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Literatur

Im Degginger waren Schätze zu entdecken

In der Wahlenstraße fand der Regensburger Antiquariatstag statt. Zahlreiche Sammler stöberten durch Berge von alte Büchern.
von Hannah Mages

Antiquar Franz Seible freute sich über die vielen Sammler. Fotos: Mages
Antiquar Franz Seible freute sich über die vielen Sammler. Fotos: Mages

Regensburg.Wahre Schätze gab es am Wochenende im Degginger zu entdecken. Dort waren 13 Antiquariate mit alten Drucken, Handschriften und kuriosen Raritäten aus dem Buchdruck vertreten. Veranstaltet wurde der Tag von Reinhard Hanausch, der selbst seit vielen Jahren als Antiquar tätig ist.

„Bücher sollen im Leben der Menschen wieder eine Rolle spielen, und dafür wollen wir werben“, erklärte Hanausch seine Intention. Vor allem den aktuellen Tendenzen wolle man damit entgegenwirken, denn Bücher müssen sich heute auch gegen das Angebot von eBook-Readern behaupten. Außerdem wolle man mit diesem Tag den persönlichen Kontakt zu den Kunden wieder aufleben lassen.

„Ich bin davon überzeugt, dass vor allem der kulturelle Wert eines Buches nur wahrgenommen werden kann, wenn man es auch in die Hand nimmt.“

Reinhard Hanausch

„Gerade in Zeiten der Digitalisierung und des Internets ist das Antiquariatsgeschäft sehr anonym geworden. Aber vor Ort kann ich meine Kunden viel besser beraten, gerade wenn sie noch nicht genau wissen, was sie suchen“, gab der gelernte Pädagoge Auskunft.

Der kulturelle Wert eines Buchs

„Wir haben hier viele sehr schöne und handwerklich gut gemachte Exemplare. Ich bin davon überzeugt, dass vor allem der kulturelle Wert eines Buches nur wahrgenommen werden kann, wenn man es auch in die Hand nimmt“, so Hanausch weiter.

Dazu war am Samstag viel Zeit. Bis in die frühen Abendstunden zogen Sammler ihre Bahnen durch das große Angebot. Es gab Bücher und Drucke von den Anfängen des Buchdrucks bis in das 20. Jahrhundert zu bestaunen. Darunter auch so manches kuriose Stück, wie ein Schuldbrief des italienischen Komponisten Giuseppe Verdi aus dem Jahr 1859. Dieser schuldete dem Vater seiner ersten Frau eine beträchtliche Summe, was wiederum den Vater nicht gerade glücklich machte. Festgehalten wurde das in einem handgeschriebenen Brief, den Barbara von Benthem gemeinsam mit ihrem Mann Eberhard Köstler entdeckt hatte.

Die beiden Antiquare üben ihren Beruf mit viel Herzblut aus. „Unsere Stücke finden wir meist auf Auktionen oder Messen. Häufig kaufen wir auch Bücher aus Privatbesitz auf. Und dann beginnt der eigentlich spannende Prozess, wenn wir versuchen die Geschichte hinter den Texten herauszufinden!“, erklärte Barbara von Benthem.

Dazu werden die Bücher genau unter die Lupe genommen und in ihren historischen Kontext gesetzt. „Manche Schriften müssen wir auch entziffern, da die Handschrift nicht immer deutlich lesbar ist. Aber dafür halten wir dann ein Stück Alltagsgeschichte in den Händen! So bekommen wir einen ganz persönlichen Eindruck vom jeweiligen Autor.“

Auch Reinhard Hanausch macht gerade dieser Aspekt besonderen Spaß: „In Büchern wird Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes greifbar! Auf einmal eröffnet sich dann eine ganze Epoche vor einem!“ Und das suchen auch die vielen Sammler, die sich an den Ständen tummeln und neugierig die Bücher begutachten.

Eine Besucherin interessierte sich vor allem für alte Rezeptbücher. „Bei alten Kochbüchern finde ich es interessant, zu sehen, wie man früher gekocht und gegessen hat. Da sind ja wirklich ungewöhnliche Lebensmittel dabei, wie zum Beispiel Täubchen. Aber damals war das Alltagsküche! Das finde ich sehr spannend“, erklärte die Seniorin.

Der Duft der Vergangenheit

Für sie haben alte Bücher einen ganz besonderen Reiz, den nicht zuletzt auch ihr Duft ausmacht. Von den digitalen Varianten wie Tablets und eBook-Readern halte sie hingegen gar nichts: „Teilweise riecht man ja noch, wo das Buch einmal stand, zum Beispiel, wenn der Besitzer Raucher war. Das haben diese ganzen modernen Geräte nicht. Ich möchte ein Buch lesen, es riechen und dann am Abend damit einschlafen!“

So scheint es auch vielen anderen zu gehen, denn der Ansturm am Samstag ist groß. Viele Kunden kennen sich ganz genau aus, und wissen was sie suchen. Andere lassen sich treiben und von den historischen Schätzen in den Bann ziehen. Am Stand von Franz Seible stößt eine Gruppe auf ein dickes Buch mit Messingbeschlägen und lederbraunem Einband. „Das hier ist etwas ganz Besonderes! Es handelt sich um eine gebundene Ausgabe der Tischreden von Martin Luther, aus dem Jahr 1576“, erklärte der Antiquar.

Das Buch sei gerade auch deshalb wertvoll, weil es die Jahrhunderte in einem außerordentlich guten Zustand überstanden hat. „Es ist natürlich toll, wenn ein Buch überhaupt erhalten werden kann. Aber jede Restaurierung ist trotzdem ein Makel. Die Tischreden Luthers hier sind aber nahezu perfekt erhalten. Das ist ein echter Schatz der Sprach- und Volkskunde“, sagt Seible.

„Ich habe tatsächlich etwas Tolles gefunden: Den Eisläufer von Britting. Und dass sogar zu einem wirklich günstigen Preis.“

Bernhard Lübbers

Er übt seinen Beruf bereits seit 45 Jahren mit großer Begeisterung aus. „Mein Schwerpunkt waren schon immer naturwissenschaftliche Themen, daher finden Sie bei mir viele Bücher zu Themen wie Medizin und Botanik“, erklärte der Antiquar. Auch viele der Kunden haben ein Steckenpferd, das ihr Sammlerherz höher schlagen lässt. Und nicht immer müssen dafür große Summen ausgegeben werden.

Bernhard Lübbers, Direktor der Staatlichen Bibliothek in Regensburg, sammelt vor allem regionalgeschichtliche Werke zu Regensburg. Am Samstag freute er sich über eine kleines Buch des Regensburger Autors Georg Britting. „Ich habe tatsächlich etwas Tolles gefunden: Den Eisläufer von Britting. Und dass sogar zu einem wirklich günstigen Preis.“

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