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Tourismus

Hotel Jakob darf erweitern

Die alte Regensburger Wache ist jetzt charmante Adresse für Gäste. Zum Einstand kam Post vom Innenministerium: Die geplanten Neubauten gehen okay.
Von Marianne Sperb, MZ

  • Oswald, Ursula und André Zitzelsberger (von links) vor ihrem neuen Hotel Jakob Foto: altrofoto.de
  • Blick in die neuen Zimmer Foto: altrofoto.de
  • Ein erster Blick in die neuen Zimmer
  • Direktor Ralph Schleupner vor der erhaltenen historischen Zelle
  • Die Pforte der früheren Inspektion ist jetzt Frühstücksraum des Hotel Jakob. Die Gäste tauschten sich hier bei der Eröffnung angeregt aus.

Regensburg.Auf dem Zitzelsberger-Stadtplan ist eine neue Adresse verzeichnet: Nach Velodrom und IT-Speicher, Weinstadel und Andreasstadel eröffnete die Regensburger Unternehmerfamilie am Samstag ihr Hotel Jakob. Am Montag beginnt der Hotelbetrieb unter Direktor Ralph Schleupner (früher: Sorat Insel Hotel) und im Dezember ist das Haus bereits weitgehend gebucht. Das schönste Geschenk zum Einstand kam aus München: Die Oberste Baubehörde bekräftige die Baugenehmigung für die Erweiterung.

Oberbürgermeister Hans Schaidinger bestätigte am Rand der Feier, das Schreiben aus dem Innenministerium sei am Freitag im Rathaus eingegangen. Die Prüfer erkannten keine Verstöße in Vorgehen und Bescheiden der Stadt bei der Bewilligung von Neubauten hinter dem neuen Hotel, am Stahlzwingerweg, so der OB. Sie wiesen damit Einsprüche von Bayerns Generalkonservator Prof. Dr. Egon J. Greipl zurück. Damit ist der Weg für zwei Häuser frei, die je neun Gästezimmer aufnehmen. Die Gebäude, mit Erdgeschoss, erstem Stock und Dachetage, sollen im Sommer 2014 stehen.

Die städtische Baugenehmigung für die zwei Hotelhäuser am Stahlzwingerweg war im Vorfeld heftig umkämpft. Die Regensburger Denkmalpfleger verweigerten ihr Okay, mit Verweis auf die historische Konstellation im Bereich des mittelalterlichen Zwingerbereichs. Bürgergruppen wie das Forum Regensburg geißelten das Projekt öffentlich als Schandtat, während Heimatpfleger Dr. Werner Chrobak die Investition, Hand in Hand mit der Sanierung und Freilegung der Zwingmauer, als Glücksfall pries.

Inoffiziell wurde spekuliert, die Stadt habe Zitzelsberger eine Gefälligkeitsgenehmigung erteilt. Umgekehrt hatte OB Hans Schaidinger erklärt, er werde nicht zulassen, dass die Verwaltung auf Fehlurteilen beharre, um sich nicht korrigieren zu müssen oder um Schadenersatzforderungen abzuwehren. Hintergrund: Die Denkmalpflege hatte bereits in der Vergangenheit und auch beim Verkauf der Polizeiwache, die der Immobiliengesellschaft des Freistaats gehörte, Neubauten am Stahlzwingerweg abgelehnt. „Ich werde meine Beamten jetzt nicht dafür köpfen“, sagte Schaidinger am Samstag. „Auch Beamte machen Fehler. Aber schlimm wäre es, auf Fehlern zu beharren.“

Das Landesamt für Denkmalpflege hatte zuletzt befunden, aus Nebengebäuden wie einem Holzschuppen, der früher hier stand, sei kein Baurecht für neue Häuser abzuleiten; das Areal zwischen Stadt- und Zwingmauer müsse frei bleiben. Kulturreferent Klemens Unger war anderer Ansicht und unterschrieb die städtische Genehmigung schließlich gegen den Protest von Experten seines eigenen Referats – ein außergewöhnlicher Fall. Greipl gab den Fall zur Prüfung ans Ministerium und blitzte jetzt ab.

Viel Kunst und schöne Aussichten

Zitzelsberger freute sich über die Nachrichten aus München und außerdem über einen gerade errungenen Sieg vor dem Verwaltungsgericht, das Nachbar-Einsprüche abgeschmettert hatte. Gleichzeitig bedauerte er, dass das Projekt durch den Widerstand verzögert wurde und Nachbarn jetzt länger als geplant mit Baustellenverkehr und Straßensperrungen belastet seien.

Das Hotel Jakob, direkt neben dem Jakobstor prominent gelegen, richtet sich an Touristen, die das Welterbe erkunden wollen, und an Geschäftsreisende. Auch große Konzerne, die sonst in seinem Hotel Central in der Margaretenstraße buchen, suchten den Charme der historischen Stadt, so der Investor. Die 38 Zimmer, das kleinste 18, das größte 45 Quadratmeter groß, werden in drei Kategorien angeboten und kosten zwischen 69 und 129 Euro die Nacht. Die Zimmer sind modern und komfortabel ausgestattet und bieten reizvolle Ausblicke auf Innenhöfe, Dachlandschaft und Dom. Im Foyer bedeckt die Kopie eines historischen Stadtplans eine Wand, künstlerisch bearbeitete Haus-Grundrisse von Maria Maier hängen im Erdgeschoss und für Foyer und Zimmer hat Sabine Schneider, die in einem der Ateliers der Zitzelsberger-Stiftung im Andreasstadel arbeitet, Bilder geschaffen.

„Sensationell kurze Bauzeit“

Der Sanierer, seine Frau Ursula und Sohn André Zitzelsberger gestatteten Geschäftspartnern, Freunden, Politikern und Verwaltern am Wochenende einen ersten Blick in den Barockbau, der zuletzt als Polizeiwache diente. Die Eröffnung lief ohne große Reden ab, dafür mit vielen Führungen durchs Haus. Die Gäste tauschten sich, vom Hotel Roter Hahn mit feinen Snacks bewirtet, noch lange aus, Tenor: Eine bessere Nutzung hätte der Komplex nicht finden können. Das Baudenkmal bleibe so öffentlich zugänglich, freute sich Wirtschafts-, Wissenschafts- und Finanzreferent Dieter Daminger. Eine Verwertung der Immobilie als Wohnhaus hätte eine Zerstückelung bedeutet; als Hotel bleibe es für Interessierte erlebbar, bekräftigte der Hausherr.

Das Jakob schließt eine Lücke in der Hotellandschaft am westlichen Eingang zur Altstadt, betonte Kulturreferent Klemens Unger. Er sei sehr angetan von der Gestaltung. Der Bedarf in der Boomtown Regensburg mit ihren wachsenden Touristenzahlen ist groß: „Die Stadt braucht Hotel-Kapazitäten, und zwar gerade Häuser mit individuellem Charakter, die ja ein Aushängeschild für das Welterbe sind“, so Daminger. Das Hotel sei ein Gewinn für die Stadt. „Wir können dankbar sein für Investoren wie Zitzelsberger.“

„Mein persönlicher Bedarf an Hotelübernachtungen weltweit ist zwar gedeckt“, meinte Oberbürgermeister Hans Schaidinger. „Aber als Gast würde ich mich wohlfühlen in diesem sehr gelungenen Haus.“ Die Sanierung sei, trotz kniffliger Aufgaben wie Brandschutz, ausgesprochen geglückt.

Der Barockbau war zuletzt ziemlich verkommen. Erst im März startete der Umbau. „Die Bauzeit war sensationell kurz“, betonte Architekt Albert Payer vom Büro Dotter und Payer. „Das geht nur, wenn der Bauherr jeden Tag selbst auf der Baustelle steht.“ Einige Polizeibeamte staunten bei der Eröffnung über ihre alte Arbeitsstätte. „Ich bin überrascht, was aus der alten Burg zu machen war“, sagte Polizeihauptkommissar Robert Utz. Er hatte ab 1975 einige Zeit selbst in der Inspektion Dienst. „Später wurden noch EDV und Heizung eingerichtet, aber sonst 35 Jahre nichts investiert.“ Eine historische Zelle, mit altmodischer Durchreiche für „Wasser und Brot“, bleibt als Relikt der Wache erhalten. Die Polizei forscht gerade nach originalen Ausstattungsstücken für die Zelle.

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