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Tradition

Jahn-Turm: Die Arena bekommt die Kopie

Nach langer Diskussion werden in Regensburg nun Nägel mit Köpfen gemacht. Die Projektgruppe stellt ihre Ideensammlung vor.
Von Helmut Wanner, MZ

Die Jahnfans am Turm beim letzten Pflichtspiel Foto: regensburg1889.de
Die Jahnfans am Turm beim letzten Pflichtspiel Foto: regensburg1889.de

Regensburg. Tradition zählt im modernen Fußball. „Jahn Rengschburg, 89, immer wieder SSV“: „89“ ist die meistbesungene Zahl in Regensburg. Sie markiert das Geburtsjahr des Zweitligisten im 19. Jahrhundert. Tradition ist der Stoff aus dem sich Identität und Emotion speisen.

Die Treue wohnt auf billigen Plätzen

Wenn der Jahn drei Minuten vor Schluss 2:5 hinten liegt und der Normalfan enttäuscht in Richtung Parkplatz eilt, formiert sich in der Südkurve eine Wand aus rotweißen Fanschals. In der Continental-Arena sind die treuesten Fans in der Hans Jakob-Tribüne zu finden, dem der einzige Nationalspieler der Rothosen (1908 bis 1994) den Namen gegeben hat. Jakob hatte in diesem altehrwürdigen Jahnstadion gespielt und die Ergebnisse vom Turm abgelesen. Gebaut wurde er 1948. Die Tafeln wurden von Hand gesteckt. Eines zählte die Gästetore, der andere die Tore der Heimmannschaft.

Das Original steht noch. Foto: Wanner
Das Original steht noch. Foto: Wanner

Die Menschen, die draußen im Stadion am meisten jubelten, standen direkt drunter – auf den billigen Plätzen. „Der Turm war schon, als die Ultras noch gar nicht auf der Welt waren“, sagt Ex-Jahnspieler Horst Eberl. Nach ihm benannten sich Fangruppen: Die Treuen vom Turm und die Power vom Tower. Der Turm steht heute auf verlorenem Posten. Hinter einem Bauzaun zwischen Agrippina-Hochhaus und den Bodenplatten der neuen Kreuzschule steht er in rotweiß auf seinem Betonsockel wie ein Findelkind, ganz ohne Anbindung an eine Idee. Nun soll der Turm in die Continental Arena. Nicht im Original, sondern ein Duplikat des Turms soll im kommenden Jahr vor dem Haupteingang der Continental Arena entstehen. Maßstab, Material und Nutzung sollen nun mit den Fans besprochen werden.

Eine alte Animation von 2011 zeigt: Die Idee, den Jahn-Turm ins neue Stadion einzubauen, ist nicht neu. Animation: MZ-Archiv
Eine alte Animation von 2011 zeigt: Die Idee, den Jahn-Turm ins neue Stadion einzubauen, ist nicht neu. Animation: MZ-Archiv

„Seit dem Umzug in die Continental Arena ist es eines der dringlichsten Anliegen der Jahnfans: das wichtigste Wahrzeichen aus dem Stadion an der Prüfeninger Straße sollte auch im Umfeld der neuen Heimat seinen Platz finden“, heißt es in der Ankündigung. Am Freitag, 20 Uhr, will eine zehnköpfige Projektgruppe aus Jahn-Mitarbeitern, Fan- und Stadtvertretern die Ideen, die eineinhalb Jahre gesammelt wurden, mit den Fans diskutieren. Zum Inhalt dringt nichts nach außen.

Der Ort der Präsentation ist nicht etwa das angesagte „Communication Center“ in der Osttribüne der Continental Arena. Beim „Jahnwirt“ soll die Ideensammlung vorgestellt und im Dialog erläutert werden. Der „Jahnwirt“ ist am Kaulbachweg, wo die Erste Mannschaft trainiert, und Jahn II und die Jugendteams spielen. Dort soll der Fan gehört werden. Der Fan reagiert auf „facebook“ darauf noch recht skeptisch. „Bin gespannt, ob das wirklich passiert.“

Der doppelte Jahn-Turm

  • Vision:

    Eine Kopie des Jahn-Turms ins neue Jahnstadion zu transferieren, ist nicht neu. Ex-Spieler Horst Eberl, seit 61 Jahren Jahn-Mitglied: „Schon als ich selbst Funktionär war, gab es die Idee, wenn ein neues Stadion kommt, dass man dann den Turm unbedingt mit einbauen sollte.“

  • Relikt:

    Der alte Jahn-Turm steht nun etwas verloren an der Baustelle der neuen Kreuzschule. Er soll vor Ort an die sportliche Geschichte des Platzes erinnern. Einiges wandert ins Museum: „Teile der Tribüne werden im Haus der Bayerischen Geschichte aufgestellt“, sagt Sportamtsleiter Johann Nuber.

Die alte Jahntribüne fehlt

Die Wahl dieser Location zeigt das größte Defizit der Continental Arena. „Was wirklich fehlt, das ist die alte Jahntribüne – ein Lokal, in dem man sich nach dem Spiel zusammensetzen kann“, sagt Heinz Weis, der Friseur aus der Prüfeninger Straße 5, der ein paar der besten Köpfe des Zweitliga-Teams unter der Schere hat.

Doch dass rund um den Turm die alte Jahntribüne auferstehen könnte, ist eher unwahrscheinlich, meint jedenfalls Martin Gottschalk, Sprecher der Stadtwerke. „Hier steht ja schon der Ausschenkwagen und nach dem Spiel sind die Kioske offen“.

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