch eine detaillierte und individuelle Prävention von Verletzungen. Letzteres ist das Thema, das ich zum Erfolg des SSV Jahn in den letzten Jahren beisteuern durfte. Zusammen mit der Jahnschmiede und deren Leiter Christian Martin war es möglich, ein Gesamtkonzept zur Gesundheitsprävention für den Verein und seine Spieler zu erstellen, bei dem wir in verschiedenen Situationen des Fußballeralltages versuchen, die Verletzungen oder Erkrankungen nachhaltig vorzubeugen. Dafür wurden wir im vergangenen Jahr von der Unfallversicherung des Profifußballs (VBG) auch mit dem Präventionspreis ausgezeichnet und haben da alle anderen Proficlubs hinter uns gelassen. Insbesondere möchte ich hier die sehr gute Zusammenarbeit zu Mannschaftsarzt Dr. Andreas Harlass-Neuking sowie den Physiotherapeuten und Sportwissenschaftlern des SSV Jahn hervorheben. Meiner Ansicht nach ist der Jahn in der medizinischen Versorgung hochprofessionell aufgestellt.

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