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Kirche

In der Disko nach Gläubigen suchen

Mit dem „Techno Gottesdienst“ will ein Pfarrer in Regensburg junge Leute begeistern. Er bietet Wort, Tanz und Multimediashow.
Von Daniel Geradtz, MZ

In der Diskothek Suite15 soll am 2. April  ein „Techno Gottesdienst“ stattfinden. Pfarrer Stefan Wissel wagt damit ein liturgisches Experiment.
In der Diskothek Suite15 soll am 2. April ein „Techno Gottesdienst“ stattfinden. Pfarrer Stefan Wissel wagt damit ein liturgisches Experiment. Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de

Regensburg.Am 2. April soll es in der Suite15 soweit sein: Dann wagt Pfarrer Stefan Wissel mit einem „Techno Gottesdienst“ ein liturgisches Experiment. Es sei ein Versuch, die Jugendlichen einzufangen, sie für das Wort Gottes zu begeistern, sagt Wissel. Eine Disko als Location für eine religiöse Veranstaltung ist für den Geistliche zwar ungewöhnlich, aber nicht unmöglich. „Es ist ein Ort des Lebens“, sagt er.

Das Motto: „evil inside“

Das Motto des Gottesdienstes lautet „evil inside“ und ist an die biblische Erzählung von Kain und Abel angelegt. Darin ermordet Kain seinen Bruder, nachdem er sich von Gott ungerecht behandelt fühlt. „Was steckt im Menschen drin? Bin ich gut oder böse“, fasst Diözesanpräses Stefan Wissel die Botschaft zusammen.

Es ist eine Diaschau, die die Besucher des Gottesdienstes zu sehen bekommen. Bilder von Kriegsfotografen werden gezeigt. Sie passen zu den Fragen, die derzeit rund um den Zuzug von Kriegsflüchtlingen an die Gesellschaft gestellt werden. Das ist auch der Grund, weshalb das Mindestalter 14 Jahre beträgt.

Durch Videos, Musikstücke und Tanzchoreographien werden die Eindrücke „emotional vertieft“, wie es Pfarrer Wissel nennt. Er hat den Ablauf des neuartigen Gottesdienst zwar mit entwickelt, doch muss selbst er aufpassen, „den Einsatz nicht zu verpassen“.

Nicht nur Techno

Auch wenn der Name es vermuten ließe, bekommen die Jugendlichen am kommenden Samstag nicht nur Technomusik auf die Ohren. Der Pfarrer will sie auch mit Industrial- und Rockstücken erreichen.

Es soll mit Mystik, Drama und kultiger Musik experimentiert werden. Das gesprochene Wort ist zwar nicht wie im traditionellen Gottesdienst das Hauptelement, aber einen Predigtteil wird es trotzdem geben.

Wissel sieht es als einen „Versuch, mit Liturgie an die Ränder zu gehen“ und dort die Menschen – allen voran die Jugendlichen – zu erreichen. Er zitiert Papst Franziskus sinngemäß, der fordert, dass genau jene Menschen an den Rändern der Kirche sagen sollten, wie sie sein sollte und wie sie sich zu verändern habe. Denn auch er verschließt sich nicht vor der Tatsache, dass es sich inzwischen nur noch um eine „Restkirche“ handeln würde.

„Zerstörerische Kraft“

Kurz vor dem Auszug wird der Song „The End“ von der US-amerikanischen Rockband Linkin Park erklingen. Es ist ein lautes Stück mit tiefem Bass. Mit ihm versucht der Pfarrer die „zerstörerische Kraft“ darzustellen. Gleichzeitig möchte er zum Denken anregen. „Wir müssen entscheiden, ob es mein eigenes Ende ist oder das der Geschichte“, stellt er in den Raum.

Schon zuvor spielt er ein Video ab. Zu sehen ist ein dunkler Gang, den der Zuschauer entlang geht. „Es spitzt sich zu“, erklärt Stefan Wissel, die Dramaturgie, die hinter der kurzen Sequenz steckt.

Suite15

  • Eröffnung:

    Die Disco wurde 1999 im Keller des Petersweg-Parkhauses eröffnet. Dort befanden sich zuvor schon die Neue Heimat und die Tangente.

  • Umzug:

    Als das Parkhaus abgerissen und neugebaut wurde, zog die Suite15 im Frühjahr 2012 in die Adolph-Kepler-Straße und bleib dort drei Jahre lang.

  • Rückkehr:

    Ende Juli 2015 kehrte die Suite15 wieder an den neuen, alten Standort im Petersweg zurück.

Der Diözesanpräses würde den Gottesdienst bereits jetzt als Erfolg bewerten, weil die Arbeit vieler freiwilliger Helfer darin stecke. Ihm geht es nicht darum, eine bestimmte Zahl von Besuchern erreichen zu wollen. Selbst wenn nicht so viele kommen würden, wäre es ein „Versuch, neue Wege zu finden“. Über den Besuch von 100 bis 200 Leuten würde er sich dennoch freuen. Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenlos. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr.

Den Club Suite 15 und weitere Locations in Regensburg sehen Sie in der MZ-Map.

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