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Infrastruktur

Internet im Wohnheim wird teurer

Bisher versorgte das Rechenzentrum der Uni die Wohnanlagen in Regensburg. Der nun nötige Wechsel hat aber auch Vorteile.
Von Louisa Knobloch

BWL-Student Jens Eckberg wohnt in der Wohnanlage Vor der Grieb in der Altstadt. Er freut sich schon auf den neuen Internetanschluss. Fotos (2): Knobloch
BWL-Student Jens Eckberg wohnt in der Wohnanlage Vor der Grieb in der Altstadt. Er freut sich schon auf den neuen Internetanschluss. Fotos (2): Knobloch

Regensburg.Mails checken, über die Plattform G.R.I.P.S. an einem Online-Kurs teilnehmen, abends die Lieblingsserie streamen – ohne Internet geht im Studentenalltag nichts. Wer in einem Regensburger Studentenwohnheim lebt, musste sich bisher nicht um einen Internetanschluss kümmern. Denn sowohl die Häuser des Studentenwerks Niederbayern/Oberpfalz (STWNO) als auch die Heime kirchlicher und privater Träger sind an das Datennetz der Universität angeschlossen. Für einen Euro pro Monat – also sechs Euro pro Semester – können die Studenten im Netz surfen. Doch damit ist bald Schluss: Wie das Rechenzentrum (RZ) der Universität in seinem aktuellen Newsletter ankündigt, wird die Internetversorgung der Wohnheime zum 1. Mai 2018 eingestellt.

„Wir schaffen es nicht mehr.“

Dr. Ulrich Werling, Uni-Rechenzentrum

„Wir schaffen es einfach nicht mehr“, sagt Dr. Ulrich Werling, der im Rechenzentrum die Abteilung Infrastruktur leitet. 1997 waren die ersten Wohnheime an das Datennetz angeschlossen worden, über die Jahre kamen immer mehr dazu. Zuletzt waren es 30 Heime mit insgesamt über 5000 Wohneinheiten. „Mit der zunehmenden Zahl der Anschlüsse wurden auch die Probleme immer mehr“, berichtet Werling. Das sorgte für Frust bei den Studenten: „Es gab Wochen, in denen man an keinem Abend ins Internet konnte, weil es so langsam war, dass selbst normale Seiten kaum geladen haben“, sagt Liam McNeilly vom studentischen Sprecherrat der OTH Regensburg, der im Plato-Wild-Heim wohnt. „Manchmal ist das Internet auch ganz ausgefallen.“ Oftmals seien diese Probleme durch die Nutzer selbst verursacht worden, betont Werling – etwa, indem diese eigene Router oder DHCP-Server eingerichtet hätten, die dann das Netzwerk störten. Die resultierenden Ausfälle mussten er und seine fünf Kollegen beheben. „Das war ein bedeutender Arbeitsaufwand, den wir nicht mehr leisten können“, sagt Werling. „Ich brauche mein Personal für die Universität.“

Das grundlegende Problem ist, dass sich die Anforderungen und das Verhalten der Nutzer in den vergangenen 20 Jahren grundlegend geändert haben. Als das Rechenzentrum 1997 das Vitusheim und das Thomaheim mit dem Datennetz der Universität verband, ging es darum, den Studierenden wissenschaftliches Arbeiten zu ermöglichen. Kommerzielle Anbieter gab es damals kaum. Und auch WLAN – also drahtlose lokale Netzwerkverbindungen – war noch kein Thema.

Fehlendes WLAN als Ärgernis

Heute dagegen nutzen die Studenten das Internet vor allem privat – und zwar nicht mehr nur mit einem PC oder Laptop, sondern auch mit Smartphone und Tablet. Fehlendes WLAN ist da für viele ein Ärgernis: „In der heutigen Zeit sollte das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein“, findet Liam McNeilly. Auch über das Tageslimit – aktuell je nach Anschluss sechs oder 9,4 Gigabyte – gibt es Beschwerden. „Das mussten wir aber setzen, weil sonst manche die Strecke mit Downloads oder Streamen permanent blockieren“, sagt Werling. Die vorrangig private Internetnutzung der Studenten bringe das Rechenzentrum zudem in eine rechtlich fragwürdige Situation, da es damit in Konkurrenz zu den Angeboten kommerzieller Provider trete.

Liam McNeilly wohnt im Plato-Wild-Heim. Foto: Studierendenvertretung der OTH Regensburg
Liam McNeilly wohnt im Plato-Wild-Heim. Foto: Studierendenvertretung der OTH Regensburg

Das Rechenzentrum zog also die Reißleine. Bereits Anfang 2017 wurden die Wohnheimbetreiber über die Pläne informiert. „Wir haben die Argumente des Rechenzentrums schweren Herzens angenommen“, sagt Gerlinde Frammelsberger, die Geschäftsführerin des STWNO, das allein zehn Wohnheime in Regensburg betreibt. Im vergangenen Juli befragte das Studentenwerk seine Mieter zum Thema Internetversorgung. „Dabei haben sich knapp über 60 Prozent der Teilnehmer für eine Globalversorgung durch uns ausgesprochen und waren dabei auch bereit, Kosten von rund 20 Euro pro Monat zu akzeptieren“, sagt Frammelsberger. Für die Studenten bedeutet das eine kräftige Kostensteigerung: „Es ist vollkommen klar, dass man das nicht mehr so günstig anbieten kann, aber es stellt sich auch die Frage, ob 20 Euro pro Monat gerechtfertigt sind“, sagt Liam McNeilly. „Das wären dann künftig 120 Euro pro Semester statt bisher sechs Euro.“

Mehr Glasfaser

  • Bandbreite

    Das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz (STWNO) hat für seine Wohnheime ab 1. April 2018 als Globalversorgen den Vertrag mit einem neuen Provider abgeschlossen. Künftig können die Mieter mit einer Bandbreite von mindestens 20 und maximal 100 Mbit/Sekunde surfen.

  • Glasfaser statt Funk

    Etwa die Hälfte der STWNO-Wohnheime verfügt bereits über einen Glasfaseranschluss. Die Wohnanlagen in der Altstadt sind bislang jedoch über eine weniger leistungsfähige Funkverbindung mit 50 Mbit pro Sekunde angebunden. Diese Wohnheime sollen laut STWNO-Geschäftsführerin Gerlinde Frammelsberger bis Ende 2018 auch Glasfaseranschlüsse bekommen.

Ganz so teuer wird es wohl nicht werden: Je nach Anbieter liegen die Kosten nach MZ-Informationen bei rund 15 Euro pro Monat. Das Studentenwerk hat zum 1. April einen Vertrag mit einem neuen Provider abgeschlossen. Dass sich nicht jeder Mieter selbst um einen Internetanschluss kümmern muss, hat Frammelsberger zufolge Vorteile. „Gerade internationale Studierende hätten Probleme, sich individuell zu versorgen – Verträge haben ja in der Regel eine Laufzeit von mindestens 24 Monaten.“ Zudem habe das STWNO für seine Mieter einen Tarif aushandeln können, der günstiger als marktübliche Angebote sei. Auf der anderen Seite ist das Studentenwerk als eine Art „Zwischenprovider“ auch haftbar, sagt Frammelsberger. Im Mietvertrag sind daher beispielsweise illegale Downloads klar untersagt. „Wenn ein Mieter sich nicht gesetzeskonform verhalten sollte, wird er vom Netz abgekoppelt“, erklärt Frammelsberger.

„Für die Mieter bleibt es komfortabel: Sie ziehen ein, brauchen bloß einzustecken, fertig.“

Michael Krauß, Verwaltungsdirektor Protestantische Alumneumsstiftung

Mit neuem Anbieter zufrieden

Die Protestantische Alumneumsstiftung, die in Regensburg das Hiltnerheim, das Melanchthonheim und das Bonhoefferheim betreibt, wird zum 1. Mai zum gleichen Provider wie das Studentenwerk wechseln – ebenfalls als Globalversorger. „Für die Studierenden ändert sich natürlich der Preis“, sagt Verwaltungsdirektor Michael Krauß. „Trotzdem bleibt es für unsere Mieter komfortabel: Sie ziehen ein, brauchen bloß einzustecken, fertig. Und kündigen müssen sie den Internetzugang beim Auszug auch nicht.“

Das Katholische Wohnungsbau- und Siedlungswerk (KWS) der Diözese Regensburg hat die Anschlüsse im Erzbischof-Buchberger-Heim und im Sailerhaus bereits zum Semesterstart am 1. Oktober 2017 auf einen kommerziellen Provider umgestellt. Auch in diesem Fall ist das KWS Vertragspartner. „Der größte Vorteil der Versorgung durch das Rechenzentrum war der günstige Preis von einem Euro pro Monat“, sagt Maximilian Meiler, der beim KWS für den kaufmännischen Bereich zuständig ist. Nachteile seien das begrenzte Tagesvolumen, die Störanfälligkeit und das fehlende WLAN gewesen. Mit dem neuen Anbieter seien die Mieter bislang zufrieden. „Sie profitieren unterm Strich von einer besseren Internetversorgung, einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und davon, dass sie sich nicht um Vertragslaufzeiten kümmern müssen“, so Meiler.

Einen anderen Weg geht die Kulturell-Gemeinnützige Oberpfalz GmbH, Träger des Oberpfalzheims: In dieser Wohnanlage sollen die Studenten künftig selbst bei einem Internetanbieten ihrer Wahl einen Vertrag abschließen. Man wolle niemandem etwas aufzwingen, hieß es zur Begründung.

OTH-Student Liam McNeilly blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft: „Ich denke, dass das neue Internetangebot besser sein wird als das, was wir bisher hatten. Die Frage ist halt zu welchem Preis.“

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