MyMz
Anzeige

Wissenschaft

Jungchemiker lassen es krachen

Es knallt, leuchtet und raucht in einer Showvorlesung an der Universität Regenburg. Das Motto: „Tribute des Periodensystems“.
von Bernhard Heckler, MZ

  • Da muss der Brandschutzbeauftragte ein Auge zudrücken: Chemie-Studierende sorgen abendfüllend für explosive Unterhaltung. Fotos: Heckler
  • In Deckung: Gleich knallt‘s.

Regensburg.Mittlerweile hat es schon Tradition, dass es im Chemietrakt der Universität Regensburg kurz vor Weihnachten riecht wie beim Feuerwerk an Silvester: Schon zum elften Mal hat das Jungchemikerforum zu einer öffentlichen Experimentalvorlesung auf den Campus geladen.

Die Veranstaltung ist mittlerweile so beliebt, dass manche Zuschauer sich mit Stehplätzen auf den Gängen zufrieden geben müssen. Doch auch Stehen lohnt sich: Die ungefähr 250 Besucher bekommen am Montagabend eine streckenweise fulminante Show geliefert: Schockgefrorene Bananen werden als Hammer zweckentfremdet, Rosen chemisch entfärbt, eine Tonne gefüllt mit Tischtennisbällen in die Luft gejagt. Das sorgt für Begeisterung bei Jung und Alt– die Augen der Chemiestudierenden leuchten genauso wie die von Grundschulkindern mit Faible für Explosionen.

Etwas mehr als eine Stunde dauert die Veranstaltung. Das Jungchemikerforum hat sich als Rahmenprogramm ein humoristisches Theaterstück überlegt. Das Motto: „Die Tribute des Periodensystems“. Angelehnt an die Geschichte der „Tribute von Panem“ kämpfen die Elemente Stickstoff, Sauerstoff, Schwefel und Phosphor, verkörpert von schauspielbegabten Jungchemikern, um das Überleben - vor Publikum, wie Gladiatoren in der Arena. Ebenfalls den „Tributen von Panem“ entlehnt, führt eine skurril angezogene „Spielleiterin“ durch das Programm und stellt die kämpfenden Elemente vor immer neue Aufgaben.

Der Hörsaal wird zum Schlachtfeld

Mit „Aufgaben“ sind gemeint: spektakuläre chemische Experimente. Es blitzt und raucht, wenn die Elemente miteinander reagieren, mit zunehmender Dauer der Show gleicht der Hörsaal immer mehr einem Schlachtfeld. Vor allem wenn Schwefel im Spiel ist, kommt es auch immer wieder zu Geruchsbildung: „Woah, stinkt voll“, quietscht eine Zuschauerin im Grundschulalter und hält sich die Nase zu. Nicht jedes Experiment klappt, das tut der Unterhaltung aber keinen Abbruch – denn das schauspielerische Talent der Jungchemiker verkürzt die Wartezeit auf den nächsten großen Knall.

Nachdem sich die Elemente eine Stunde lang hingebungsvoll bekriegt haben, schließen sie sich zu einer Allianz gegen die Spielleiterin zusammen. In einer finalen Explosion wollen sich die Elemente aus den Zwängen des Gladiatorenkampfes befreien– Sauerstoff ist zu diesem Zeitpunkt bereits einer chemischen Reaktion zum Opfer gefallen. Alles wird vorbereitet, die Elemente gehen hinter dem Vorlesungspult in Deckung, das Publikum hält sich die Ohren zu und dann passiert: erstmal gar nichts. Stickstoff erklärt das Problem: „Meine Reaktionszeit ist nun mal einfach sehr, sehr langsam!“

Dann passiert es: Ein lauter Knall

Die Spannung steigt, schon einige Male an diesem Abend wurde das Warten auf den großen Knall nicht belohnt. Die Kinder in den vorderen Reihen werden ungeduldig, die Erwachsenen nehmen die Hände von den Ohren und die Elemente geben die Deckung wieder auf - und dann passiert es doch: Ein lauter Knall, eine Plastikflasche gefüllt mit Stickstoff explodiert in einer Tonne, die randvoll ist mit Tischtennisbällen. Hunderte weiße Plastikkugeln fliegen durch den Raum, die Gladiatorenarena ist gesprengt, die Elemente sind frei. Das Publikum spendet langen Beifall, mancher Huster aufgrund der starken Rauchbildung mischt sich darunter.

Professor Arno Pfitzner vom Lehrstuhl für Anorganische Chemie, der Schirmherr des heutigen Abends, dankt den Jungchemikern und dem Publikum, doch auch dannist noch nicht Schluss. Den letzten Höhepunkt bildet ein kleines Tischfeuerwerk. Der Hörsaal, erleuchtet in verschiedensten Neonfarben, und der Geruch erinnern an Silvester. Die Spielleiterin kommt auf die Bühne und bittet das Publikum, den Saal möglichst zügig zu velassen. „Denn jetzt raucht es ja schon gewaltig.“ Ein letzter Blick: Die Jungchemiker haben ein illustres Chaos hinterlassen: Qualm, Überreste verschiedener Obstsorten, überall zerbeulte Tischtennisbälle: Das Periodensystem hat seinen Tribut gefordert.

Weitere Artikel zum Thema Bildung und Hochschule finden Sie hier. Eine Bildergalerie der Experimental-Vorlesung sehen Sie außerdem im MZ-Kugelschreiber-Studentenblog.

JungChemikerForum

  • Gemeinschaft:

    Das JungChemikerForum (JFC) Regensburg ist eine Gemeinschaft von Chemiestudierenden an der Universität Regensburg. Neben den Experimentalvorlesungen organisieren die 20 aktiven Mitglieder des Forums auch Schülerpraktika sowie Aktionen wie „Chemie in der Grundschule“ und Vorträge.

  • Online:

    Mehr Bilder von der Showvorlesung finden sie im Studenten-Blog der Mittelbayerischen Zeitung unter www.mittelbayerische.de/kugelschreiber .

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht