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Projekt

Jahn-Pläne ohne „den Wirt“ gemacht?

Der SSV Jahn will am Kaulbachweg in eine Talentschmiede Millionen investieren. Der frühere Hausherr Post/Süd taucht im Konzept gar nicht auf.
Von Thomas Rieke, MZ

  • Post/Süd-Präsident Peter Gritsch: „Ich hatte im Gespräch mit Dr. Keller den Eindruck, dass der SSV Jahn bis dato offenbar gar nicht wusste, mit welchen Sparten wir hier noch präsent sind.“ Fotos: Rieke (4)/MZ-Archiv
  • Die Umbenennung des Sportlokals sorgte schon letztes Jahr mächtig für Wirbel.
  • Die „Rot-Weißen“ sind hier zu Hause, das ist auf jeder Wand zu sehen. Doch der Zustand der Anlagen ist teilweise desolat. Das soll sich nach einer Vision von Dr. Christian Keller radikal ändern.
  • Auch eine Schützenabteilung ist unter den Tribünen noch zu Hause. „Alles ist hier selbst gemacht.“

Regensburg.Noch ist es nur eine Vision, aber die Initiatoren klingen fest entschlossen: Bis zum Jahr 2019 will der SSV Jahn das Sportgelände am Kaulbachweg runderneuern und für rund sieben Millionen Euro Trainingsbedingungen schaffen, „die einem Profifußballclub angemessen sind“.

Die Pläne, die der sportliche Leiter Christian Keller jüngst beim Neujahrsempfang des Fußballdrittligisten präsentierte (siehe auch MZ vom 25. Januar!), sehen in einem Drei-Stufen-Plan neben einer vollständigen Änderung der Platzlandschaft den Neubau eines zeitgemäßen Funktionsgebäudes sowie ein Internat für Talente mit angeschlossener Halle vor. Bei der Finanzierung sollen Sponsoren helfen – und es gibt auch bereits erste Signale, wonach die Stadt bereit wäre, sich am Kaulbachweg zu engagieren – schließlich ist sie dort noch immer der Grundeigentümer.

2002 änderte sich Grundlegendes

Was in der Öffentlichkeit bisher aber überhaupt nicht diskutiert wurde, ist, ob die „Jahnschmiede“ des SSV mit der Tatsache zu vereinbaren ist, dass am Kaulbachweg mit der SG-Post/Süd ein zweiter Verein zuhause ist. Der 1400 Mitglieder zählende Klub ließ seine Fußballabteilung zwar 2002 mit dem SSV Jahn fusionieren, und nur ein Jahr später übernahm der Jahn von der SG auch den Erbpachtvertrag für das 60.000 Quadratmeter große Areal. Doch Post/Süd hat immer noch mehr als zwanzig Sparten, von denen etliche am traditionellen Standort trainieren und Wettkämpfe austragen – die kostenlose Nutzung wurde vertraglich zugesichert.

Weder bei der ersten Präsentation der Vision „Talentschmiede“, noch auf der Homepage des SSV fand und findet die SG Post/Süd auch nur mit einem Satz Erwähnung. Zufall oder Absicht? Jedenfalls gab es seitens der Post/Süd-Mitglieder bereits viele besorgte Anfragen bei Präsident Peter Gritsch. Dieser konnte (vorerst) beruhigen: „Noch am Tag der Präsentation“ habe es zwischen ihm und Dr. Christian Keller ein Gespräch gegeben; Keller habe den Post/Süd-Chef vorab über die Pläne informiert – „und ich habe betont, dass wir natürlich auf unserem Recht bestehen, weiter am Kaulbachweg ansässig zu sein“, berichtet Gritsch.

Mit Phase 3 wird’s spannend

In Teilbereichen scheint das Vorhaben des SSV Jahn nicht nur problemlos mit dem Nießbrauchsrecht der SG Post/Süd vereinbar zu sein, sondern dem früheren Hausherrn sogar entgegenzukommen: Die Tennisabteilung der SG hat nur noch 140 Mitglieder, ist aber für bis zu zwölf Plätze zuständig. Zwei aufzugeben, fiele ihr nicht schwer, und der Jahn könnte die Fläche gut für das geplante Allwetterspielfeld gebrauchen.

Spätestens mit Bauphase 3 ginge es aber ans Eingemachte: Sie sieht die Beseitigung der Halle vor, in der bislang Mitglieder von Post/Süd Gymnastik betreiben und tanzen, kegeln und Hanteln heben, Tischtennis spielen und auf Scheiben schießen. „Lange bevor die Bagger anrücken, muss geklärt sein, wo diese Abteilungen übergangsweise oder dauerhaft ihren Sport weiter ausüben können“, betont Gritsch gegenüber der MZ. Rechtzeitige Information tue not, schließlich würde es eine Weile dauern, um für jede Sparte eine Lösung zu finden. Der beim Jahn für die Talentschmiede Verantwortliche, Keller, habe zwar versichert, dass die SG Post/Süd „weiter in die Struktur mit eingebunden sein werde“, doch Gritsch hatte beim erwähnten Treffen gleichwohl den starken Eindruck, dass die Verantwortlichen beim SSV „die Tragweite ihres Konzepts für den Partner SG Post/Süd bisher nicht ganz erfasst haben“. Ihnen sei vermutlich nicht einmal bewusst gewesen, mit wie vielen Sparten Post/Süd am Kaulbachweg noch präsent ist.

Das würde auch zu dem passen, was viele alteingesessene Mitglieder der SG mehr oder weniger deutlich seit längerem schon über das Gebaren des Jahn insgesamt sagen: Er ignoriere Post/Süd so gut es gehe und vernachlässige seine Pflichten gegenüber dem früheren Pächter. Bis heute wird es dem Jahn krumm genommen, dass er mit dem Pächterwechsel 2013 die Sportgaststätte umtaufen ließ. Sie heißt nun „Zum Jahnwirt“.

Christian Keller indes gibt sich alle Mühe, solch negative Einschätzungen zu entkräften: „Das Sportgelände am Kaulbachweg ist bereits heute eine Begegnungsstätte, an dem Leistungssport (SSV Jahn) und Breitensport (SG Post/Süd) gemeinsam betrieben werden. Dieser Gedanke soll mit durch die Jahnschmiede gestärkt werden.“ Alle geplanten infrastrukturellen Maßnahmen zielten daher darauf ab, den Kaulbachweg „in Gänze und zum Vorteil aller Beteiligten“ aufzuwerten. Wenn bei einzelnen Bauabschnitten die SG Post/Süd direkt von Veränderungen betroffen sein sollte, setze dies „ein gemeinschaftliches Agieren voraus“. Noch vor der öffentlichen Bekanntgabe des Projekts sei daher schriftlich fixiert worden, dass bei allen potenziellen Sanierungs- und Neubaumaßnahmen „die Belange der SG Post/Süd zu berücksichtigen sind“.

Er traut es dem „neuen Jahn“ zu

Peter Gritsch hört dies gerne und macht auch keinen Hehl aus seiner Meinung, dass er es grundsätzlich begrüßen würde, wenn der Jahn seine Vision verwirklichen könnte. Am Kaulbachweg bestehe dringender Handlungsbedarf. Gleichzeitig scheut sich der Post/Süd-Präsident jedoch nicht, darauf hinzuweisen, dass es der Jahn in den letzten Jahren mit dem Unterhalt nicht so genau genommen habe. Christian Keller selbst bestätigt in der Einleitung zu seiner Projektbeschreibung, dass die „eigentlich herrliche Sportanlage (...) wegen über Jahrzehnte versäumter Instandhaltung zu großen Teilen marode ist“. Gritsch wünscht sich schon deshalb, dass der SSV Jahn in absehbarer Zeit in der Lage ist, Nägel mit Köpfen zu machen. Aller früheren Enttäuschungen zum Trotz sagt der Boss von Post/Süd: „Der neuen Jahn-Führung traue ich das zu.“

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