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Ist Regensburg reif für die erste Liga?

Ein Experte traut dem SSV Jahn den Aufstieg zu. Doch er sagt auch: Ganz oben wäre er „das gallische Dorf im Haifischbecken“.
Von Julia Ried

  • Der SSV Jahn jubelt nach dem 4:3-Sieg gegen Düsseldorf am vergangenen Freitag in Richtung der Fans. Foto: Armin Weigel/dpa

Regensburg.36 Punkte hat der SSV Jahn nach 24 von 34 Spieltagen. Damit ist er nah an der Aufstiegszone in der zweiten Bundesliga: Die ersten beiden in der Tabelle, aktuell Nürnberg und Düsseldorf, steigen direkt auf, ein dritter Verein muss sich seinen Platz eine Liga weiter oben in einem Relegationsspiel erkämpfen; auf Platz drei und vier befinden sich aktuell Kiel und Duisburg mit 37 Punkten. Aber ist Regensburg fit für die erste Liga? Die Antworten von Stadionbetreiber, Fans und einem Branchenkenner fallen durchwachsen aus. Das Stadion wäre geeignet dafür, sagt Dr. Tobias Haupt, Professor für Sportmanagement, und das Management des Vereins auch. Doch was die Finanzkraft angeht, könnte der Jahn in der ersten Liga noch weniger mithalten als in der zweiten.

Haupt, stellvertretender Direktor des Instituts für Fußballmanagement in Ismaning, sagt zum Thema Aufstieg: „Ich trau es ihnen persönlich absolut zu. Aber man muss auch sehen: Der Jahn wäre schon das gallische Dorf im Haifischbecken Bundesliga.“ Schon jetzt habe der Jahn mit 8,63 Millionen den geringsten Marktwert in der gesamten Bundesliga. Der Marktwert bildet ab, wie viel andere Vereine für die Spieler zahlen würden. Der Durchschnitt in der ersten Liga liege bei 171 Millionen Euro, der in der zweiten bei 16 Millionen. „Umso bemerkenswerter, dass der Jahn so weit oben in der Tabelle steht, obwohl es andere Mannschaften gibt, die ein viel höheres finanzielles Potenzial hätten.“

An den Ecken wäre das Stadion sogar erweiterbar. Foto: Tino Lex
An den Ecken wäre das Stadion sogar erweiterbar. Foto: Tino Lex

Auch die Größe der Stadt sei ein Wettbewerbsnachteil, Regensburg wäre in der ersten Liga in ihrer bisherigen Zusammensetzung die zweitkleinste Stadt nach Hoffenheim. „Ein Bundesligist, der aus einer großen Stadt kommt, hat natürlich eine viel größere Zielgruppe an Fans und Sponsoren.“

Jahn kompensiert Nachteile

Diese Wettbewerbsnachteile ließen sich aber durch kompetentes Personal kompensieren, sagt Haupt. Das gelinge dem Jahn derzeit. Er schätze das Management des Klubs als „hochprofessionell“ ein, „mit einem sehr langfristigen Plan und einer klaren Strategie“. „Das findet man nicht so oft im deutschen Profifußball. Wenn das aber gegeben ist, sind die Voraussetzungen bestens, dass man auch die erste Liga schafft.“ Haupt ergänzt: „Auch wenn ich mir die Stadt Regensburg insgesamt anschaue, mit einer hohen Fußballbegeisterung, mit einer hohen Sportaffinität, auch mit einer starken Infrastruktur, würde ich sagen, ja, Regensburg ist erstligareif.“

Die Continental-Arena ist bereit für die erste Liga, sagt Martin Gottschalk, Sprecher des Stadionbetreibers Regensburger Badebetriebe: „Grundsätzlich ist die Continental-Arena vom Regiebetrieb der Stadt Regensburg so konzipiert und gebaut worden, dass sie auch den Anforderungen an ein Erstligastadion entspricht und hier auch Spiele der ersten Bundesliga stattfinden können.“

„Grundsätzlich wäre es möglich, die Ecken, die bislang noch nicht verbaut sind, in Sitzplätze umzubauen.“

Dr. Tobias Haupt, Professor für Sportmanagement

Grundsätzlich muss die Infrastruktur die Bedingungen der Deutschen Fußball-Liga erfüllen, erläutert Haupt. „Das beginnt beispielsweise damit, dass das Stadion eine Zuschauerkapazität von mindestens 15 000 Plätzen aufweisen muss, davon mindestens 8000 Sitzplätze.“ Die Continental-Arena fasst 15 224 Besucher. Gottschalk zufolge müsste lediglich die Zahl der Medienplätze bei einem Aufstieg aufgestockt werden, ungefähr auf das Doppelte. Er sagt auch: „Grundsätzlich wäre es möglich, die Ecken, die bislang noch nicht verbaut sind, in Sitzplätze umzubauen.“ Damit könnte die Zuschauerkapazität auf rund 18 000 Plätze gesteigert werden. „Dies wäre aber mit einem erheblichen baulichen und finanziellen Aufwand verbunden.“

Fan gibt dem Jahn noch Zeit

Fan Franz Preuß, Vorsitzender des Fanclubs „Power vom Tower“, gönnt dem Jahn noch eine Saison in der zweiten Liga. Zwar sagt er: „Es wäre natürlich schön, wenn wir aufsteigen würden. Das wäre ein absolutes Highlight für Regensburg.“ Doch hätte es aus seiner Sicht auch Vorteile, wenn der Verein noch etwas Zeit hätte, sich darauf vorzubereiten – damit er nicht Gefahr laufe, sofort wieder abzusteigen. „Wenn ich mich etabliert habe in der zweiten Liga, bin ich so weit, dass ich in der ersten mitspielen kann.“ Die Jahnfans seien auf jeden Fall bereit für die erste Liga. „Wir können auf jeden Fall mit den anderen Fans dort mithalten.“ Beim Einzugsgebiet sieht er noch Luft nach oben, auch wenn es schon größer werde, etwa in Richtung Bayerischer Wald. Der aktuelle Zuschauerschnitt von 10 335 Besuchern ist dem Jahn zufolge „der höchste seit Jahrzehnten“.

Zahlen und Fakten

  • 36 Punkte:

    hat der Jahn derzeit in der Tabelle der zweiten Fußball-Bundesliga – nur einen Punkt weniger als der Drittplatzierte.

  • 80 Millionen Euro:

    beträgt der Marktwert von Robert Lewandowski ungefähr – das ist zehnmal so viel, wie der Jahn-Kader wert ist.

  • 15 211 Zuschauer:

    sahen das Spiel des Jahn gegen den 1. FC Nürnberg. Es war das am besten besuchte Heimspiel der Saison.

Die Jahn-Verantwortlichen möchten an einen möglichen Aufstieg offiziell nicht einmal denken. Auf Nachfrage teilt der Verein mit: „Wir möchten und werden uns an den entsprechenden Gedankenspielen nicht beteiligen. Unser voller Fokus gilt dem Erreichen des klaren Saisonziels ,Klassenerhalt‘.“ Dies wäre dem Verein zufolge „ein geschichtsträchtiger Erfolg“, da ihm das in der zweiten Liga noch nie zuvor gelungen sei.

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