MyMz
Anzeige

Im Stadtsüden geht die Angst um

Nach dem jüngsten Beinahe-Überfall sagen Regensburger Studentinnen, dass sie sich jetzt vorsichtiger verhalten. Polizei sucht fieberhaft nach dem Mann.
Von Marion Koller, MZ

  • Eine Radfahrerin in der Augsburger Straße: Tagsüber kein Problem, aber nachts sollten sich Frauen laut Polizeiexpertin Marianne Kargl lieber in Begleitung auf den Heimweg machen.Foto: Lex
  • Julia Winter
  • Jacqueline Zollner (li.) und ihre Freundin, die anonym bleiben willFotos: Koller

Regensburg. Am letzten Freitagabend konnte eine 24-jährige Radfahrerin in der Karthauser Straße einem Verfolger gerade noch entkommen. Der Unbekannte und seine Vorgehensweise passen laut Polizeisprecher Stefan Hartl ins Täterprofil des flüchtigen Serienvergewaltigers.

Die MZ befragte am Mittwoch Studentinnen und Anwohnerinnen aus dem Stadtsüden, wollte von ihnen wissen, ob sie der Gedanke belastet, dass der Sexualtäter noch nicht gefasst ist. Schließlich hat er dort mehrmals Frauen überfallen. Janine T., die im ersten Semester Biochemie studiert, war immer vorsichtig. „Jetzt aber erst recht“, betont die 19-Jährige, die gerade auf dem Weg zur Universität ist. „Ich mache mir schon Gedanken.“ Nachts würde sie nie alleine heimgehen. Die Situation schränke sie sehr ein. Für den Notfall hat sich die junge Frau aus einem kleinen Ort bei Dingolfing ein Pfefferspray gekauft, das sie stets bei sich trägt. Außerdem wird sie sich einen schlüsselgroßen Schutzalarm anschaffen, den man bei Gefahr auslösen kann. Janine T. erzählt, in der Mensa und im Wohnheim werde über die Vergewaltigungsserie gesprochen. „Die anderen sagen auch, dass sie ab 20 Uhr alleine nicht rausgehen.“

„Parks meiden wir“

Hausfrau Carmen Tüting (43) aus Kumpfmühl führt den Familienhund „Hugh“ mehrmals täglich Gassi. Am Abend aber nur in Begleitung ihrer Tochter Martina (24). Dass der Täter frei herumlaufe, löse bei ihr ein unangenehmes, komisches Gefühl aus, schildert die Hausfrau. „Wir gehen nur in der bewohnten Gegend, wo es hell ist. Parks meiden wir.“ Tüting begleitet ihre Tochter auch am frühen Morgen beim Zeitungaustragen. „Ich lasse sie grundsätzlich nicht alleine raus.“ Die 43-Jährige aus der Kriemhildstraße ist überzeugt, dass der Vergewaltiger den Stadtsüden genau kennt. Schließlich sei er einmal durch die Schrebergärten an der Augsburger Straße geflüchtet.

Julia Winter spricht von einem „mulmigen Gefühl“, wenn sie vom Bus heimgehe. Nachts nimmt die Studierende der Biologie ein Taxi. Ansonsten aber lasse sie sich „nicht beeinträchtigen“, betont die 23-Jährige. „Ich bin selbstbewusst, mir ist noch nie etwas passiert.“

Frauenbeaufträgte der Polizei rät, achtsam zu sein

Was rät Marianne Kargl, die Frauenbeauftragte des Polizeipräsidiums? Wie können sich Frauen schützen? Achtsam sein, lautet ihr wichtigster Tipp. Wer unterwegs ist, sollte nicht Musik hören oder telefonieren, sondern schauen, was rundherum passiert. Sie empfiehlt Frauen, nachts lieber den Weg an der vielbefahrenen Straße zu wählen als den Park zu durchqueren. Ein Schutz sei auch Begleitung. „Frauen sollten sich selbstbewusst bewegen, mit erhobenem Kopf, nicht ängstlich nach links und rechts sehen“, sagt Kargl. Denn die Täter suchen leichte Opfer.

Wer vom Auftreten her Stärke ausstrahle, sei sicherer. Zu zwei einfachen Hilfsmitteln rät die Polizeiexpertin: Ins Handy sollte man den Notruf 110 als Kurzwahl eingeben. Sehr abschreckend wirke eine Trillerpfeife. „Da ertönt ein heller, schriller Ton, der den Täter erschreckt.“ Vor Pfeffersprays warnt sie, da es bei einem Handgemenge auch in die Augen der Frau geraten und sie wehrlos machen könne. Mit Kampfsport kann sich jede Frau schützen, ist Marianne Kargl überzeugt. Doch ein paar Übungsstunden reichten natürlich nicht aus.

Völlig unerschrocken geben sich die Lehramtsstudentinnen Jacqueline Zollner (25) und ihre Freundin (24), die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Die beiden jungen Frauen, die in der Ludwig-Thoma-Straße Richtung Uni radeln, haben zwar über die Vergewaltigungen gesprochen, sind aber der Meinung, dass sehr selten etwas passiert. „Ich bin abends trotzdem allein unterwegs“, schildert Zollner, die Mathe und Physik studiert. Zwischen 2 und 5 Uhr gehe sie zu Fuß nach Hause ins Wohnheim. „Ich lasse mich von Panikmache ganz bewusst nicht beeinflussen.“ Ihr gehe es mit dem Serientäter wie mit der Vogelgrippe: Beides lasse sie kalt.

Genauso denkt ihre Freundin. „Ob ich von den Vorfällen weiß oder nicht, macht keinen Unterschied in dem, was ich tue“, erklärt die 24-jährige Blondine. „Wenn er kommt, kriegt er eine von mir.“ Schließlich besitze sie ein gesundes Selbstbewusstsein. „Wenn man nachts ängstlich durch die Straßen geht, ist man schon das Opfer“, meint die Studierende.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht