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Regensburg
Sonntag, 25. Februar 2018 2

Umwelt

Jasmin Simmel will das „Füllgut“ retten

Einkaufen ohne Verpackungsmüll – das war in dem Laden möglich. Jetzt ist er geschlossen und wartet auf eine zweite Chance.
Von Heike Haala

Das „Füllgut“ in der Oberen Bachgasse ist geschlossen. Jasmin Simmel will es im März wieder eröffnen. Deswegen sammelt sie nun Spenden. Fotos: Haala

Regensburg.Deo im Einweckglas, Haarshampoo in Seifenform oder Hülsenfrüchte und Frühstücksflakes aufs Gramm genau in die eigene Brotzeitbox gezapft – all das gab es im Geschäft „Füllgut“ in der Oberen Bachgasse bis vor Kurzem. Jedoch ging es in dem Laden nicht darum, ungewöhnlich einzukaufen, sondern auf diese Weise so viel Verpackungsmüll wie möglich zu vermeiden. Precycling nennt sich diese Form des Einkaufens. Dann aber mussten die Besitzer den Laden schließen. „Ein Jammer“, dachte sich die Regensburgerin Jasmin Simmel. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das „Füllgut“ wiederzueröffnen.

Sehen Sie hier den Aufruf von Jasmin Simmel

Jasmin Simmel will das Füllgut retten

Dazu ist Simmel aber auf die Hilfe spendabler Mitmenschen angewiesen. So hat sie zwar all ihr Erspartes zusammengekratzt, das reicht aber hinten und vorne nicht für die Übernahme des Geschäfts. Simmel braucht 25 000 Euro für die Ablöse des Ladens und um sich den Namen schützen lassen zu können.

Deswegen hat sie eine so genannte Crowdfunding-Aktion im Internet gestartet. Auf diese Weise will sie das benötigte Geld zusammentragen. Seit 5. Februar erklärten sich 117 Unterstützer auf der Seite www.startnext.com/erhalte-das-fuellgut dazu bereit, das Projekt mit inzwischen fast 8000 Euro zu bezuschussen. Am Dienstag hat Simmel noch 20 Tage Zeit, um die restlichen Spenden aufzutreiben.

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Jasmin Simmel Foto: Haala

Der Knackpunkt bei der Sache: Simmel muss mit Hilfe ihrer Unterstützer bis 5. März den gesamten Betrag von 25 000 Euro über die Internetseite zusammentragen, sonst kommt ihr nach Ablauf der Frist kein einziger Cent zugute. Die Spender müssen ihre Kontodaten zwar auf der Seite hinterlegen. Ob der veranschlagte Betrag aber wirklich abgebucht wird, hängt davon ab, ob sich genügend andere Unterstützer finden. Wer Simmel unterstützt, darf sich über kleine Geschenke wie Jutebeutel, Gutscheine oder Edelstahlbehälter freuen. Für größere Spenden von Firmen plant sie eine „Wall of Fame“ – sollte der Laden erst einmal ihr eigener sein.

Wenn alles gut geht, wird die neue Geschäftsführerin den Laden im Laufe des März wieder eröffnen. Sie rechnet damit, dass er insgesamt etwa einen Monat geschlossen haben wird. Die Einrichtung will Simmel zunächst einmal so lassen, wie sie ist. „Vielleicht werde ich dann ein wenig umstellen“, sagt sie. Eine Neuerung liegt ihr aber doch am Herzen. Sie träumt von einer gemütlichen Ecke. Je nachdem, welche Konzessionen sie dafür benötigt, möchte sie dort auch Kaffee oder andere Getränke anbieten. In dieser Ecke sollen die Füllgut-Kunden miteinander ins Gespräch kommen. Dort werden auch die vielen Bücher und Filme stehen, die Simmel in all den Jahren zum Thema Müllvermeidung zusammengetragen hat. Es soll also eine Ecke werden, in der die Kunden Rat und neue Ideen aufstöbern können.

Hier ist der Unverpacktladen

Seit Simmel im vergangenen November mitbekommen hat, dass das „Füllgut“ schließen soll, hat sie sich mit dem Gedanken getragen, den Laden zu übernehmen. Die ehemaligen Betreiber kannte sie von der Volkshochschule. Dort gibt Simmel Kurse zum Thema „Müllvermeidung“. Sogar ihre Kursteilnehmer hätten sie darauf angesprochen, ob das nicht etwas für sie wäre. Denn Simmel wollte sich zu diesem Zeitpunkt ohnehin gerade selbstständig machen. Und so wog sie in den vergangenen Monaten die Alternativen immer wieder gegeneinander ab. Die hießen „Füllgut“ oder die Eröffnung eines nachhaltigen Restaurants. „Dabei hatte mir mein Bauchgefühl schon relativ schnell gesagt, dass es das Füllgut werden wird“, sagt sie.

Finanzierung

  • Modell:

    Crowdfunder bitten ihre Mitmenschen um finanzielle Unterstützung bei Projekten.

  • Aufruf:

    Auf der Suche nach Unterstützern machen sie sich das Internet zunutze.

Kontrast zur Modewelt

Simmel ist 29 Jahre alt und hat früher bei einer Modefirma im Bereich Merchandising gearbeitet. Sie entwarf Konzepte für Laden- oder Schaufenstereinrichtungen. Diese Tätigkeit hat sie aufgegeben, weil sie etwas Abstand zum Konsum gewinnen wollte. Deswegen absolvierte sie ein Grafikstudium und arbeitete in einem Büro. Dort aber fehlte ihr der Kundenkontakt. Und so stieg sie zunächst um auf Teilzeit und begann, die Müllvermeidungsworkshops an der Volkshochschule zu geben.

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