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Arena

Jeder erkennt sofort: Das ist Regensburg!

Dr. Stefan Nixdorf hat das neue Stadion für den SSV Jahn Regensburg entworfen. Die Arena im Stadtsüden soll 15 000 Zuschauern Platz bieten.

So soll die neue Arena im Stadtsüden von Regensburg aussehen. Stadionplaner Dr. Stefan Nixdorf verspricht den Fans eine ganz andere Dimension des Fußball-Erlebnisses. Foto: Stadt Regensburg

Regensburg.Die Stadt baut ein neues Fußballstadion. Die Arena im Stadtsüden an der Autobahn soll 15 000 Zuschauern Platz bieten. Die Gesamtkosten sind mit 53 Millionen Euro veranschlagt. Im Interview mit der Mittelbayerischen Zeitung äußert sich der renommierte Stadionplaner Dr. Stefan Nixdorf erstmals öffentlich zu seinem Konzept.

Herr Dr. Nixdorf, Sie gelten als ausgewiesener Spezialist für die Konzeption von Fußball-Arenen, sind auch Berater verschiedener Fußballverbände und haben schon annähernd ein Dutzend Stadien geplant. Beschreiben Sie uns bitte, wodurch sich die Regensburger Arena von anderen unterscheidet.

Nixdorf: Sie wird sich dadurch von anderen Stadien unterscheiden, dass jeder sowohl von außen als auch von innen erkennen kann: Das ist Regensburg! Und zwar unabhängig davon, ob jemand selbst im Stadion ist oder es im Fernsehen sieht. Charakteristisch sind die Hülle mit der gerundeten Rückseite, die flügelartige Form des Tribünendachs und die Ausbildung des Flutlichts durch sogenannte Flutlichtfinger. Das sind in dieser Form Regensburger Alleinstellungsmerkmale. Dass der Baukörper zusammen mit dem grau-weißen Beton in den Farben der Stadt sowie den Vereinsfarben rot-weiß gehalten ist, stiftet zusätzlich Identifikation.

Welche Grundkriterien gelten heute für den Bau moderner Fußballtempel – oder ist nur die Kassenlage entscheidend?

Natürlich muss jede Stadt, jeder Auftraggeber wissen, wie viel er für ein Stadion ausgeben will und wie viele Zuschauer es fassen soll. Die Prioritäten für den Bau sind aber überall die gleichen: Sicherheit, Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Den letzten Punkt erreichen wir in Regensburg etwa mit flexibel nutzbaren Funktions- und Büroflächen, aber auch mit der Option, die Ecken ausbauen und so die Kapazität um 2000 bis 3000 Zuschauer erhöhen zu können. Mir ist auch noch die Familienfreundlichkeit wichtig, damit die Fußballspiele später ein Erlebnis werden, von dem sich keiner ausgeschlossen fühlen darf.

Seit der Vertragsunterzeichnung zwischen der Stadt und dem Generalübernehmer BAM Sports, für den Sie arbeiten, kennen Sie auch die alte Spielstätte des Jahn. Auf welche Aha-Effekte dürfen sich die Fußballfans aus der Region nach dem Umzug nach Oberisling freuen?

Die Regensburger Fußballfans werden endlich ein Stadion bekommen, das einen vierseitig geschlossenen Raum bietet. Das wird eine wesentlich dichtere Atmosphäre – schon allein akustisch – als im alten Jahnstadion, das sich in einem „Hochnot-Zustand“ befindet und äußerst sanierungswürdig erscheint. Der Jahn-Turm mag für viele Anhänger mit Emotionen verbunden sein, aber das neue Stadion wird hier eine ganz andere Dimension eröffnen. Die Zuschauer werden in Teilen 20 bis 30 Meter näher am Spielfeld sitzen, was ein Fußballspiel so intensiv wie möglich erlebbar macht. Und auch das Umfeld macht Schluss mit den Notlösungen im alten Stadion.

Die Mittelbayerische Zeitung hat in ihrer Online-Ausgabe die Leser nach ihrer Meinung zu Ihrem Entwurf gefragt. Sie konnten abstimmen zwischen „Ja, das Stadion passt perfekt zum SSV Jahn und zur Stadt“ oder „Nein, der Entwurf enttäuscht“. Rund 65 Prozent stimmten mit ja, etwa 35 Prozent mit nein. Ist das ein guter Akzeptanz-Wert?

Ja, das halte ich für einen guten Wert, zumal sich Gegner des Projekts oftmals ja nicht wirklich mit der Architektur auseinandersetzen. Bei ähnlichen Befragungen haben wir beim Tivoli in Aachen den bisherigen Maximalwert von 75 Prozent Befürwortern gehabt. Daran gemessen kann man zwei Drittel Pro-Stimmen als gute Akzeptanz interpretieren.

Kritiker des Stadion-Baus sagen, es reicht als Konzept für dauerhaft etablierten Profifußball in Regensburg nicht aus, eine Arena für 27,5 Millionen Euro aus dem Boden zu stampfen und fast noch einmal so viel für die Infrastruktur auszugeben. Was antworten Sie denen?

Das ist nicht mein Thema. Meine Aufgabe beginnt dann, wenn die Entscheidung für einen Neubau getroffen ist. Dem ist ja immer eine politisch-gesellschaftliche Diskussion vorausgegangen. Ist die Entscheidung getroffen, heißt es, den Blick nach vorne zu richten und nicht nach hinten.

Horst Eberl, früherer Sportchef beim Jahn, hat es einmal so formuliert: Deutschland sei „Arena-geil“. Tatsächlich setzen viele Städte darauf, dass neue Stadien Renommee und Synergie-Effekte bringen – vom Quantensprung für ihre Fußballclubs ganz zu schweigen. Wo ist das nach Ihrer Ansicht schon eingetreten?

Ich äußere mich bei Fragen zu einem bestimmten Projekt grundsätzlich nicht zu anderen Stadien, was die Effekte für die jeweilige Stadt angeht. Die Grundsatzfrage, ob Fußball wichtig ist oder nicht, beantworte ich aber mit einem klaren „Ja“. Fußball ist ein Teil unserer Kultur, ob man das nun gut findet oder schlecht. Dass neue Stadien diese Kultur befördern können, steht, denke ich, außer Frage. Die Zuschauerzahlen in allen Ligen bilden das auch ab. Im Übrigen: Ich sage auch, dass jemand, der in der 3. Liga spielt, guten Fußball spielt.

Werden Sie das erste Spiel des Jahn in der Regensburger Arena von der Tribüne aus mitverfolgen?

Selbstverständlich. Das Eröffnungsspiel ist auch für uns als Stadionbauer der größte, der emotionalste Moment. Wir bauen Räume für Emotionen und wollen diese dann auch miterleben. Denn was wir machen, machen wir leidenschaftlich.

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