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Strafe

Junger Mann half nicht: Frau starb

Wegen unterlassener Hilfe für eine zu Tode geprügelte Regensburgerin stand ein 20-Jähriger erneut vor Gericht.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte (sitzend) mit seinem Verteidiger Michael Haizmann. Foto: Boeselager
Der Angeklagte (sitzend) mit seinem Verteidiger Michael Haizmann. Foto: Boeselager

Regensburg.Im Oktober 2016 starb eine 43-jährige Regensburgerin einen qualvollen Tod: Ihr Lebensgefährte (42) prügelte sie aus Eifersucht stundenlang so massiv, dass die Frau schließlich ihren Verletzungen erlag. Dabei informierte der Schläger seinen jugendlichen Nebenbuhler während der Tat mehrfach durch Bild- und Textnachrichten über ihr Martyrium. Weil der damals knapp 19-Jährige ihr nicht half und nicht einmal die Polizei anrief, wurde er im November letzten Jahres wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Jugendstrafe von zehn Monaten mit Bewährung, einer Woche Dauerarrest und 1000 Euro Geldauflage verurteilt. Dagegen legte der heute 20-Jährige Berufung ein. Am Donnerstag stand er vor der Jugendkammer des Landgerichts.

Der Schläger, der wegen Totschlags zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt wurde, hatte die Fotos auch noch kommentiert: „Sie bekommt jetzt Deine Strafe“, schrieb er um 23.51 Uhr an den Rivalen. Das letzte Foto des bereits bewusstlos am Boden liegenden Opfers um 3.01 Uhr trug den Text: „Oh, ich glaube, sie stirbt grad.“ Der Angeklagte, der gerade mit Freunden in der Stadt feierte, reagierte jedoch nicht. Er antwortete sogar noch provokant mit Texten wie: „Ich hab‘s ihr gut besorgt.“

Mit Freunden gefeiert statt zu helfen

Ziel der Berufung, sagte Verteidiger Michael Haizmann, sei eine mildere Ahndung. Der Schuldspruch werde akzeptiert. Sein Mandant habe damals mit Freunden gefeiert und Alkohol getrunken. Als er die Fotos der Misshandelten empfangen habe, habe er „nie im Leben damit gerechnet“, dass der Mann seine Lebensgefährtin umbringen werde. Diese sei von dem 42-Jährigen oft und heftig geschlagen worden. Das habe der 19-Jährige gewusst, aber den Ernst der Lage „falsch eingeschätzt.“ Haizmann prangerte an: „Wenn man das Urteil liest, gewinnt man den Eindruck, dass der Angeklagte den Totschlag begangen hat, und zwar durch Unterlassen.“ Dabei sei es spekulativ, ob bei einem Hilfseinsatz der Tod der Frau hätte verhindert werden können. Das erstinstanzliche Urteil sei „erzieherisch maßlos überzogen“.

„Wer solche Bilder und Bemerkungen zugeschickt bekommt und dann stundenlang einfach weiter mit Freunden Party macht und nicht den Entschluss fasst: Dem muss ich ein Ende setzen - bei dem ist irgendwas schief gelaufen.“

Vorsitzender Richter Carl Pfeiffer

Der Vorsitzende Richter Carl Pfeiffer meinte indes: „Wer solche Bilder und Bemerkungen zugeschickt bekommt und dann stundenlang einfach weiter mit Freunden Party macht und nicht den Entschluss fasst: Dem muss ich ein Ende setzen - bei dem ist irgendwas schief gelaufen.“ Hier lägen wohl deutliche Erziehungsmängel vor.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe bescheinigte dem 20-Jährigen, der bei seiner Oma aufwuchs, Reifeverzögerungen, aber keine schädlichen Neigungen.

Der Angeklagte sei ein „verpeilter junger Mensch“

Er sei „ein verpeilter junger Mensch“, meinte sie. Haizmann beantragte in seinem Plädoyer für den Angeklagten nur die Verhängung von Arbeitsstunden „nach Ermessen des Gerichts“ und die Auflage, an Beratungsstunden des Jobcenters teilzunehmen. Der Angeklagte habe durch den Prozess und die Berichterstattung darüber seinen Ausbildungsplatz verloren.

Der Staatsanwalt forderte, wie im erstinstanzlichen Urteil, eine zehnmonatige Jugendstrafe mit Bewährung sowie 100 Sozialstunden. Er sah zwar keine schädlichen Neigungen beim Angeklagten, aber eine „Schwere der Schuld“. Dieser habe den Täter noch angestachelt, trotz mehrfacher Hinweise auf die Steigerung der Intensität der Misshandlungen.

Angeklagter fühlt sich mitverantwortlich für Tod des Opfers

Der Angeklagte sagte in seinem Schlusswort, er fühle sich mitverantwortlich für den Tod des Opfers und habe deshalb „viele schlaflose Nächte“ gehabt. Auch das Gericht bejahte die Schwere der Schuld des Angeklagten. Da dieser jedoch schuldbewusster und einsichtiger wirkte als noch vor einem Jahr, ließ es die Kammer bei einer achtmonatigen Jugendstrafe auf Bewährung bewenden. Zudem muss der Angeklagte 80 Sozialstunden ableisten und an drei Beratungen beim Kompetenzzentrum teilnehmen. Auch erhält er einen Bewährungshelfer. Pfeiffer sagte in seiner Urteilsbegründung, der Angeklagte hätte viele Möglichkeiten gehabt, zu helfen. Es hätte genügt, 110 zu wählen. Er habe doch ohnehin dauernd sein Handy in der Hand gehabt.

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