MyMz
Anzeige

Klimaschutz

Hunderte Schüler protestierten friedlich

Viele Jugendliche kamen zum ersten „Friday for Future“ in Regensburg. Darunter befanden sich auch einige schwarze Schafe.
Von Heike Haala

Schulstreik fürs Klima Demonstration Schüler Bündnis „Fridays For Future Regensburg“ Neupfarrplatz Foto: altrofoto.de
Schulstreik fürs Klima Demonstration Schüler Bündnis „Fridays For Future Regensburg“ Neupfarrplatz Foto: altrofoto.de

Regensburg.Da staunten die Gäste in den Cafés der Altstadt nicht schlecht: Am späten Freitagvormittag strömten Jugendliche auf den Neu-pfarrplatz, drängten sich dicht um einen kleinen Pritschenwagen, und über ihren Köpfen wogte eine Flut aus Transparenten. „There ist no Planet B“, „Ganz, ganz dünnes Eis“, „Fuck me, not the Climate“, „Klima verwandelt, Leben verschandelt“ – Slogans wie diese waren darauf zu lesen. So nahm der erste „Friday for Future“ der Domstadt seinen Lauf. Die Schüler protestierten für beherzteren Umweltschutz.

Sehen Sie hier ein Video von der Demonstration

Hunderte Schüler demonstrierten in Regensburg

Die Organisatoren hatten die Kundgebung für 11 Uhr anberaumt. Zu einer Zeit also, in der Schüler eigentlich im Klassenzimmer sitzen sollten. Und so sorgte der erste „Friday for Future“ auch für Handlungsbedarf in Regensburger Direktoraten. Das Bayerische Kultusministerium hatte den Umgang mit diesem Dilemma in den Verantwortungsbereich der Schulleiter gelegt. Drei von ihnen teilten der Mittelbayerischen im Vorfeld der Demonstration mit, dass sie den Schülern eine Teilnahme erlauben soweit das auch ihre Eltern tun.

Klima

Viele Schüler haben demofrei

Zur Unterrichtszeit steigt der erste „Friday for Future“ in Regensburg. Teilnehmer brauchen Erlaubnis von Schule und Eltern.

Alkohol und Silvesterkracher

Schulstreik fürs Klima Demonstration Schüler Bündnis „Fridays For Future Regensburg“ Neupfarrplatz Foto: altrofoto.de
Schulstreik fürs Klima Demonstration Schüler Bündnis „Fridays For Future Regensburg“ Neupfarrplatz Foto: altrofoto.de

Markus Reitmeier von der Polizeiinspektion Süd zählte am Freitag etwa 400 Teilnehmer, während die Veranstalter selbst von mehr als 1000 sprachen. Zwei der Jugendlichen mussten laut Reitmeier von Rettungssanitätern behandelt werden. Die Veranstaltung sei friedlich und ohne Ordnungsstörungen über die Bühne gegangen. Obwohl die Redner als Erstes dazu aufgerufen hatten, friedlich zu bleiben und auf den Konsum von Alkohol zu verzichten, fanden sich am Rande der Demo schwarze Schafe unter den Teilnehmern, die sich nicht an diese Gebote hielten. Einige tranken Bier und Wein. Zuletzt krachten zwei Silvesterböller auf dem Neupfarrplatz. Ab 12.30 löste sich die Versammlung auf.

Zuvor hatten acht Redner sowie die Rapper Liquid und Maniac die Menge fest im Griff. „Wer nicht springt, der ist für Kohle“, hieß die erste Parole der Kundgebung. Die Jugendlichen ließen sich nicht lange bitten: Das Streugranulat knirschte unter ihren Sprüngen laut über das Pflaster.

Sehen Sie hier ein Video zu den „Fridays for Future“

Tausende Jugendliche demonstrieren für mehr Klimas

Die Wortführer am Mikrofon auf der Ladefläche des Pritschenwagens formulierten ihre Forderungen laut und deutlich. Manche von ihnen sparten während ihrer flammenden Redebeiträge nicht mit Fäkalausdrücken. Wütend prangerten sie an, dass es in der aktuellen Umwelt- und Klimapolitik Versäumnisse gebe, deren Konsequenzen sie einmal werden ausbaden müssen. „Es kann nicht sein, dass sich alte, graue Männer anmaßen, die Zukunft ihrer Enkel aufs Spiel zu setzten“, klagte ein Redner. Seine Nachfolgerin am Mikrofon erklärte zunächst den Treibhauseffekt und rief schließlich in die Menge: „Darauf haben wir keinen Bock mehr.“ Mehrfach brandete Applaus auf. Die Jugendlichen johlten und klatschten für die Forderungen der Redner.

Umfrage

Finden Sie es gut, dass Schüler demonstrieren?

Hunderte Schüler protestierten in Regensburg für besseren Klimaschutz. Die Teilnahme an der Demo musste aber von den Schulleitern und Eltern genehmigt werden.

Schlangen vor den Ständen

Dabei drängten sie sich nicht nur auf dem Neupfarrplatz, sondern auch auf dem Sockel der Neupfarrkirche und am gläsernen Geländer auf der Restaurant-Dachterrasse der Galeria Kaufhof. Von hier aus gab es eine grandiose Aussicht auf das Demonstrationsgeschehen. Eine Mitarbeiterin hatte die Jugendlichen im Auge, um Schneeballschlachten und Verletzungen zu verhindern.

Der Spaß der Jugendlichen aber kam an Freitag trotzdem nicht zu kurz. Als Liquid und Maniac drauflosrappten, wippten der kleine Pritschenwagen und die Transparente im Beat mit. Einige dieser Plakate waren riesig und aufwendig gestaltet, andere Botschaften und Anliegen eher spontan auf die dicke Papprückseite von College-Blöcken gekritzelt.#

Friday for Future

  • Phänomen:

    Der „Friday for Future“ greift bundesweit um sich, seit die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg am 22. Januar eine Rede für einen engagierteren Klimaschutz der Politik beim Weltwirtschaftsforum gehalten hat.

  • Argumentation:

    Ganz bewusst legen die Anhänger der Bewegung die Demonstrationen in die Unterrichtszeit. Sie fassen sie als Schulstreik auf. Ein Argument der Teilnehmer: Der Klimawandel warte nicht auf ihren Abschluss.

  • Aktionen:

    In Regensburg soll es weitere Schulstreiks geben. Für 1. und 15. März kündigten die Veranstalter weitere Kundgebungen an. Auch in Hamburg, Magdeburg, Potsdam und München gab es schon solche Streiks.

Die Imbissverkäufer im Umfeld konnten sich während der Demo über Umsatz freuen. Ob Bratwurststand oder Café – die Schüler deckten sich mit Getränken und Snacks ein. Andere entschieden sich für eine Leckerei vom Crepestand. Die Aussicht auf die hauchdünnen Pfannkuchen und ihre süße Füllung ließ einen Jungen sein ökologisches Anliegen aber nicht vergessen. Noch beim Anstehen in der Schlange hielt er sein Plakat in die Luft. So proklamierte er: „Rettet die Erde. Sie ist der einzige Planet mit Schokolade.“ Hätte es einen Preis für die kreativste Botschaft gegeben, abgeräumt hätte ihn ein andere Junge. Er trug einen Helm aus Pappmaschee in Form einer Eierschale auf dem Kopf. „2153: Kein neuer Planet schlüpft aus dem Ei“, war darauf zu lesen.

Weitere Nachrichten und Berichte aus Regensburg lesen Sie hier.

Die wichtigsten Informationen des Tages direkt auf das Mobilgerät: Mit MZ und WhatsApp bleiben Sie stets auf dem Laufenden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht