MyMz
Anzeige

Lebensmittel

Insekten-Snack im Supermarkt

Erste Regensburger haben schon die ungewöhnlichen Knabbereien probiert. Zu kaufen gibt es sie bislang nur im Landkreis.
Von Katharina Eichinger und Micha Matthes

Raphael Dirnberger bietet seit einigen Tagen Insekten in seinen Edeka-Filialen an. Foto: Eichinger
Raphael Dirnberger bietet seit einigen Tagen Insekten in seinen Edeka-Filialen an. Foto: Eichinger

Regensburg.Eigentlich sollte es nur ein Gag werden: Pünktlich zum Dschungelcamp gibt es im Edeka Dirnberger in Wenzenbach und Bernhardswald „Snack Insekten“ zu kaufen. Was Inhaber Raphael Dirnberger ursprünglich nur zum Spaß in sein Sortiment aufnahm, geht nun doch besser als erwartet. „Die Insekten kaufen echt viele, die sie auch tatsächlich essen“, sagt er. Ein Kundin brät sie an, verwendet sie zum Beispiel im Salat – wie Croûtons. „Bis jetzt verkauft sich das sehr gut“, sagt Dirnberger.

Im Stadtgebiet sind die essbaren Insekten bisher weniger verbreitet. Lediglich die Metro hat – ebenfalls zum Dschungelcamp – bei einer Marketingaktion Insekten verkostet. Auch Rewe nimmt in nächster Zeit keine Insekten ins Sortiment auf. „Insekten als Nahrungsmittel sind aktuell Nischen-Produkte. Vor diesem Hintergrund ist keine nationale Listung geplant“, lässt Rewe-Pressesprecher Thomas Bonrath wissen.

Eine empörte Kundin

Doch nicht alle Kunden von Dirnberger seien begeistert. Eine bezeichnete die Insekten als „eine Frechheit“, erzählt er. Sie wolle nicht mehr kommen, weil sie die Tiere zu eklig findet. Der Großteil reagiert aber positiv: „Viele Menschen, die sich für Nachhaltigkeit interessieren, finden die Insekten gut. Der Flächenverbrauch ist viel geringer.“

Fünf MZ-Redakteure haben die Insekten getestet:

Dschungelprüfung? MZ-Redakteure essen Insekten

Vor allem bei jungen Menschen wandern die Insekten in den Einkaufskorb. Immer wieder kämen Jugendliche, die Heuschrecken zum Spaß in ihrer Clique verzehren. Dirnberger hätte nicht gedacht, dass die Insekten so gut gehen. Er selbst hat seine neuen Produkte aber nicht getestet. Ein Reagenzglas voller Buffalowürmer, Grillen oder Heuschrecken kostet so viel wie drei bis vier Leberkässemmeln. Dafür sind die Insekten proteinreich und voller ungesättigter und mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Wer sich noch nicht an die Tiere herantraut, der kann es mit einer abgeschwächten Form probieren. Der Hersteller „Snack Insects“, der aus der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ bekannt ist, bietet auch eine sogenannte „Dschungelade“, Schoko-Taler mit gerösteten Mehlwürmern, an und einen Energieriegel mit gerösteten Buffalowürmern, Sesam und Mandeln. Weniger als ein halber Liter Helles im Restaurant kostet der nach Herstellerangaben „proteinreiche, nachhaltige und leckere“ Snack.

Das sagen die Regensburger zum Insekten-Snack:

Insekten als Essen: Was denken die Regensburger da

Andreas Brumbauer, Inhaber des gleichnamigen Edekas in Kumpfmühl, ist überrascht von dem Angebot in Wenzenbach. Bisher sei niemand mit einem ähnlichen Anliegen auf ihn zugekommen. „Wenn die Nachfrage da ist, ist das aber natürlich eine Überlegung wert“, sagt Brumbauer. Natürlich könne es sich auch um ein Trendprodukt handeln, das vergeht. „Aber manch einer sieht da Zukunft drin.“

Auflagen für Zubereitung

Grundsätzlich seien Insekten als Nahrungsmittel überhaupt noch nicht zugelassen, sagt Florian Kuhlmey, Stellvertretender Pressesprecher des Bundesamts für Verbraucherschutz. „Insekt ist ja nicht gleich Insekt. Es gibt tausende Arten, von denen nicht alle essbar sind. Es muss daher für jedes Insekt und für jede Zubereitungsart einzeln ein Zulassungsantrag gestellt werden. Wenn etwa ein Burger einen zehnprozentigen Anteil an Mehlwürmern enthält, muss der Antrag auch genau so gestellt werden.“ Geregelt ist das in der sogenannten Novel-Food-Verordnung. Dort steht: Alles, was vor dem 15. Mai 1997 an Lebensmitteln im Umlauf war, gilt als normales, nicht neuartiges, Lebensmittel, das keine Zulassung benötigt. Alles, was seither in Umlauf gebracht wurde, benötigt eine Zulassung. „Wenn ein Nahrungsmittel dann zugelassen ist, wird es im Handel – wie alle anderen Lebensmittel auch – von der Überwachungsbehörde der jeweiligen Kommune kontrolliert“, sagt Kuhlmey.

Insekten gelten als hochwertige Proteinquelle. Bei falscher Zubereitung können sie aber auch Krankheitserreger übertragen.

Dort hat man mit Insekten bislang keine Erfahrungen. „Zumindest war uns bislang nicht bekannt, dass bei uns im Landkreis schon Insekten verkauft werden. Wir werden uns die Sache aber sofort anschauen“, sagt Dr. Johanna Frieser-Bründl, stellvertretende Leiterin des Veterinäramts, das für die Lebensmittelkontrolle im Landkreis zuständig ist. „Bei der Kontrolle schauen wir, ob die angebotenen Produkte den gesetzlichen Vorlagen entsprechen – im Zweifelsfall nehmen wir auch eine Probe und schicken sie zur Untersuchung ein.“

Weitere Meldungen aus Regensburg lesen Sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht