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Kulturen

Japanische Teezeremonie als Meditation

Teemeister Gerhardt Staufenbiel gibt das Wissen über das Ritual in einem Workshop weiter. Den Dialog der Kulturen fördern.
von Daniel Geradtz, MZ

Vor dem Gebrauch reinigen Daniel Gahler und Christian Zorneck den Teebesen.
Vor dem Gebrauch reinigen Daniel Gahler und Christian Zorneck den Teebesen. Foto: Geradtz

Regensburg.Gerhardt Staufenbiel kniet auf einer Matte. Gleichmäßig atmet er ein und aus. Seine Atemzüge sind hörbar, die Körperbewegungen scheinen darauf abgestimmt. Staufenbiel führt gerade eine japanische Teezeremonie durch. Seine Haltung gehört zum Ritual. Zunächst lässt er die Teilnehmer eines Workshops, in dem der die Techniken des traditionellen Aufgusses erklärt, im Unklaren darüber, was es mit den besonnenen Handgriffen auf sich hat. Erst später wird klar, dass mehr als das Teetrinken im Vordergrund steht.

Staufenbiel ist einer von nur drei Teemeistern in Deutschland, die ihr Handwerk nach der Tradition der Urasenke-Schule erlernt haben und weitergeben. Die Ausbildung dauert 40 Jahre und ist selbst dann noch nicht abgeschlossen. „Man kann es als Lebensweg bezeichnen“, sagt Staufenbiel. Dass er die asiatische Kultur zu schätzen begann, ist bereits mehr als vier Jahrzehnte her. Als der Urasenke-Großmeister 1972 anlässlich der Olympischen Spiele in München ein Teehaus stiftete, wurde das Interesse des Physikers an der Kultur endgültig geweckt. Schon vorher hatte er das Gefühl, dass die abendliche Denkweise zu verkopft sei und er sich neue Herausforderungen suchen müsse.

Möglichst wenig Kraft aufwenden

Diesen stellt sich Staufenbiel. Beispielsweise verknüpfte er in einer Buchveröffentlichung die Philosophie Friedrich Hölderlins mit der des Zenmeisters Dogen. Er war der Erste, der diesen Ansatz wagte. Für Staufenbiel ist die Adaption der Zen-Lehre nicht mehr als eine logische Weiterentwicklung der Gedanken. „Die Strömung des Zen kam von China nach Japan und ist dort japanisch geworden“, erklärt er. „Also müssen wir ihn europäisieren, um ihn als Bereicherung für unsere Kultur und unser Leben zu verstehen.“

Staufenbiel legt viel Wert darauf, dass die Teilnehmer des Workshops die Teezeremonie verstehen. Er erklärt, was die einzelnen Schritte bedeuten. Das Reinigen von Teeschale, Teebesen und Teelöffel sei als symbolischer Akt zu verstehen. „Die Vorbereitung dient dazu, sich selbst zu reinigen, die Meditation zu beginnen“, sagt er. Es sei wie ein Schalter, der beim Betreten des Teeraums umgelegt werde. Zur Entspannung ist es genauso wichtig, dass für die einzelnen Schritte möglichst wenig Kraft aufgewendet werden muss. Daher sind die Bewegungen mit der Atmung synchronisiert. „Wenn wir uns nach vorne beugen, quetschen wir die Bauchdecke ein. Daher ist es natürlich, dass wir dabei ausatmen“, erklärt Staufenbiel.

Nachdem Teemeister Staufenbiel die Zeremonie mehrfach vor dem Plenum durchgeführt hat, wird es für Christian Zorneck und Daniel Gahler ernst. Sie sind die ersten Kursteilnehmer, die nun auf der als Tatami bezeichneten Reisstroh-Matte Platz nehmen und Matcha-Tee zubereiten. Sie trinken das Getränk allerdings nicht selbst, sondern reichen es traditionell an einen Gast. Beide sind sich einig, dass das Fremde den Reiz an der japanischen Kultur ausmacht. „Im Japanischen werden richtige Antworten eingekreist. Nach meiner ersten Klausur dachte ich, dass alles falsch sei. Dabei waren das richtige Antworten“, beschreibt Zorneck eine Anekdote aus dem Sprachunterricht.

Schamisen-Konzert geplant

Beide sind Mitglieder der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Regensburg, deren Ziel es ist, den kulturellen Austausch zwischen den Ländern zu fördern. Den Dialog zwischen den Kulturen will auch Staufenbiel vorantreiben. Deshalb habe er sich auch von dem strengen Denken der Urasenke gelöst, um so neue zeremonielle Formen ausprobieren zu können.

Anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens bietet die Deutsch-Japanische Gesellschaft Regensburg weitere kulturelle Veranstaltungen an. Als nächstes ist im Mai ein Schamisen-Konzert eines japanischen Künstlers geplant. Die Schamise ist ein traditionelles Saiteninstrument.

Japanische Kultur verbreiten

  • Verein:

    Unter dem Dachverband der Deutsch-Japanischen Gesellschaften (VDJG) ist auch der Regensburger Verein organisiert, der seit 2005 existiert.

  • Führung:

    Präsidentin ist die Japanerin Mayumi Takamura-Zorneck, die an der Uni Regensburg Japanisch unterrichtet. Mit seinen vielfältigen Veranstaltungen trägt der Verein dazu bei, die japanische Kultur hierzulande zu verbreiten.

  • Ableger:

    In Deutschland sind etwa 50 Ableger registriert.

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