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Justiz-Mitarbeiter büffeln Englisch

Clemens Prokop lässt Mitarbeiter am Regensburger Amtsgericht fit für eine internationale Klientel machen. Das Interesse an dem Projekt ist groß.
Von Claudia Böken, MZ

Dr. Andrea Adelung (links) unterrichtet die Mitarbeiter des Amtsgerichts in englischer Konversation und lehrt sie die juristischen Fachbegriffe auf Englisch. Foto: Tino Lex

Regensburg. Das hat es bei der bayerischen Justiz bisher noch nicht gegeben: Seit vergangener Woche drücken 48 Mitarbeiter des Amtsgerichts Regensburg – von der Sekretärin bis zum Richter – die Schulbank. Sie lernen in ihrer Arbeitszeit Englisch, um für Gespräche mit einer immer internationaler werdenden Klientel gerüstet zu sein. Amtsgerichtsdirektor Dr. Clemens Prokop will mit diesem Pilotprojekt ausländischen Rechtssuchenden einen verbesserten Service bieten und dafür sorgen, dass die Regensburger Justiz auch internationale Standards erfüllt.

Die Anregung für diese Fortbildung auf freiwilliger Basis kam von Prokops Mitarbeiterin Monika Schindler. Sie hatte vor einigen Wochen einen Kanadier am Telefon, der eine Fachauskunft benötigte. Schnell war die junge Frau mit ihrem Schulenglisch am Ende. Die juristischen Fachausdrücke kannte sie nicht. Auch eine Kollegin von der Staatsanwaltschaft konnte ihr nicht weiterhelfen. „Nach dem Gespräch war ich echt gestresst“, erinnert sich Monika Schindler. Ihr mehr spaß´haft hingeworfener Satz: Man müsste glatt einen Englischkurs für juristische Begriffe besuchen, fiel bei Dr. Prokop auf fruchtbaren Boden.

Im bayerischen Justizministerium brauchte der Direktor des Regensburger Amtsgerichts auch nicht lange zu betteln, dass er für seine Mitarbeiter die Genehmigung für den Englischunterricht bekam. Nicht einmal die Finanzierung war ein Problem. Als Lehrerin engagierte er Dr. Andrea Adelung, eine gebürtige Amerikanerin. Die große Überraschung für alle war, dass sich 48 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus allen Laufbahngruppen anmeldeten. Auf drei Gruppen aufgeteilt, erhalten sie zehn Wochen lang alle Woche eine Stunde intensiven Englisch-Unterricht. Dr. Adelung legt dabei vor allem Wert auf Konversation und natürlich auf die juristischen Fachbegriffe. Ihre Erfahrung: „Selbst Leute mit guten Vorkenntnissen haben zum Teil Angst, englisch zu sprechen.“ Die will sie ihnen nehmen.

Amtsgerichtsdirektor Prokop freut sich über das große Interesse seiner Mitarbeiter. Vor allem aus dem Empfangsbereich seien die Teilnehmerzahlen hoch. Diese Leute seien auch am häufigsten mit englischsprachigen Besuchern oder Anrufern konfrontiert, erklärt der Jurist. Auch wenn Deutsch natürlich unverändert die Gerichtssprache bleibe, sieht er durch die Schuldung einen verbesserten Service für ausländische Rechtssuchende.

Das Pilotprojekt hat bereits für Aufmerksamkeit gesorgt. Auch das Landgericht Regensburg plant bereits einen derartigen Kurs.

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