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„Jetzt sind wir erst einmal urlaubsreif“

Zehn Tage lang gaben sich Pop- und Klassik-Stars im Schlosshof die Klinke in die Hand. Veranstalter Reinhard Söll ist zufrieden – und erschöpft.
Von Norbert Lösch, MZ

Seit der Eröffnung der Schlossfestspiele 2014 fast pausenlos im Einsatz: Gloria von Thurn und Taxis und Impresario Reinhard Söll Foto: altrofoto.de

Regensburg.Erschöpft, aber glücklich: So lässt sich der Gemütszustand von Schlossfestspiele-Veranstalter Reinhard Söll am Tag eins nach dem Konzert-Marathon im Schlosshof beschreiben. Die „enorme Anspannung“ weiche dem Wunsch, jetzt erst einmal zur Ruhe zu kommen. „Ich werde mein Auto packen und Ende der Woche Richtung Toskana aufbrechen“, verriet der Festival-Impresario am Montag der MZ. „Das ganze Team hat ein Jahr auf die Festspiele hingearbeitet, die ein großer Erfolg ohne einen wirklichen Flop waren. Jetzt sind wir alle erst einmal urlaubsreif.“

Söll hat selbst alle Aufführungen und Konzerte besucht – und sich die Eröffnungsoper Rigoletto gleich zweimal zu Gemüte geführt. Das neben dem einmaligen Ambiente im Thurn-und-Taxis-Schloss zweite Alleinstellungsmerkmal der Regensburger Festspiele – nämlich die große Bandbreite an Künstlern und Genres – sei zugleich eine große Herausforderung. „Wir spielen zehn Tage lang nonstop. Der eine Star geht, der andere kommt – und jedes Mal mus man sich neu darauf einstellen. Aber wir sind ein lernender Organismus“, sagt Söll, der unter dem Strich eine positive Bilanz der Schlossfestspiele 2014 zieht.

Geschätzte 27 000 Besucher

„Genaue Zahlen fehlen uns noch, aber anhand der Tickets aus dem Vorverkauf gehen wir von rund 27 000 Besuchern in diesen zehn Tagen aus“, sagt der Veranstalter. Einzig bei Howard Carpendale sei die Resonanz „etwas enttäuschend“ gewesen. „Und dass man bei Opern auf Bayerisch an einem Montag kein volles Haus hat, war von vornherein klar.“ Ansonsten seien alle Aufführungen und Konzerte sehr gut besucht gewesen. Sölls persönlicher Favorit war übrigens weder Elton John noch Shootingstar James Blunt – sondern die Operngala mit Angela Gheorghiu zum Finale am Sonntag. „Ich bin ja eher ein Klassik-Liebhaber. Für mich war ihr Auftritt eine einmalige Sternstunde. Das hat mich sehr bewegt, vor allem als sie zum Schluss Brahms’ ,Guten Abend, gute Nacht’ alleine vor dem stehenden Publikum gesungen hat“, schwärmt der Manager. „In solchen Momenten weiß man, dass man nicht viel verkehrt gemacht hat.“

Die von Reinhard Söll angesprochene Bandbreite der Festspiele ist mitunter dem reinen Zufall geschuldet. „Stars wie Elton John bekommt man nur nach Regensburg, wenn sie auf Tournee sind und es vom Timing her passt“, plaudert der Festival-Macher aus dem Nähkästchen. „Angeboten wird vieles von den Agenturen. Heuer hätten wir zum Beispiel Rod Stewart verpflichten können. Aber bei Gagen, die sich dann bis in einen siebenstelligen Bereich bewegen, ist das bei einer Zuschauerkapazität von 3200 schlicht nicht machbar.“

„Zunehmend ein Gesamt-Erlebnis“

Das Festspiel-Publikum sei aber auch so mit dem Gebotenen sehr zufrieden gewesen. Davon habe er sich in unzähligen Gesprächen überzeugen können. Und noch etwas lasse sich schon seit einigen Jahren mit steigender Tendenz beobachten. „Für die Besucher wird ein Festspiel-Abend zunehmend zu einem Gesamt-Erlebnis. Sie kommen nicht erst kurz vor Beginn und suchen schon vor dem Ende nach ihrem Autoschlüssel, sondern genießen die Atmosphäre ganz bewusst vor und nach einem Konzert.“ Dazu trage auch das gehobene Catering mit kompletten Menus und edlem Ambiente bei. „Viele belassen es nicht bei einem Glas Sekt im Vorbeigehen.“

Auch bei Reinhard Söll ist es an den vergangenen zehn Abenden spät geworden. „Ich war keinen Tag vor drei Uhr zu Hause.“ Jetzt werde noch eine Woche lang alles wieder abgebaut – und nach dem Urlaub starten die Vorbereitungen für die Regensburger Schlossfestspiele 2015.

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