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Jubiläum

Kampfsport zwischen Körper und Geist

Die Regensburger Taekwon-Do Schule feierte ihr 25-jähriges Bestehen. Schüler, Meister und Großmeister zeigten ihr Können.
Von Martina Groh-Schad

Mit Anlauf springt ein Teakwon-Do-Schüler über fünf Personen und durchschlägt mit seinem Fuß das Brett. Foto: MGS
Mit Anlauf springt ein Teakwon-Do-Schüler über fünf Personen und durchschlägt mit seinem Fuß das Brett. Foto: MGS

Regensburg.Die Hände von Dr. Andreas Brüch sind mit Pflastern und Kratzern übersät. Sein weißer Anzug zeigt Blutspuren. Es war ein Brett, das nicht zerbrechen wollte und ihn vom vierten Dan trennte. Dan nennt man die Grade beim Taekwon-Do, die bei dem Kampfsport eine Aussage über sein Können machen. Mindestens 15 Mal hat er versucht, mit der Hand das Brett zu zerschlagen. „Aufgeben ging nicht“, sagt er. „Ich wollte weitermachen und diese Hürde überwinden.“ Es geht um Selbstdisziplin und persönliche Grenzen, die der Sportler überwinden wollte. „Irgendwas stimmte wohl am Bewegungsablauf nicht“, erklärt er seine Wunden.

„Beim Teakwon-Do nehmen wir die Situation an, wie sie ist und machen das Beste daraus.“

Adolfo Krunes, Großmeister

Am Ende schafft er es doch noch und kann in der Turnhalle in der Clermont-Ferrand-Allee stolz mit zwei weiteren Schülern eine Urkunde über seinen vierten Dan entgegennehmen. Rund 200 Schüler, Meister und Großmeister aus ganz Deutschland sind dorthin zu einem Bundeslehrgang angereist, um gemeinsam ihre Kampftechnik zu verbessern, sich gegenseitig zu messen und Neues zu lernen. Gleichzeitig feierte die Regensburger Taekwon-Do-Schule von Großmeister Adolfo Krunes ihr 25-jähriges Bestehen.

Grenzen suchen

Dieser zerteilt vor Publikum mit einem gezielten und kräftigen Schlag mit den Fingerspitzen einen Stein aus Gasbeton. Im Anschluss müssen Ziegelsteine daran glauben. „Jeder sucht sich selber seine Herausforderungen und Grenzen“, erklärt Krunes. „Ich versuche meine Schüler an ihre Grenzen zu führen und darüber hinaus.“

Adolfo Krunes ist Großmeister und stammt aus Ulm. Vor 25 Jahren gründete er in Regensburg seine Taekwon-Do-Schule. Aktuell hat er etwa 100 Schüler im Alter von fünf bis 72 Jahren.
Adolfo Krunes ist Großmeister und stammt aus Ulm. Vor 25 Jahren gründete er in Regensburg seine Taekwon-Do-Schule. Aktuell hat er etwa 100 Schüler im Alter von fünf bis 72 Jahren.

Dass seine Schule in Regensburg eröffnete, lag an einer Empfehlung des Gesamtverbandes. Krunes stammt ursprünglich aus dem Raum Ulm. „In Regensburg gab es keine Schule und deshalb habe ich hier angefangen“, erklärt er und stieß damit auf großes Interesse bei vielen Sportlern. Aktuell besuchen etwa 100 Schüler im Alter von fünf bis 72 Jahren seine Kampfsport-Schule. Wie viele es in all den Jahren waren, vermag er nicht zu sagen.

Er selbst begann vor 40 Jahren eher zufällig, Kung Fu zu lernen. „Damals gab es eine TV-Serie, die inspirierend war“, erinnert er sich. „Kampfsport reizte mich.“ Als der damalige Lehrer aufhörte, orientierte er sich neu. Seine Anfänge im Teakwon-Do folgten. „Man lernt sich selbst auf eine andere Art kennen und versucht, Harmonie zwischen Körper und Geist herzustellen“, beschreibt der Großmeister seine Kampfkunst. Mit Taekwon-Do lerne man sich und seinen Körper noch einmal ganz anders kennen. „Man formt sich selbst.“

Andreas Brüch hat beim Lehrgang die Prüfung zum 4. Dan abgelegt. Er schätzt die Sportart, weil man an seine Grenzen geht und Hürden überwindet: „Man braucht Selbstdisziplin.“
Andreas Brüch hat beim Lehrgang die Prüfung zum 4. Dan abgelegt. Er schätzt die Sportart, weil man an seine Grenzen geht und Hürden überwindet: „Man braucht Selbstdisziplin.“

Die Sportler erlernen verschiedene Bewegungsabläufe und Körperdrehungen. „Es verlangt sehr viel Selbstdisziplin“, sagt Krunes. „Man braucht einen Lehrer.“ Wenn man einen Lehrer habe, bekomme man einen geistigen Schubs. Es sei ein anstrengender Sport. Krunes räumt ein: „Jeder Schlag auf ein Brett, das nicht zerbricht, tut weh.“ Ein Brett zerbricht mit einem Schlag, wenn man die richtige Technik und Kraft anwendet. Die Sportler versuchen es mit ihrer Hand, ihrem Ellenbogen und den Füßen. Sie drehen sich in der Luft. Einmal oder sogar zwei Mal und zerschlagen in diesem Bewegungsfluss gleich mehrere Bretter, die von anderen Sportlern gehalten werden.

Christian Roselieb aus Straubing fährt zwei Mal pro Woche nach Regensburg zum Training. „Es macht mir Spaß, an meine Grenzen zu gehen und mich intensiv zu bewegen“, sagt er.
Christian Roselieb aus Straubing fährt zwei Mal pro Woche nach Regensburg zum Training. „Es macht mir Spaß, an meine Grenzen zu gehen und mich intensiv zu bewegen“, sagt er.

Immer wieder zeigen beim Lehrgang Sportler ihr Können und treten gegen mehrere andere an, die sie sich durch gezielte Tritte vom Leib halten. Mit entschlossenem Blick stellen sie sich den Angreifern entgegen. Jeder Schlag wirkt kraftvoll und gezielt.

Wie lange es dauert, dass man soweit kommt, kann Krunes nicht beantworten. Dies sei eine sehr individuelle Sache. Natürlich diene der Kampfsport auch der Selbstverteidigung, aber: „Wie gut das dann funktioniert, hängt von vielen Faktoren ab“, erklärt Krunes. Zum Beispiel vom Adrenalinausstoß in einer Gefahrensituation. „Kampfkunst erfordert Konzentration.“

Optimaler Ausgleich

Natürlich spiele für viele Schüler der Gedanke der Selbstverteidigung eine Rolle. Aber auch die Ansprüche an Aufmerksamkeit und die Bewegung sei vielen wichtig. „Es ist für mich ein optimaler Ausgleich zum Beruf“, sagt Stefanie Schweers, die einmal pro Woche in der Schule trainiert. Die 38-Jährige arbeitet als Personalreferentin und ist vor allem im Büro tätig. „Taekwon-Do ist ein idealer körperlicher und geistiger Ausgleich zur Arbeit. Man ist sofort frei von allen Gedanken.“

Ein besonderes Highlight sei für sie das Sommercamp mit anderen Schülern in Kroatien. „Wir trainieren dann am Strand bei Sonnenaufgang und das ist einfach genial“, schwärmt sie von dem Gemeinschaftserlebnis. Aber auch mal Party machen gehöre dazu und es mache Spaß, dabei zu sein.

Martha Stempfhuber ist mit 72 Jahren aktuell die älteste Schülerin. „Teakwon-Do bringt mir Kondition und Beweglichkeit“, betont sie. Sie mag das Training gemeinsam mit Jüngeren.
Martha Stempfhuber ist mit 72 Jahren aktuell die älteste Schülerin. „Teakwon-Do bringt mir Kondition und Beweglichkeit“, betont sie. Sie mag das Training gemeinsam mit Jüngeren.

Die Teakwon-Do-Schule am Nelkenweg 3 in Regensburg hat für die Schüler von Montag bis Freitag von 17 bis 21 Uhr geöffnet. Die Trainingsstunden für Erwachsene beginnen um 18.30 Uhr und um 19.30 Uhr. Krunes arbeitet mit mehreren Trainern zusammen. Wer die Schule kennenlernen möchte, ist als Gast zum Probetraining willkommen. Weitere Informationen im Internet: www.taekwondo-regensburg.de.

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