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Musikvideo

Kaffler nehmen Klischees auf die Schippe

Die Domspatzen haben ein besonderes Video zu Grönemeyers Hit „Männer“ gedreht. Nach fast einem Jahr Arbeit feiert der LipDub nun „Welturaufführung“.
Von Claudia Bockholt, MZ

Rund 100 Domspatzen haben sich am „Männer“-LipDub beteiligt. Auch Chorleiter Karl-Heinz Liebl (vorne, Mitte) war für diesen Spaß sofort zu haben. Unser Bild zeigt die Schlusszene des Videos. Foto: Wenzel/Domspatzen

Regensburg. Treppauf, treppab, das ist Kaffler-Alltag: morgens aus den Zimmern einige Stockwerke runter in den Speisesaal, dann rauf ins Klassenzimmer, runter an den Spind und rauf in die Pause, dann hoch in den Chorsaal und wieder runter ins Studierzimmer. Trotzdem ist es eine halsbrecherische Leistung, die der 17-jährige Domspatz Dominic von Vlahovits vollbracht hat. Der Kameramann des „Domspatzen-LipDub“ nahm die Stufen im schnellen Takt von Herbert Grönemeyers 80er-Jahre-Hit „Männer“ – und zwar rückwärts.

Ein „LipDub“ – vom englischen „lip dubbing“, also Lippensynchronisierung – ist ein besonderes Musikvideo. Die Darsteller singen Playback, was so schwer nicht ist. Die Kunst liegt darin, dass es in einem einzigen Durchlauf, ohne einen einzigen Schnitt aufgenommen wird. Im dreieinhalbminütigen Video wirkt alles spielerisch leicht und fließend. Man kann kaum ermessen, welcher Aufwand dafür nötig ist.

„Unendlich viele Stunden Arbeit“

Die Idee liegt schon fast ein Jahr zurück und stammt von Physiklehrer René Grünbauer. Er hatte sich zuvor mit einer Gruppe von Schülern im Medienwettbewerb „Jugend filmt Bionik“ des Bundesforschungsministeriums engagiert. Ihr Kurzfilm „Federrüsselfisch“ wurde im vergangenen Herbst im Deutschen Museum mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Dominic von Vlahovits hatte dabei bereits unter Anleitung des Profi-Kameramanns Jan Bosse arbeiten können.

So war er erste Wahl, als Grünbauer sein LipDub-Projekt an Deutschlehrer Christian Kreikle übertrug: „Das Lied ist ‚Männer‘ von Grönemeyer, und du bist der Regisseur.“ „Unendlich viele Stunden“, sagt Christian Kreikle, haben er und sein Team seither in das Projekt gesteckt. Der Text musste zeilenweise abgetippt und die Länge exakt gemessen werden. Dann wurde ein Storyboard, also das detaillierte Drehbuch, angefertigt. Woche für Woche wurden einzelne Sequenzen geprobt. Kreikle bastelte aus Zinkrohren eine Steadycam, ein Schwebestativ, damit nichts verwackelte. „Es war anstrengend, aber ein riesiger Spaß“, bilanziert von Vlahovits. Erstaunlich genug: Er hat die Kamerafahrten durchs verwinkelte Schulhaus unfallfrei überstanden, obwohl „ab und zu eine Tür oder ein Tisch im Weg stand“.

Je näher der endgültige Drehtag rückte, umso größer war die Zahl derer, die mitmachen wollten. Am Ende waren es rund 100. Auch die Schüler, die den Grönemeyer-Song zunächst eher uncool und „total out“ fanden, ließen sich mitreißen. Und viele steuerten Ideen dazu bei, wie man in einem reinen Jungeninternat Männerklischees kreativ auf den Arm nehmen könnte. Requisiten waren unter anderem ein Teddybär, ein blauer Schlumpf und ein Bügelbrett. Neben den Schülern machten auch die „Chefs“ mit. Chorleiter Karl-Heinz Liebl räkelt sich am Klavier, vor ihm Bildchen von Fußballern und dem Papst. Chormanager Christof Hartmann bringt sein schwindendes Haupthaar ein und Schulleiter Berthold Wahl schwenkt eine Friedenstaube. Kreikle: „Es war eine tolle Alberei“.

Nach fast einem Jahr Arbeit feiert der LipDub nun „Welturaufführung“. Herbert Grönemeyer persönlich hat mittlerweile seine Placet erteilt und so kann das Video auch im Rahmen der Regensburger Schülertheatertage öffentlich gezeigt werden, im Anschluss an den „Männerabend“ der Theatergruppe.

Dickes Lob von den Abiturienten

Alle, die es bisher gesehen haben, fanden es toll. „Das größte Lob“, erzählt Sabine Singer, kam von ihren Abiturienten. Mitgemacht haben sie nicht, aber vom LipDub waren sie ehrlich begeistert. Sie fanden sich und ihre Schule, das „Kaff“ darin wieder. Hier sind die Jungs mal keine braven, stets disziplinierten und sauber gescheitelten Chorknaben und -männer, sondern witzige und originelle Typen. Ja, befanden die dienstältesten Kaffler: „Das sind wir“.

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