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Soziales

In St. Vincent wird wieder geklettert

Die Kletterwand des Regensburger Kinderzentrums wurde renoviert. Finanziert wurde das Projekt mit einem Kalender.
Von Lorenz Nix und Luis Münch

Die etwa neun Meter hohe Kletterwand ziert die Außenfassade des Kinderzentrums St. Vincent. Seit dieser Woche wird dort wieder geklettert. Foto: Luis Münch
Die etwa neun Meter hohe Kletterwand ziert die Außenfassade des Kinderzentrums St. Vincent. Seit dieser Woche wird dort wieder geklettert. Foto: Luis Münch

Regensburg.Sally erklomm als Erste den Gipfel. „Ich bin ganz oben“, berichtete sie mit einem Grinsen im Gesicht, als sie den obersten, gelben Stein der Kletterwand des Kinderzentrums St. Vincent berührt. Den obersten Kletterstein erreichte in den vergangenen Jahren niemand – und das wollte auch niemand. Die Wand war nämlich „in keinem guten Zustand“, wie der Gesamtleiter des Zentrums, Frank Baumgartner, sagte. Ein Jahr lang ist die Kletterwand daher renoviert und am Dienstag eingeweiht worden.

Um die Restaurierung der Kletterwand zu finanzieren, entwarf Maximilian Selmair vom Lions Club Johannes Kepler einen Luftbildkalender. Der Initiator, der selbst gerne klettert, fotografierte Regensburg von oben und ließ den Jahreskalender durch Einzelhändler und sogar auf Amazon vertreiben. Das Projekt erwirtschaftete einen Gesamterlös von 2600 Euro. „Der Topf an Mitteln ist genutzt worden, um die Kletterwand zu beleben“, erklärte Frank Baumgartner. Die Arbeiten verliefen „reibungslos und ohne Druck“. Ab Juni ist die Kletterwand, die die Einrichtung vom TÜV abnehmen ließ, bestückt worden.

Für jeden etwas dabei

Die Wand, auf der die Kinder zwischen vier Routen mit Schwierigkeitsstufen zwischen drei und sieben wählen können, misst eine Höhe von etwa neun Metern. Sie bietet ein voreingestelltes, aber dynamisches Raster. Die Klettersteine lassen sich hinsichtlich der Dichte, Neigung, Form und des Abstandes verändern. Nur ein Tag wäre nötig, um komplett neue Kletterrouten zu schaffen.

Das Kinderzentrum verfügt für die Kletterwand über ein Equipment im Wert von 10000 Euro. Insgesamt hat das Projekt knapp 13000 Euro gekostet. Auf 20 Quadratmetern Fläche bietet die Wand das ganze Spektrum an. „Die Kletterwand eignet sich nicht nur für kleinere oder größere Kinder, sondern für alle. Ich glaube, dass auch unsere älteren Jugendlichen sehr viel Spaß damit haben werden“, erklärt Frank Baumgartner.

Regelmäßige Kletterangebote ab 2020

Um die Wand attraktiv zu machen, bietet das Kinderzentrum St. Vincent zunächst Schnuppertage an. Den Kindern bietet sich so unverbindlich die Möglichkeit, sich in die luftigen Höhen zu wagen. Ab 2020 organisiert die Einrichtung regelmäßig – zwei Mal pro Woche – Termine, an denen mit Anmeldung geklettert wird. „Wir sind zuversichtlich, dass viele Kinder Lust dazu haben“, sagt Heilpädagoge Martin Breitenwieser, der in Zukunft die Kinder beim Klettern betreuen wird.

Für den Gesamtleiter Frank Baumgartner ist die Tatsache, dass sich die in St. Vincent untergebrachten Kinder austoben können, „mit das Entscheidende in einem so großen Komplex“. Das Thema, Abenteuer zu erleben, sei gesellschaftlich verlorengegangen. Die Kletterwand biete Kindern die Möglichkeit, sie „live und haptisch“ zu erkunden.

Die Initiatoren holten den Lions Club Johannes Kepler mit ins Boot. Seit der Gründung des Clubs hätten sich die Lions auf ihre Fahne geschrieben, in erster Linie Regensburger Kinderprojekte zu unterstützen, erklärte die Gründungspräsidentin Hannelore Queck.

Sicherheit gewährleistet

Mit Know-how bei der Konzeption der Kletterwand konnte die Boulderwelt Regensburg dienen. Deren Geschäftsführer Sebastian Oppelt akquirierte auch weitere Sponsoren, um das teure Equipment zu beschaffen. „Alles ist absolute Neuware in Top-Qualität“, bestätigt Oppelt. „So können wir uns hundertprozentig sicher sein, dass die Sicherheit der Kinder absolut gewährleistet ist“, weiß auch Baumgartner. Dazu tragen auch die Mitarbeiter von St. Vincent bei: „Eine Gruppe von Pädagogen hat nun in ihrer Freizeit extra die nötigen Kurse belegt, um unsere Kinder perfekt sichern zu können.“

Das Kinderzentrum

  • Einrichtung:

    Das Kinderzentrum St. Vincent gehört zur Katholischen Jugendfürsorge in der Diözese Regensburg. Es besteht aus einem therapeutischen Jugendwohnheim und einer angeschlossenen Schule.

  • Ziel:

    Das Motto des Kinderzentrums lautet „Leben lernen“. Knapp 250 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 21 Jahren erhalten in der Einrichtung ein positives Lebensumfeld zur persönlichen Entwicklung.

Für Selmair ist eine Kletterwand genau das richtige Sportgerät für das Kinderzentrum: „Beim Klettern lernt man, sich gegenseitig zu unterstützen. Trotzdem muss jeder seinen Weg gehen. Das ist ein Sport, bei dem sowohl der Körper als auch der Geist beansprucht wird.“

Er sei sich sicher, dass die Kletterwand von den Kindern und Jugendlichen sehr gut angenommen wird. Der Drang zur Benutzung sei auf jeden Fall da, freute sich Baumgartner. Das hat sich am Dienstag bestätigt: Trotz Regen ließen es sich die Kinder nicht nehmen, die nagelneue Wand zu erklimmen.

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