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Politik

Junge Frauen wollen Stadtrat erobern

In einer Podiumsrunde in der „Alten Filmbühne“ stellten sich neun Kandidatinnen vor. Sie möchten für frischen Wind in der Lokalpolitik sorgen.
von Daniel Steffen, MZ

Regensburg.„Jung. Weiblich. Kandidiert.“: Abseits von jeglichem Hauen und Stechen, das politische Diskussionen häufig begleitet, stellten sich neun junge Frauen vor, die der Regensburger Lokalpolitik gern Verantwortung übernehmen wollen. Auf Einladung des Stadtjugendrings erläuterten sie in der Filmbühne der Öffentlichkeit, was sie dazu bewegt hat, sich politisch zu engagieren und für den Stadtrat zu kandidieren. Damit sich von vornherein keine Partei in die Ecke gedrängt fühlen musste, legten die Veranstalter besonderen Wert darauf, alle Parteien mit in die Diskussion einzubeziehen. Zu ihrem Erfreuen war die Runde komplett – so dass für Julia Kraus (CSU), Dr. Carolin Hagl (SPD), Judith Werner (Grüne), Tina Lorenz (Piraten), Marina Mühlbauer (Linke), Julia Wagner (FDP), Susanne Schorn (Freie Wähler), Astrid Lamby (ÖDP) und Carolin Delhoum (CSB) das Motto „Feuer frei“ galt.

Lorenz: „Zurück zur Debatte“

Über Parteigrenzen erzielten die Kandidatinnen Einkunft darüber, dass ein Plus an jungen Stadträtinnen der Regensburger Politlandschaft gut tun würde. „Alle Parteien sind mit ihren Lösungsansätzen nicht wirklich weit auseinander, aber wir müssen wieder mehr zur sachlichen Debatte zurückkehren“, forderte Tina Lorenz, OB-Kandidatin der Piraten. Mit dem Ton in den Stadtratssitzungen unzufrieden, heiße sie frischen Wind in der Lokalpolitik sehr willkommen. „Man macht ja dort keine Politik für junge Leute, für sie ist das mehr ein Klientel“, kritisierte Lorenz. Linke-Kandidatin Marina Mühlbauer stellte unterdessen fest, dass das Gros der 16 weiblichen Stadträte in Regensburg „zwischen 55 und 60 Jahre alt“ ist. Da fühle sich die Jugend nicht wirklich repräsentiert, so ihr Kritikpunkt. Mühlbauer selbst ist 29 Jahre alt, studiert Jura und ist unter anderem bei der Gewerkschaft Ver.di aktiv.

Jüngste Kandidatin in der Runde war Julia Wagner (FDP): Die 19-Jährige studiert in Passau Staatswissenschaften und sei, wie sie BR-Moderator Thomas Muggenthaler anvertraute, „schon immer am politischen Zeitgeschehen interessiert“ gewesen. Würde sie im Stadtrat sitzen, dann nähme sie sich insbesondere der Jugendkultur an. Sie würde sich um die Aufhebung der nächtlichen Sperrstunden mühen, die Kooperation von Schulen und Sportvereinen fördern und sich für den Nachtbus einsetzen.

Mit der Sperrstunde wird gehadert

Die Aufhebung der Sperrstunden – sie wird auch von der Grünen Jugend begrüßt. Als Altstadtbewohnerin könne Kandidatin Judith Werner fast täglich beobachten, wie sich die Sperrzeiten auf den Lärmpegel auswirken. Je nachdem, wann die Bar schließe, komme es nachts zu mehreren Lärmwellen, die der Nachtruhe nicht förderlich sei. „Man könnte es mit der Aufhebung der Sperrstunde ruhig probieren, in anderen Städten klappt das ja auch.“

Carolin Delhoum hat einer andere Intention, in der Stadtpolitik aktiv sein zu wollen. Als sechsfache Mutter könne die CSB-Kandidatin Impulse für die Familienpolitik geben: „Es wird so häufig von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesprochen. Oft mangelt es aber an der Flexibilität der Arbeitgeber“, befindet sie. Rückendeckung erhielt sie von Astrid Lamby (ÖDP), die als dreifache Mutter ähnliche Erfahrungen machen konnte. Die 37-Jährige hatte sich 2013 um ein Landtagsmandat beworben und gehört dem ÖDP-Landesvorstand an.

Auch Brennpunktthemen wurden ins Auge gefasst. Julia Kraus (CSU) etwa wünschte sich, dass in Sachen Drogenprävention mehr getan wird. Die Modedroge Crystal Meth sei in den Schulen derzeit „hoch im Kurs“, argumentierte die 31-jährige Gymnasiallehrerin. Unterschiede gab es bei den Prioritäten, denen sich die jungen Politikerinnen sofort widmen würden: Während für SPD-Kandidatin Dr. Carolin Hagl die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum Vorfahrt hat, nannte Marina Mühlbauer den „Stadtpass“ an erster Stelle. Susanne Schorn (Freie Wähler) favorisierte den raschen Ausbau von Kita-Plätzen – und Tina Lorenz die Übertragung von Stadtratssitzungen im Internet.

Um die Gesprächsrunden spontan zu gestalten, hatte der Stadtjugendring von Gästen formulierte Fragen per Los gezogen und je an eine Kandidatin gerichtet. So blieb den Abend über das Konfliktpotenzial niedrig. Der direkte Kandidatinnen-Vergleich spielte laut Mitveranstalterin Daniela Kronschnabl nur eine untergeordnete Rolle: „Wichtiger war uns, die jungen Frauen mal zu Wort kommen zu lassen“. Zuschauer Stefan Christoph urteilte: „Ich persönlich hätte gern mehr zu Frauen- und Jugendpolitik gehört. Aber okay, so hat man die Zuschauer bestimmen lassen, um was es geht.“

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