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Politik

Jetzt bahnt sich ein Zweikampf an

Nach der Delegiertenwahl scheint Graf Lerchenfeld chancenlos. Alles spitzt sich auf Peter Aumer und Astrid Freudenstein zu.
Von Thomas Kreissl, MZ

Im Herbst 2017 wird der neue Bundestag gewählt. Wer sich für die CSU im Stimmkreis Regensburg um das Direktmandat bewerben wird entscheidet sich am 26. November.
Im Herbst 2017 wird der neue Bundestag gewählt. Wer sich für die CSU im Stimmkreis Regensburg um das Direktmandat bewerben wird entscheidet sich am 26. November. Archivfoto: dpa

Regensburg.Aus dem Trio ist offenbar ein Duo geworden. Bei der Suche nach einem CSU-Kandidaten für das Regensburger Direktmandat zur Bundestagswahl scheinen nur noch Dr. Astrid Freudenstein und Peter Aumer aussichtsreich im Rennen zu liegen. Nach dem Debakel bei der Delegiertenwahl im Kreisverband Regensburg-Land hat der amtierende Stimmkreisabgeordnete Philipp Graf von und zu Lerchenfeld wohl kaum noch Chancen, weiter in Berlin zu bleiben.

Die 237 Vertreter der CSU-Ortsverbände aus dem Landkreis waren am vergangenen Freitag gnadenlos. Bei der Wahl der 104 Delegierten für die gemeinsame Nominierungsversammlung von Stadt- und Kreisverband reichten sie den Grafen aus Köfering bis auf Platz 183 durch. Das heißt: Lerchenfeld hat nicht einmal die Chance, als Ersatzdelegierter nachzurücken, und darf sich damit selbst nicht an der Abstimmung über den CSU-Kandidaten beteiligen.

Deutlicher Vertrauensentzug

Mit einem Vertrauensentzug in dieser Deutlichkeit hatte kaum jemand gerechnet. Gleichwohl hatte es sich aber wohl schon im Vorfeld abgezeichnet, dass dem Grafen die erforderliche Hausmacht fehlt. Lerchenfeld hatte im Jahr 2013 davon profitiert, dass Peter Aumer nicht mehr für den Bundestag kandidierte, weil er im Landratswahlkampf gegen Tanja Schweiger antrat. Aumer scheiterte – und steht seitdem ohne Mandat da. Seitdem ist immer zu hören, dass der Kreisverband seinem unterlegenen Landratskandidaten etwas schuldig sei. Diese Schuld soll nun mit der Bundestagskandidatur eingelöst werden.

Zumal Aumers Nachfolger im Bundestag für Schlagzeilen sorgte, weil er bei den Nebeneinkünften der Topverdiener unter den Berliner Abgeordneten ist. Dazu kommt seine Klage als privater Grundbesitzer gegen die vom Landkreis geplante Südspange. Ein Verkehrsprojekt, dem der Graf aus Köfering zuvor im Kreistag zugestimmt hatte.

Zu groß war zudem in vielen Ortsverbänden das Unverständnis darüber, dass Lerchenfeld, der im nächsten Mai 66 Jahre alt wird, noch eine Amtszeit als Bundestagsabgeordneter anstrebte – zumal als er dann auch noch sehr schwer erkrankte. „Abgeordnete sollten nicht zu lange an ihrem Mandat kleben“, sagt beispielsweise Erich Dollinger, der im Jahr 2014 im Alter 63 Jahren selbst auf eine neuerliche Kandidatur als Lappersdorfer Bürgermeister verzichtete.

Seiner Meinung nach spricht das Ergebnis vom Freitag für sich. Die Delegierten hätten auf ihre Art eine Empfehlung ausgesprochen. Wie berichtet, war bei der Delegiertenversammlung auf die ursprünglich geplante Abstimmung verzichtet worden, mit der eine Empfehlung für einen der beiden Kandidaten aus dem Landkreis hätte ausgesprochen werden sollen.

Letztlich brauchte Peter Aumer diese Bestätigung seiner Position auch gar nicht mehr. Es spricht eine deutliche Sprache, dass die Vertreter der Ortsverbände im Ranking zwischen die beiden Kontrahenten 181 andere Delegierte wählten. Für hatte Aumer zahlte sich damit aus, dass er als Kreisvorsitzender meist dabei war, wenn in den Ortsverbänden die Kreisdelegierten gewählt wurden, die sich am vergangenen Freitag in Deuerling versammelten. So konnte Aumer natürlich auch Werbung in eigener Sache für seine Kandidatur für das Direktmandat machen.

Das kam allerdings nicht überall gut an. „Es gefällt mir nicht, dass der Kreisvorsitzende gegen den amtierenden Abgeordneten antritt“, sagte beispielsweise Kreisrat Herbert Schötz bei der Versammlung des CSU-Ortsverbandes in Wörth und wurde prompt nicht als Delegierter gewählt. Und Gerhard Gröschl, Vorsitzender der Landkreis-Mittelstandsunion (MU) der CSU, kritisierte die zunächst vom Kreisvorstand anvisierte Vorwahl nur auf Landkreisebene als undemokratisch. Zudem behauptete Gröschl, dass es bei der Wahl der Delegierten Vorgespräche gegeben habe mit dem Ziel, nur Kandidaten aufzustellen, die Aumer unterstützen. Konkrete Beispiele dafür blieb Gröschl aber schuldig.

Immerhin setzt der Internetauftritt des CSU-Kreisverbands Regensburg-Land schon jetzt ein deutliches Signal zum Ranking seiner Spitzenpolitiker. Denn den Link zu den Mandatsträgern des Kreisverbandes führt Aumer an – in seiner Eigenschaft als Fraktionsvorsitzender im Regensburger Kreistag. Erst danach folgen der Bundestagabgeordnete Lerchenfeld und Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer sowie Bezirksrat Thomas Gabler.

Stierstorfer landete auf Platz 32

Stierstorfer ist auch auf der Ergebnisliste der Delegiertenwahl nicht dort zu finden, wo man die einzige Landtagsabgeordnete aus dem CSU-Kreisverband Regensburg-Land vermuten würde. Erst auf Platz 32 taucht die CSU-Politikerin aus Griesau auf. „Die Delegierten haben so entschieden“, gab sie sich dazu auf Anfrage unserer Zeitung einsilbig. Dass sie auf der alphabetischen Liste, die den Delegierten als Wahlvorschlag vorlag, erst relativ weit hinten aufgeführt wird, taugt nicht unbedingt als möglicher Erklärungsversuch. Denn Josef Weinmann aus Regendorf landete im Endergebnis sogar unter den ersten Zehn und Wolfgang Zelzner aus Regenstauf schaffte es auf Platz 14.

Wie wird der Kandidat gewählt?

  • Wahlverfahren:

    237 Kreisdelegierte waren im Frühjahr in den 76 Ortsverbänden der CSU im Landkreis gewählt worden. Diese Kreisdelegierten bestimmten am Freitagabend 104 Delegierte für die Nominierungsversammlung sowie 104 Ersatzdelegierte. Dazu konnten sie mindestens 104 und maximal 208 Namen ankreuzen. Die 104 Delegierten mit den meisten Stimmen nehmen an der Nominierungsversammlung teil. Sollten einige von ihnen an diesem Termin verhindert sein, kommen die Ersatzdelegierten ab Platz 105 zum Zug.

  • Nominierungsversammlung:

    Der Direktkandidat der CSU für die Bundestagswahl im nächsten Jahr wird am 26. November um 10.30 Uhr im Regensburger Kolpingshaus von den insgesamt 160 Delegierten aus Stadt und Landkreis gewählt.

  • Vorstoß:

    Die ehemaligen Bürgermeister Erich Dollinger und Alfons Lang hatten in einem Treffen des Kreisvorstands unmittelbar vor der Delegiertenversammlung vorgeschlagen, über eine zuvor zusammengestellte Liste im Block abstimmen zu lassen. Nach Auskunft von Dollinger hätte so unter anderem sichergestellt werden können, dass alle Ortsverbände und die Arbeitsgemeinschaften darauf vertreten sind.

  • Unterschied:

    Ähnlich war die Stadt bei ihrer Delegiertenwahl vorgegangen. Aber die städtische Liste wurde in den Wochen vor der Delegiertenwahl zusammengestellt. Für die Liste aus dem Landkreis wären keine Vorarbeiten möglich gewesen. Es hätte die Liste vorgelegt werden müssen, die Dollinger und Lang zusammengestellt hatten. Der Kreisvorstand entschied sich jedoch dagegen.

Deutlich wird ein klares Muster auf der Ergebnisliste, die der Kreisverband auf seiner Homepage veröffentlicht hat. Die meisten Stimmen fuhren demnach die Delegierten aus den großen Ortsverbänden im Westen und Norden des Landkreises ein. Insbesondere der Markt Regenstauf ist im Vorfeld der Liste sehr gut vertreten. Neben Peter Aumer, der Ortsvorsitzender in Ramspau ist, finden sich acht weitere Vertreter aus Regenstauf unter den 25 Delegierten mit den meisten Stimmen.

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