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Vereine

Im Zeichen der Zipfelhaube

Seit 95 Jahren besteht die Regensburger Tischgesellschaft „Unterer Wöhrdler Gmoa“. Die Feier wurde verschoben.
von Therese Wimmer

„Gmoa“-Vorstand Anton Gartner, Martin Ferstl, Franz Hohenleutner, Peter König und Adolf Balanowski  Foto: Therese Wimmer
„Gmoa“-Vorstand Anton Gartner, Martin Ferstl, Franz Hohenleutner, Peter König und Adolf Balanowski Foto: Therese Wimmer

Regensburg.Der Untere Wöhrd, das Wohnviertel inmitten der Donau, mit Blick auf den Dom und die historische Altstadt, hat eine echte Besonderheit zu bieten. Er ist Sitz der ersten, ältesten und einzig noch bestehenden Tischgesellschaft Regensburgs. Die Idee dazu entstand im Jahr 1925 in der Gaststätte „Zur silbernen Gans“, in der sich damals Männer aus allen Schichten und Berufen abends trafen, um die Mühen des Tages mit Reden, Kartenspielen, Kegeln und Meinungsaustausch zu vergessen. Am 1. März 1925 schließlich wurde eine Tischgesellschaft mit Satzung und Regeln gegründet. Somit steht die „Gmoa“ vor dem 95. Geburtstag.

Jubiläum

  • Feier:

    Die „Untere Wöhrdler Gmoa“ wollte gestern den 95. Jahrestag ihres Bestehens mit einem Festgottesdienst und anschließender Geburtstagsfeier im Kolpinghaus feiern. Wegen der Corona-Krise wurde die Veranstaltung aber verschoben.

  • Mitgliedschaft:

    Mitglied kann werden, wer am Unteren Wöhrd wohnt oder dort tätig ist.

Für die Gründung förderlich war die Insellage auf dem Unteren Wöhrd. Schließlich war man bei den alljährlichen Hochwassern oder Eisstößen als Schicksalsgemeinschaft auf Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe angewiesen. „Wir pflegen gute Kontakte zur Stadtpolitik und zur städtischen Gesellschaft, aber aus der Politik halten wir uns raus“, erläutert der „Gmoa-Bürgermeister“ Peter König.

In Zeiten, in denen das öffentliche Leben noch nicht durch Corona beeinträchtigt war, trafen sich die Gmoa-Mitglieder oder „Gmoabauern“ normalerweise an jedem ersten Samstag im Monat im Kolpinghaus. In den Monaten mit einem R im Namen stülpen sich die Anwesenden ihr Vereinsemblem, eine schwarze Zipfelmütze, über.

Tradition

Von Stodlbauern und Bürgermeistern

Die Tischgesellschaft Untere Wöhrdler Gmoa pflegt seit 90 Jahren gute Manieren. Ende Mai wird das groß gefeiert.

Mit dem Läuten der Glocke durch den ersten Bürgermeister Peter König wird der protokollarische Teil der Versammlung eröffnet. Die Anwesenheitsliste kreist in der Runde, der Schriftführer protokolliert, das Protokoll der letzten Sitzung wird genehmigt, der Kassier trägt den Kassenstand vor, die Vereinsaktivitäten werden besprochen.

Alle Vereinsmitglieder sprechen sich mit ihren Bauernnamen an. So ist Bürgermeister Peter König der „Kinibauer“, zweiter Bürgermeister Franz Hohenleutner heißt „Laufbauer“, wegen seines Hobbys.

Gastronomie

Die letzte Halbe im Landshuter Hof

Aus dem Gasthaus der Vereine und Kartler wird das Luis, ein Frühstücks-Hotel. Konrad Silberhorn setzt sich zur Ruhe.

Wer gegen die Statuten verstößt, beispielsweise die Mütze nicht trägt oder den Bauernnamen nicht gebraucht, muss eine Geldstrafe zahlen, die im Hanserl-Häusl, einem blechernen Klohäusl, gesammelt wird. Der Mitgliedsbeitrag von 3 Euro pro Monat wird für Urkunden, Geburtstagsgeschenke und im Falle des Ablebens eines Mitglieds, für den Kranz und ein Abschiedslied, gespielt von einem Trompeter, verwendet.

Früher gab es schon mal Wartelisten für die Mitgliedschaft, da immer nur 49 Personen der Gmoa beitreten konnten. Heute ist der Andrang überschaubar.

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