MyMz
Anzeige

Kameras nehmen Lehrer in den Fokus

Der Unterricht in der Grundschule Burgweinting wird nun live in Seminar-Räume übertragen – für eine bessere Lehrerausbildung.
Von Aaron Grassl, MZ

Projektkoordinator Stefan Prock, Lehrerin Sabrina Dirscherl, Rektorin Cäcilia Mischko und Projektleiterin Prof. Petra Kirchhoff (v. l.) vor den Bildern aus dem Klassenzimmern.
Projektkoordinator Stefan Prock, Lehrerin Sabrina Dirscherl, Rektorin Cäcilia Mischko und Projektleiterin Prof. Petra Kirchhoff (v. l.) vor den Bildern aus dem Klassenzimmern. Foto: Graßl

Regensburg.Big Brother im Klassenzimmer? Diese Sorge konnte den Eltern am Freitag bei der Eröffnung der zweiten Universität-Regensburg-Klasse (UR-Klasse) genommen werden. Nach dem Albertus-Magnus-Gymnasium ist nun auch ein Klassenzimmer der Grundschule Burgweinting mit Kameras und Mikrofonen ausgestattet worden. Ziel ist es allerdings nicht, die Schüler während des Unterrichts zu überwachen. Vielmehr sind es die Lehrkräfte, die im Fokus stehen.

Die technische Ausstattung erfolgte in Kooperation mit der Universität Regensburg und wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Grundschule Burgweinting ist bereits seit längerem Partnerschule der Uni, weshalb sich dort die Einrichtung einer UR-Klasse anbot. Im Projektverbund „Kooperative Lehrerbildung Gestalten“ (Koleg) sollen unter der Leitung von Dr. Petra Kirchhoff, Professorin für Fachdidaktik Englisch, sowie Projektkoordinator Stefan Prock noch zwei weitere Schulen solche Klassenzimmer erhalten, eine Mittel- und eine Realschule.

So wirken die Lehrer

Sinn und Zweck dieser UR-Klassen ist es, die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften zu verbessern. So können die audiovisuellen Aufzeichnungen für Lehramtsstudenten in Seminaren zur Veranschaulichung verwendet werden. Zudem dienen die Aufnahmen des Unterrichts Referendaren zur Selbstreflexion. Weiter können auch bereits voll ausgebildete Lehrer von diesen UR-Klassen profitieren, da sie somit einen Blick von außen auf sich selbst erhalten. Die Pädagogen können so sehen, wie sie als Lehrer wirken, welche Körpersprache sie zum Ausdruck bringen und wie ihre Interaktion mit den Schülern verläuft.

Zu den UR-Klassen gehören nicht nur die mit Kameras und Mikrofonen ausgestatteten Unterrichtsräume, sondern auch Seminarräume, in denen Bild und Ton zeitgleich als Stream oder zeitversetzt als Aufzeichnung übertragen werden können. Damit müssen etwa Beisitzer nicht mehr direkt im Klassenzimmer anwesend sein, um den Unterricht zu verfolgen, was oftmals störend ist, sondern können diesen nun aus einem Nebenraum beobachten.

Was in Regensburg nun Einzug hält, wird von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München bereits seit über sechs Jahren erfolgreich umgesetzt. In seinem Vortrag, den Dr. Kai Nitsche bei der Eröffnung der UR-Klassen an der Grundschule Burgweinting hielt, erklärte der Dozent für Grundschulpädagogik an der LMU: „Reflexion kommt in der Lehrerausbildung eine sehr große Rolle zu. Gerade die, die noch jung im Beruf sind, aber auch die, die schon erfahren sind, brauchen solche reflexiven Momente.“

Hohe Hürden überwunden

Eben diese bekommen sie durch die Aufnahme ihres Unterrichts in speziell eingerichteten Räumen. Dass es bei der Ausstattung von Klassenzimmern mit Kameras und Mikrofonen hohe Hürden zu überwinden gibt, weiß die Schulleiterin der Grundschule Burgweinting, Cäcilia Mischko, nur zu gut. Datenschutz, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und andere Herausforderungen mussten bei der Einrichtung der UR-Klasse genauestens beachtet werden. Hierbei ist auch ein großes Vertrauen seitens der Eltern notwendig. Doch die Aufnahmen, so versichert die Rektorin, werden nur zu Schulungszwecken verwendet. Die Rechte der Kinder müssen dabei natürlich berücksichtigt werden. Allerdings profitieren auch die Schüler selbst von den UR-Klassen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht