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In der Krise auf Spurensuche gehen

Domkapitular Johann Ammer verwies beim Gottesdienst im Dom auf die Bibel. Sie ermögliche einen „Blick von oben“.

Domkapitular Johann Ammer bei seiner Predigt Foto: Isabel Kirchner
Domkapitular Johann Ammer bei seiner Predigt Foto: Isabel Kirchner

Regensburg.Auch der dritte Sonntag in der Osterzeit wurde im Regensburger Dom ohne Öffentlichkeit gefeiert. Medial vermittelt konnten über Internet-Livestream bei mittelbayerische.de und Fernsehübertragung erneut Menschen im ganzen Bistum daran teilnehmen.

Der Eucharistiefeier in der Kathedrale stand Domkapitular Johann Ammer vor. Wie seit Beginn der Corona-Live-streams aus dem Dom übersetzte auch dieses Mal wieder Pfarrer Christian Burkhardt den Gottesdienst simultan in Gebärdensprache.

„Die Begegnung mit den Mitmenschen, die fehlt mir – und ich bin mir sicher, ich spreche auch Ihnen aus dem Herzen.“ Mit dieser im Moment allgegenwärtigen Erfahrung begann Domkapitular Ammer seine Predigt. In Bezug auf das Tagesevangelium stellte der Domkapitular die Frage: „Können wir die Erfahrung der Jünger machen und mitten im frustrierenden Alltag Jesus begegnen?“ Ammer lud dazu ein, im Alltag auf Spurensuche zu gehen. Auch bei einem Telefongespräch, im schlichten Gebet oder wenn die Glocken läuten, könne jedem der Herr begegnen. „Es sind in Zeiten des Social Distancing solche auf den ersten Blick unspektakulären Erlebnisse, die uns Gott begegnen lassen.“ Um Jesus auch im Unscheinbaren zu finden, ermutigte der Domkapitular, eine offene Haltung einzuüben und den Blick zu schärfen.

Gerade die Krise sei der richtige Augenblick, verstärkt auf das Unscheinbare, auf den ganz normalen Alltag zu blicken. „Es lohnt sich und tut uns gut, nach der Handschrift Gottes in all dem, was wir als Krise erleben, zu suchen“, sagte der Domkapitular.

Jede Krise habe mindestens zwei Seiten: die rein sachliche Seite und die Seite der persönlichen Betroffenheit. Die Beziehung mit Jesus eröffne einen neuen Blick auf das, was sich ereignet. Im Umgang mit der Krise könne die Betrachtung der Heiligen Schrift hilfreich sein. Die Bibel ermögliche einen „Blick von oben“. Dabei könne sie nicht die Krise selbst lösen, aber unseren Umgang mit ihr.

Die Jünger, so bekräftigte Ammer, durften erfahren, wie nahe ihnen der Herr ist. Das gilt auch heute, auch in Zeiten von Corona: „Vertrauen wir darauf, ja seien wir uns gewiss, dass es bei unserem Herrn und Gott kein ‚Human Distancing‘ gibt, dass er uns auch in dieser Zeit um sich versammelt, auch wenn es jetzt nicht in der gewohnten Form geschehen kann.“

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