MyMz
Anzeige

Angriff

Junge Frau beim Gassi-Gehen überfallen

Ein Mann verfolgte, packte und begrapschte eine Regensburgerin (28). Jetzt stand er wegen sexueller Nötigung vor Gericht.
Von Marion von Boeselager

Eine 28-Jährige wurde von einem betrunkenen 33-jährigen überfallen. Ihr Hund reagierte gar nicht auf den Täter und war danach noch wochenlang verstört. Symbolfoto: Nicolas Armer/dpa
Eine 28-Jährige wurde von einem betrunkenen 33-jährigen überfallen. Ihr Hund reagierte gar nicht auf den Täter und war danach noch wochenlang verstört. Symbolfoto: Nicolas Armer/dpa

Regensburg.Es ist der Alptraum jeder Frau: Als Steffi K. (28, Name geändert) im Juni 2018 nach Mitternacht nochmals ihren kleinen Terrier in der Prüfeninger Straße Gassi führte, begegnete ihr ein großer muskulöser Mann. Kurz danach merkte die Angestellte, dass der Unbekannte die Richtung wechselte und ihr folgte. „Er war aufdringlich nah“, erinnerte sich die junge Frau jetzt vor Gericht. „Ich wechselte deshalb mehrfach die Straßenseite.“ Doch der Mann blieb ihr auf den Fersen. Kurz vor ihrem Wohnhaus schien der Verfolger dann selbst sein Ziel erreicht zu haben: Er wandte sich einem anderen Hauseingang zu. Die 28-Jährige atmete erleichtert auf. Doch kaum hatte sie den Schlüssel ins Schloss gesteckt, war der Mann wieder hinter ihr. „Er drückte mich durch die Tür, presste mich gegen die Wand.“

Opfer wehrte sich nach Leibeskräften

Der Angeklagte (rechts) mit seinem Verteidiger Christian Reiser. Foto: Boeselager
Der Angeklagte (rechts) mit seinem Verteidiger Christian Reiser. Foto: Boeselager

„Er packte mich an Hüfte und Bauch und drückte sich gegen mich.“ Bei der Polizei war sie deutlicher: „Ich spürte sein Ding an meinem Hintern.“ Steffi K. wehrte sich nach Leibeskräften, jedoch erfolglos, gegen den 90-Kilo-Mann. Sie brüllte. Niemand half. Erst als das Licht anging, wohl durch das Gerangel, flüchtete der Täter. Jetzt stand der Arbeiter (33) wegen sexueller Nötigung vor dem Schöffengericht.

Der sichtlich zerknirschte Angeklagte legte über seinen Anwalt Christian Reiser ein Geständnis ab: Er habe bei einer Feier Bier und Schnaps getrunken. Wie er dann in die Prüfeninger Straße kam, wisse er nicht mehr genau.

Zeugensuche

Sexueller Überfall auf Regensburgerin

Eine Frau wurde im Bereich des Prüfeninger Bahnhofs zu Boden gerissen und sexuell genötigt. Der Täter ist auf der Flucht.

„Er kann sich nicht erklären, wie er dieses Verhalten an den Tag legen konnte. Er schämt sich“, so Reiser. Dabei lebe sein Mandant in einer glücklichen Beziehung. Das Opfer rief die Polizei, die den alkoholisierten Angeklagten ganz in der Nähe aufgriff und in eine Ausnüchterungszelle verfrachtete. Der Mann zeigte sich nach Angaben der Beamten „wenig kooperativ“ und sang in der Zelle wüste Lieder. Die Blutprobe ergab 1,4 Promille.

Schon vor dem Prozess hatte der Mann einen Entschuldigungsbrief an die junge Frau geschrieben. Bei Gericht hatte er 500 Euro Schmerzensgeld dabei. Die 28-Jährige akzeptierte beides und ergriff auch die ausgestreckte Hand des Angeklagten bei seiner persönlichen Entschuldigung.

Frauchen und Hund verstört

Ganz ausgestanden ist für sie die Sache aber nicht: „Ich habe immer noch, wenn ich im Dunkeln allein unterwegs bin, ein ungutes Gefühl. Dann telefoniere ich die ganze Zeit auf meinem Handy.“ Ihr Hund, meinte sie auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Dr. Wolfhard Meindl, sei ihr keine große Hilfe gewesen: „Der reagierte gar nicht und war danach noch wochenlang so verstört, dass er nicht mehr vor die Haustür wollte.“

„Er drückte mich durch die Tür, presste mich gegen die Wand.“

Das Opfer

Acht Monate mit Bewährung wegen sexueller Nötigung in einem minderschweren Fall lautete der Antrag des Staatsanwalts. Verteidiger Reiser beantragte im Plädoyer eine Geldstrafe von maximal 90 Tagessätzen. Das Gericht blieb salomonisch in der Mitte und verurteilte den Angeklagten zu fünf Monaten Haft mit Bewährung. Strafmildernd wirkten sich der Täter-Opfer-Ausgleich und die alkoholbedingte Enthemmung des Täters aus. Die sexuelle Handlung bewegte sich „im untersten Bereich“, sagte der Vorsitzende Richter. Doch bei einem solchen Überfall mitten in der Nacht erfordere die Verteidigung der Rechtsordnung die Verhängung einer Freiheitsstrafe, schloss Meindl seine Urteilsbegründung.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Mehr Gerichtsberichte aus Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht